Hoffnung auf Rückenwind aus Rom:Papst Leo beim Katholikentag präsent, aber nicht dabei
von Jürgen Erbacher
Anders als bisher gab es keine Grußbotschaft des Papstes zum Auftakt des Katholikentags. Daraus aber einen Streit zwischen Rom und der deutschen Kirche abzuleiten, greift zu kurz.
Der diesjährige Katholikentag findet unter dem Motto "Hab Mut, steh auf!" in Würzburg statt. Zum Auftakt rief Bundespräsident Steinmeier zu mehr Miteinander und Zuversicht auf.
14.05.2026 | 0:18 minEin Bundespräsident, der dem Papst im Streit mit US-Präsident Donald Trump den Rücken stärkt, eine Präsidentin des Katholikentags, die selbstbewusst an Leo XIV. adressiert "Wir Laien sind hier!", und Gläubige, denen der Papst egal ist, weil sie Kirche vor Ort leben wollen. Es ist der erste Katholikentag seit der Papstwahl vor gut einem Jahr.
Das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken ist in Würzburg präsent, aber nicht dabei. Anders als bei den letzten Katholikentagen gab es für Würzburg keine Botschaft des Kirchenoberhaupts an die Teilnehmenden. Ein Grund dafür war vor Ort nicht zu erfahren. Offen ist, ob es eine Botschaft zum Abschluss am Sonntag geben wird.
Es ist ein beispielloser Streit zwischen dem US-Präsidenten und Papst Leo XIV.. Trump legt nochmal nach und bezeichnet den Papst als eine Zumutung.
15.04.2026 | 33:15 minWürzburg: Geteilte Meinungen zu Papst Leo
Bei den Menschen, die in Würzburg zusammengekommen sind, ist die Stimmung mit Blick auf den Papst sehr unterschiedlich. "Ich fand das richtig gut, dass unser Oberhaupt der Kirche den Mund aufmacht. Das ist eine Sprache, die wichtig ist für unsere Welt", erklärt Regine Hufner mit Blick auf den Schlagabtausch zwischen dem Papst und dem US-Präsidenten zum Thema Krieg und Frieden. Was Rücken- oder Gegenwind für die Kirche in Deutschland durch Leo betrifft, ist die Hildesheimerin eher zurückhaltend.
Wir haben andere Wünsche als Afrika oder unser Nachbarland Polen vielleicht. Und da eine Einheit hinzukriegen, ist absolut schwierig, ein Spagat.
Regine Hufner, Christin aus Hildesheim
Papst Leo habe aber allein durch seine Sprache viel bewirkt. Das mache sie mutig, so Hufner.
Papst Leo lehnt die förmliche Segnung von homosexuellen Paaren ab. Der Vatikan sei mit einer weitergehenden Liberalisierung "nicht einverstanden".
24.04.2026 | 1:05 minZuspruch für Papst Leo nach Streit mit Trump
Auch Gerdi Polall, die aus der Nähe von Kitzingen nach Würzburg gekommen ist, fand es gut, dass der Papst Trump geantwortet hat. Die evangelische Christin ist allerdings skeptisch, dass der Papst viel in der katholischen Kirche erreichen kann.
Dafür gibt es noch viele mächtige Männer im Hintergrund, die das verhindern.
Gerdi Polall, Christin aus Nordbayern
Sie wünsche sich vor allem Fortschritte in der Ökumene, also dem Miteinander der verschiedenen christlichen Kirchen. "Alle, die sich ein bisschen öffnen, werden sofort zurückgepfiffen, wie etwa Kardinal Marx", bedauert Polall.
Nach seinem weltweiten Friedensappell wurde der Papst mehrfach von US-Präsident Trump verbal attackiert.
16.04.2026 | 2:27 minFlorian Wess aus Ulm, der als ehrenamtlicher Helfer beim Katholikentag mitwirkt, hatte von der Auseinandersetzung zwischen Papst und US-Präsident nichts mitbekommen. "Kirche hat allgemein immer einen Standpunkt zu Krieg und Frieden. Sie ist immer die neutrale Position in solchen Verhältnissen." Deshalb, so Wess, sei es wichtig, dass die Kirche sich an dieser Stelle einbringt.
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Hochrangiger Vatikanvertreter bei Katholikentag
Katholikentage wollen wie Evangelische Kirchentage eine Art Zeitansage sein. Politik, Religion und Gesellschaft sollen miteinander ins Gespräch kommen. Daneben geht es immer auch um innerkirchliche Fragen - etwa das Verhältnis zwischen dem Vatikan und der katholischen Kirche in Deutschland.
Dass mit Kardinal Grech nach langer Zeit wieder ein hochrangiger Vatikanvertreter bei einem Katholikentag auf einem Podium sitzt, ist ein Zeichen der Entspannung. Grech, der im Vatikan für Synoden zuständig ist, wird auch beim Abschlussgottesdienst am Sonntag die Eucharistie mitfeiern.
Auf seiner Afrika-Reise prangert Papst Leo XIV. Machtgehabe und Kriegstreiberei an. Dafür wird er von US-Präsident Trump verbal attackiert.
21.04.2026 | 2:07 minPapst Leo sendet Signale der Entspannung
Leo XIV. selbst hatte in jüngerer Vergangenheit trotz klarer Worte mit Blick auf die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare Zeichen der Entspannung gesendet. Er lehne die Regelung der deutschen Bischöfe klar ab, so der Papst. Zugleich sieht er Unterschiede in Fragen der Sexualmoral nicht als einen Grund, von einer Spaltung zwischen dem Vatikan und der Kirche in Deutschland zu sprechen.
Diese Haltung zeigt, dass es in den Beziehungen dies- und jenseits der Alpen um Millimeterarbeit geht und viel Diplomatie nötig ist. Vor allem müssen Gesprächskanäle offengehalten werden, damit die unterschiedlichen Geschwindigkeiten zwischen einer mehrheitlich auf Reformen drängenden Ortskirche und der Zentrale, die die ganze Weltkirche mit ihren Unterschieden im Blick hat, nicht zu großen Konflikten führen.
Jürgen Erbacher ist Leiter ZDF-Redaktion Religion und Leben.
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