Verheerende Feuer in Frankreich:Wie relevant ist der Klimawandel für die Waldbrände?
von Oliver Klein
In sozialen Medien wird über die Ursachen der Waldbrände bei Bordeaux heftig diskutiert. Der Klimawandel verschärft die Lage - er ist aber nicht der einzige Faktor.
Frankreich, Spanien, Griechenland und die Türkei: Tausende müssen vor den Feuern fliehen. Auch in Deutschland besteht Waldbrandgefahr. Wie Europa gegen die Flammen kämpft - ZDFheute live.
30.07.2026 | 26:27 minIn mehreren europäischen Ländern toben weiter heftige Waldbrände - und in sozialen Medien tobt eine Debatte über die Ursachen der Feuer und die daraus folgenden Konsequenzen.
Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) postet beispielsweise einen Artikel zu den Waldbränden in Frankreich und schreibt dazu "alles leidet unter dem Klimawandel". In den rund 1.200 Kommentaren darunter ist von "Klimalüge" die Rede, etliche Nutzer verweisen darauf, dass sich Wald "nicht selbst" entzündet, sondern Brände fast immer direkt von Menschen verursacht würden. "Waldbrände kommen nicht vom Klimawandel", heißt es.
Der baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Miguel Klauß postet etwa bei Facebook, Waldbrände würden zu 99 Prozent durch "Außenwirkung" und zu einem Prozent von Blitzeinschlag verursacht. "Klimawandel: 0 Prozent" schreibt er.
Wie relevant ist der Klimawandel tatsächlich für die heftigen Brände? Welche anderen Faktoren spielen eine Rolle? ZDFheute mit einem Faktencheck am Beispiel der riesigen Brände bei Bordeaux in Frankreich.
Die Waldbrände bei Bordeaux haben schwere Schäden angerichtet. In Biscarrosse wurden mehrere Häuser zerstört. Starker Wind facht die Feuer weiter an und erhöht die Gefahr neuer Brände.
30.07.2026 | 2:30 minBetroffene Region leidet unter Hitze und Trockenheit
Der vergangene Monat war in Westeuropa der heißeste gemessene Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur lag mehr als drei Grad über dem Juni-Mittel der Jahre 1991 bis 2020, wie der Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus mitteilte.
Betroffen von der Juni-Hitze war vor allem der Westen Frankreichs - dort liegt auch das Département de la Gironde, in dem jetzt Waldbrände wüten. Dazu leidet die Region seit Mitte Mai unter extremer Trockenheit: Bisher fiel während des gesamten Jahres nur halb so viel Niederschlag wie sonst üblich, wie Daten des französischen Wetterdienstes zeigen. Gleichzeitig beschleunigen die hohen Temperaturen die Verdunstung und trocknen die Böden weiter aus.
Wie wird sich die kommende Hitzewelle auf die Waldbrände in Spanien und Frankreich und auch auf Deutschland auswirken? ZDF-Meteorologe Özden Terli mit einer Einschätzung.
28.07.2026 | 1:24 minKlimawandel verschärft extreme Hitzewellen
Eine Analyse der wissenschaftlichen Initiative World Weather Attribution (WWA) kam zu dem Schluss, dass eine extreme Hitzewelle wie im Juni in Westeuropa unter den klimatischen Bedingungen, wie sie noch vor 50 Jahren herrschten, praktisch unmöglich gewesen wäre.
Die Hitzewelle sei zwar in einer Wetterlage aufgetreten, wie es sie auch früher schon gab. "Ein ähnliches Zirkulationsmuster führt heute jedoch zu deutlich höheren Temperaturen als noch Mitte des 20. Jahrhunderts, weil sich das klimatische Ausgangsniveau erwärmt hat", schreiben die Autoren. "Wissenschaftlich ist zweifelsfrei belegt, dass der Klimawandel Hitzewellen verschärft", erklärt der britische WWA-Forscher Dr. Theodore Keeping.
Diesen Frühling regnet es zu wenig, vor allem im Norden und Nordosten gibt es Dürre-Warnungen. In Ungarn kämpfen Landwirte mit den trockenen Böden, in Polen herrscht teils höchste Waldbrandgefahr
30.04.2026 | 1:54 minSo erhöht der Klimawandel das Risiko für verheerende Brände wie jetzt in der Region um Bordeaux: "Je trockener, desto mehr Biomasse wird zu Brennmaterial", erklärt der Forstwissenschaftler und Feuerökologe Alexander Held auf Anfrage von ZDFheute. Dadurch sorge der Klimawandel "für die passenden Rahmenbedingungen". Auch die Europäische Umweltagentur EEA schreibt in einer Analyse: "Der Klimawandel hat die Waldbrandgefahr in ganz Europa erhöht."
Ursache von Waldbränden in Europa
Klar ist: Hitze allein löst keine Waldbrände aus. Holz, trockene Baumnadeln oder Gräser entzünden sich erst ab ca. 250 bis 300 Grad - für einen Waldbrand braucht es also eine Zündquelle. Aktuelle Daten (2024) zu den Ursachen von Waldbränden in Europa gibt es im Jahresbericht zu Waldbränden des Joint Research Centres (JRC) der Europäischen Kommission. Sie zeigen: Der Mensch ist die Hauptursache.
Bei Bordeaux brennt es weiter. Teils sind die Feuer unter Kontrolle, erste Evakuierte können zurück in ihre Gemeinden. Doch giftiger Rauch beeinträchtigt das Leben. Was begünstigt die Brände?
30.07.2026 | 4:52 min- Die meisten Feuer werden durch Unachtsamkeit verursacht: Weggeworfene Zigaretten, Lagerfeuer oder andere Fälle von Fahrlässigkeit sind - je nach Land - für bis zu zwei Drittel der Waldbrände verantwortlich.
- Brandstiftung ist ebenfalls ein wichtiger Faktor: In Deutschland wurden 18 Prozent der Waldbrände absichtlich gelegt, in Portugal sogar 38 Prozent.
- Natürliche Ursachen - meistens ist es Blitzschlag - sind nur für einen kleinen Teil der Brände verantwortlich. In Deutschland wurden 2024 drei Prozent der Waldbrände durch Blitzschlag verursacht, in Finnland und Österreich waren es jeweils gut 20 Prozent.
- In vielen Fällen ist die Brandursache unklar - in Polen ist das beispielsweise bei über 80 Prozent der Brände der Fall.
Was die aktuellen Brände in der Gironde verursacht hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Generell gilt: Auslöser sind meistens einzelne Menschen - aber die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Feuer sich zu Bränden mit katastrophalen Auswirkungen entwickeln, wird durch klimatische Bedingungen erhöht.
Können die Einsatzkräfte den Flammen in Frankreich Herr werden? Feuerökologe Alexander Held ist skeptisch - und kritisiert eine fehlende Prävention der vergangenen Jahrzehnte.
29.07.2026 | 5:31 minMonokulturen verschlimmern Ausmaß der Feuer
Doch der Klimawandel ist nicht der einzige Faktor, der das Ausmaß der Brände in der Gironde verschlimmert. Weite Teile der Region sind von Kiefernwäldern bedeckt. Die Monokulturen wurden im 19. Jahrhundert gepflanzt, für die Gewinnung von Holz und Harz. Es ist mit einer Fläche von einer Million Hektar das größte, zusammenhängende Waldgebiet Westeuropas.
Monokulturen aus Nadelbäumen wie Kiefern sind - auch wegen ihres hohen Harzgehalts - deutlich anfälliger für Brände als Mischwälder mit Laubbäumen. Damit habe der Mensch "die Bedingungen für ein Feuer noch besser" gemacht, so Held - "und dazu noch auf ehemaligem Moor- und Sumpfgebiet. Es wurde ja entwässert und dementsprechend ist der Boden auch noch brennbar." Das sei "eine perfekte Kombination" aus menschlichem Verschulden und den Wetterbedingungen, so der Experte.
Die Waldbrände bei Bordeaux haben schwere Schäden angerichtet. In Biscarrosse wurden mehrere Häuser zerstört. Starker Wind facht die Feuer weiter an und erhöht die Gefahr neuer Brände.
30.07.2026 | 2:30 minExperten vom französischen Nationalen Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt (INRAE) forderten bereits 2012 in einer Zukunftsstudie einen radikalen Umbau der Wälder. Insbesondere Laubbäume - die weniger brennbar sind - sollten gezielt als eine Art "Schutzgürtel" an den Waldrändern gepflanzt werden, um die Ausbreitung von Bränden zu verhindern oder zu verlangsamen.
Viel Unterholz bot dem Feuer zusätzliche Nahrung
Und noch ein weiterer Faktor befeuerte die Katastrophe: Ein außergewöhnlich milder, aber nasser Winter ließ im Frühjahr Gräser, Sträucher und Unterholz stark wachsen. Diese zusätzliche Vegetation trocknete durch die Hitzewellen ab Mitte Mai weitgehend aus - und bot den Flammen reichlich Nahrung.
Fazit: Der Klimawandel ist nicht der direkte Auslöser der heftigen Waldbrände. Er ist jedoch - anders als in manchen Social-Media-Postings behauptet - ein relevanter Risikofaktor für die Brände, weil er extreme Hitzewellen verschärft, dadurch die Vegetation austrocknet und so die Ausbreitung von Feuern begünstigt. Die Monokulturen aus Kiefern in der Gironde und besonders viel Unterholz kommen als wesentliche weitere Faktoren dazu.
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