Mexikos mächtigstes Drogenkartell: Jalisco Nueva Generación

Jalisco Nueva Generación:Brutal und schlagkräftig: Mexikos mächtigstes Drogenkartell

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Es geht brutal vor, seine Mitglieder richten Blutbäder an: Jalisco Nueva Generación ist Mexikos mächtigstes Drogenkartell. Nach dem Tod des Kartellchefs bricht Gewalt im Land aus.

Ein Soldat steht neben einem ausgebrannten Fahrzeug in Cointzio im mexikanischen Bundesstaat Michoacán Wache

Nach dem Tod von Kartellchef "El Mencho" brennen in mehreren mexikanischen Bundesstaaten Fahrzeuge und Geschäfte. Es gibt mindestens 14 Tote.

23.02.2026 | 2:28 min

Der Tod des Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes alias "El Mencho" bei einem Militäreinsatz hat in weiten Teilen Mexikos Gewalt ausgelöst. Das von ihm gegründete Drogenkartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) blockierte in Jalisco sowie in einigen anderen Bundesstaaten Straßen und zündete Fahrzeuge an. Bewaffnete Männer steckten außerdem Geschäfte in Brand und versetzten die Bevölkerung in Angst.

Die heftige Reaktion auf "El Menchos" Tötung macht deutlich, wie weit der Arm seines Kartells reicht.

Ein Überblick über die Aktivitäten des Kartells und die möglichen Folgen von "El Menchos" Tod:

Was ist Jalisco Nueva Generación und welchen Einfluss hat das Kartell?

"El Mencho" gründete sein Kartell 2009. Es profitierte von den Machtkämpfen zwischen anderen Drogenbanden und stieg nach der Auslieferung der Gründer des Sinaloa-Kartells, Joaquín "El Chapo" Guzmán und Ismael "El Mayo" Zambada, an die USA zum mächtigsten Drogenkartell des Landes auf.

Die US-Behörden stufen CJNG als terroristische Organisation ein und sehen in dem Kartell einen der Hauptverantwortlichen für den Handel mit Heroin, Kokain, Methamphetamin und Fentanyl in den USA. Laut dem Experten José Reveles hat sich das Kartell aber auch andere Absatzmärkte in Europa, Asien, Afrika und sogar Australien gesucht.

Mexikanische Polizisten.

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23.02.2026 | 0:17 min

Außer dem Drogenhandel nutzt das Kartell laut der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA auch Erpressungen, Treibstoffdiebstahl und Menschenhandel als sehr einträgliche Einnahmequellen.

David Mora, Experte der Organisation International Crisis Group, hebt hervor, kennzeichnend für "El Menchos" Kartell sei der "konstante Wille, die mexikanische Regierung herauszufordern". Das sei dem Kartell auch gelungen, da es "sicherlich eine der mächtigsten Organisationen Mexikos in puncto militärischer Kapazitäten, Rekrutierung und Bewaffnung" sei.

Das US-Außenministerium veröffentlichte am 4. Dezember 2024 ein Foto, das ein Fahndungsplakat für den Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes alias "El Mencho" zeigt.

Das US-Außenministerium veröffentlichte am 4. Dezember 2024 ein Foto, das ein Fahndungsplakat für den Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes alias "El Mencho" zeigt.

Quelle: US State Department / Handout

Zur Einschüchterung seiner Gegner verbreitet das Kartell immer wieder Bilder seiner Kämpfer mit schweren Waffen und gepanzerten Fahrzeugen. CJNG geht äußerst brutal vor, immer wieder richten seine Mitglieder Blutbäder an. 2020 wurde der damalige Polizeichef von Mexiko-Stadt und heutige mexikanische Minister für öffentliche Sicherheit, Omar García Harfuch, bei einem Mordanschlag verletzt. Auch die Ermordung des Bürgermeisters der Großstadt Uruapan, Carlos Manzo, soll auf das Konto des Kartells gehen.

Junge mit Waffe vor Mann hinter Gitter (Montage).

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22.02.2026 | 17:24 min

Welche Reaktionen löst "El Menchos" Tötung aus?

Die gewaltsamen Reaktionen gingen über "El Menchos" Heimat-Bundesstaat Jalisco hinaus, insgesamt 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten waren von der Gewalt und Sabotage betroffen. Der Sicherheitsexperte Gerardo Rodríguez sagt, die Behörden hätten zwar mit einer Reaktion des Kartells gerechnet, aber nicht erwartet, "dass sie eine landesweite Dimension haben wird".

Ein Polizist bewacht am 22.02.2026 ein ausgebranntes Auto auf einer Straße in Guadalajara, der Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Jalisco.

Polizeibeamte in Guadalajara im Bundesstaat Jalisco: Ein Fahrzeug wurde nach dem Tod von "El Mencho" in Brand gesetzt.

Quelle: Imago

Nach Rodríguez' Einschätzung ist für den mexikanischen Staat "El Menchos" Tötung trotzdem ein Erfolg - zumal sein Kartell nicht verhindern konnte, dass sein Leichnam in der Gewalt der Behörden ist.

In einsatztaktischer Hinsicht ist das ein sehr gelungener Einsatz der Regierung.

Gerardo Rodríguez, Sicherheitsexperte

Welche Zukunft zeichnet sich für das Kartell nun ab?

"El Mencho" war in seinem Kartell omnipräsent, ein Nachfolger drängt sich nicht auf. Sein ältester Sohn Ruben Oseguera González, der unter dem Namen "El Menchito" bekannt ist, wurde vergangenes Jahr in den USA zu lebenslanger Haft verurteilt.

Denkbar ist, dass das Kartell seine illegalen Aktivitäten ohne einen obersten Chef fortsetzt - oder ein blutiger Kampf um die Führung ausbricht. Wegen der fehlenden "direkten Nachfolge entsteht ein Machtvakuum, das die Möglichkeit gewaltsamer Neuordnungen innerhalb der Organisation eröffnet", sagt Experte David Mora.

Diese internen Auseinandersetzungen bei Jalisco Nueva Generación könnten andere Drogenbanden nutzen, um ihre Macht auszuweiten. So könnte es laufen wie beim Sinaloa-Kartell, dessen Schwächung durch interne Machtkämpfe Jalisco Nueva Generación seinen Aufstieg zum bisher mächtigsten Kartell Mexikos verdankte.

Doku | ZDFinfo Doku
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Montage: Die Köpfe von drei Protagonisten mit verschiedenen Masken liegen hintereinander, einer hält eine Waffe. Im Hintergrund brennt ein Feuer in der Nacht, Funken sprühen.
Quelle: AFP
Über das Thema berichtete das ZDF am 23.02.2026 in mehreren Sendungen, unter anderem in der ZDFheute Xpress ab 09:00 Uhr und im ZDF-Mittagmagazin ab 12:00 Uhr.
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