"Keine Talkshow": Schadet Social Media unseren Kindern?

Debatte bei "Keine Talkshow":Schadet Social Media unseren Kindern?

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Soll Social Media für Jugendliche verboten werden? Jan Fleischhauer und Influencer Levi Penell streiten bei "Keine Talkshow" über Sucht, Schutz und staatliche Eingriffe.

Das Bild zeigt Jan Fleischhauer und Levi Penell in einem Raum mit grauer Betonwand, der wie ein Kinder- oder Jugendzimmer inszeniert ist. Links im Bild steht ein niedriges Bett mit gelber Bettwäsche und bunten Motiven, darauf liegt ein kleines rotes Kuscheltier. An der Wand darüber ist die schwarze Silhouette eines Skateboarders zu sehen.

Jan Fleischhauer meint: Social Media schadet Kindern und muss eingeschränkt werden. Influencer Levi Penell entgegnet: Ein Verbot wäre wirkungslos und gefährdet wichtige Freiräume für Jugendliche.

23.04.2026 | 27:43 min

Social Media als Droge - für Jan Fleischhauer ist das keine Metapher, sondern eine Diagnose. Im ZDF-Format "Keine Talkshow" sagt der Kolumnist:

Social Media ist auf jeden Fall schädlich. Social Media kann Depression befeuern.

Jan Fleischhauer

Influencer Levi Penell widerspricht nicht grundsätzlich. Auch er sieht Risiken. Social Media könne süchtig machen, sagt er. Doch genau hier zieht er eine Grenze:

Ich sage einfach nur, Social Media ist keine Droge.

Levi Penell

Fotomontage: Eine Hand hält ein Smartphone. Dahinter ein Justitia-Symbol.

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Soziale Medien als Droge?

Für Penell ist das entscheidend. Eine Droge wirke über einen Stoff, der abhängig mache. Social Media dagegen funktioniere anders - als Angebot, das man zu viel nutzen könne, aber nicht als Substanz, die zwingend abhängig mache.

Schon in diesen ersten Minuten wird klar: Beide sprechen über dasselbe Phänomen, ziehen aber unterschiedliche Schlüsse daraus. Für Fleischhauer ist die Suchtgefahr ein Argument für staatliche Eingriffe. Für Penell eher ein Hinweis darauf, den Umgang mit Social Media zu regulieren - nicht es grundsätzlich zu verbieten.

"Keine Talkshow - Eingesperrt mit Jan Fleischhauer" ist eine Ergänzung etablierter Diskussionsformate. Ein schlichter Raum - fest installierte Kameras, kein Entkommen und zwei Diskutanten, die sich auf Augenhöhe begegnen. Das Thema ist vorgegeben. Was sie daraus machen, bestimmen sie selbst. Eine rund 30-minütige Sendung, kontrovers, emotional und doch immer darum bemüht, den anderen zu überzeugen.


Social Media: Verbot oder Kontrolle?

Diese unterschiedlichen Ansätze prägen die gesamte Debatte. Fleischhauer argumentiert mit klassischen Suchtkriterien: Kontrollverlust, Entzugserscheinungen, das Gefühl, nicht mehr loszukommen. Penell hält dagegen, dass man zwischen Problem und Ursache unterscheiden müsse. Viele Dinge könnten süchtig machen - ohne deshalb automatisch verboten zu werden.

Eine Frau hält ein Smartphone, auf dessen Display verschiedene Social Media Apps angezeigt werden. (zu dpa: «Belangloses in Serie – Scrollen Kinder sich um den Verstand?»)

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Besonders deutlich wird der Konflikt beim Thema Altersgrenzen. Fleischhauer plädiert für ein Verbot für Minderjährige - ähnlich wie bei Alkohol oder Zigaretten. Der Staat müsse eingreifen, wo Eltern an Grenzen stoßen.

Penell hält das für wenig praktikabel. Ein Verbot lasse sich leicht umgehen: "Das kriegt jeder 14-Jährige hin." Stattdessen schlägt er abgestufte Lösungen vor - mit eingeschränkten Funktionen je nach Alter. Ein System, das auf Nutzung statt Verbot setzt.

Macht Social Media krank?

Auch bei der Bewertung von Risiken gehen die Perspektiven auseinander. Fleischhauer verweist auf Studien und Entwicklungen: steigende psychische Belastungen, Probleme mit Selbstbild und Konzentration. Für ihn ist das kein Zufall. Die Plattformen seien so gebaut, dass sie Nutzer möglichst lange binden.

Es war ein historisches Gerichtsurteil, das Ende März 2026 fiel: Eine 20-jährige Frau klagte in den USA erfolgreich gegen große Tech-Konzerne. Ihr Vorwurf: Plattformen wie Instagram und YouTube hätten sie süchtig gemacht und damit ihre psychische Gesundheit geschädigt. Ein Gericht gab ihr Recht und sprach ihr drei Millionen Dollar Schadensersatz zu.

Die Jury sah es als erwiesen an, dass die Plattformen so gestaltet sind, dass sie Nutzer möglichst lange binden - etwa durch endloses Scrollen oder personalisierte Inhalte. Der Fall gilt als wegweisend, weil erstmals nicht nur Inhalte, sondern auch die Funktionsweise der Plattformen juristisch bewertet wurde. Beobachter erwarten, dass ähnliche Klagen folgen könnten.


Penell widerspricht nicht den Problemen - wohl aber der einfachen Ursache-Wirkung-Logik. Viele Studien zeigten Zusammenhänge, aber keine klare Richtung. Ob Social Media krank mache oder eher von bereits bestehenden Problemen angezogen werde, sei offen.

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Zwischen Hilfe und Gefahr

Die Diskussion wird konkreter, als es um eigene Erfahrungen geht. Penell beschreibt, wie ihm Social Media als Jugendlicher geholfen habe, Kontakte zu knüpfen: "Das waren für mich Freunde, auch wenn ich die nur digital gekannt habe." Gleichzeitig berichtet er auch von negativen Erfahrungen im Netz - und stellt infrage, ob ein Verbot ihn damals wirklich geschützt hätte.

In Australien gilt seit Dezember 2025 eine Regelung, die Plattformen verpflichtet, Accounts von unter 16-Jährigen zu unterbinden. Bis März 2026 wurden über fünf Millionen Accounts entfernt oder eingeschränkt. Trotzdem hat laut Behörden noch etwa ein Drittel der Kinder weiterhin Zugang zu Social Media - entweder weil sie Altersprüfungen umgehen oder weil diese noch nicht zuverlässig greifen.


Fleischhauer bleibt skeptisch. Aus seiner Sicht unterschätzen viele die Mechanismen hinter den Plattformen. Die Unternehmen wüssten genau, wie ihre Systeme wirken. "Die wissen ziemlich genau, was sie tun", sagt er mit Blick auf Algorithmen und Nutzerbindung.

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Wer trägt die Verantwortung?

Damit rückt eine andere Frage in den Mittelpunkt: Wer trägt die Verantwortung - Nutzer, Unternehmen oder der Staat? Am Ende geht es nicht mehr nur um Jugendliche, sondern um den Umgang mit digitalen Plattformen insgesamt. Penell warnt davor, das Problem auf eine Altersgruppe zu verengen. Die Risiken beträfen alle - unabhängig vom Alter. Ein Verbot für Jugendliche sei deshalb zu kurz gegriffen.

Fleischhauer sieht das anders. Für ihn ist genau dieser Schutz entscheidend - auch wenn er nicht perfekt durchsetzbar ist.

Eine Annäherung gibt es nicht. Stattdessen stehen zwei Modelle nebeneinander: mehr staatliche Kontrolle - oder mehr Eigenverantwortung im Umgang mit einer Technologie, die längst Alltag geworden ist.

Über dieses Thema berichtet "Keine Talkshow" am 23.04.2026 im ZDF ab 10 Uhr im Streaming und ab 00:45 Uhr im Programm.

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