Softwarefehler beim Bahnfunk GSM-R:Bundesweiter Zugausfall: Jetzt erklärt die Bahn die Gründe
Anfang der Woche standen bei der Bahn alle Züge still. Nun erklärt der Konzern, was beim Bahnfunk schiefgelaufen war. Doch das anfällige System wird noch Jahre im Einsatz sein.
Es müssen "möglichst viele Kilometer saniert und die Technik auf Vordermann" gebracht werden. Das Sondervermögen müsse dafür "zur Verfügung gestellt werden", so Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, CSU.
25.06.2026 | 7:41 minEin Fehler im digitalen Bahnfunksystem GSM-R hat in der Nacht auf Dienstag den Zugverkehr im ganzen Land zum Erliegen gebracht - nun hat die Bahn herausgefunden, was genau passiert ist und Gegenmaßnahmen ergriffen.
Ursache war demnach der planmäßige Tausch eines sogenannten Switches, einer Netzwerkverteilkomponente, wie der bundeseigene Konzern mitteilte. Als Folge des Austauschs sei ein Softwarefehler aufgetreten.
In ganz Deutschland war der Zugverkehr Anfang der Woche zeitweise zum Erliegen gekommen. Eine Störung im digitalen Funknetz der Bahn war der Auslöser.
24.06.2026 | 1:26 minAutomatische Fehlermeldung blieb aus
Dieser Fehler habe aber nicht wie eigentlich vorgesehen eine automatische Meldung nach sich gezogen, weshalb das betroffene System nicht auf ein Parallelsystem umgesprungen sei. Der Wechsel habe stattdessen manuell vollzogen werden müssen.
Zuvor hätten die Mitarbeiter aber ausschließen müssen, dass es sich um einen Cyberangriff handelte. Erst danach habe der Wechsel durchgeführt werden können. Gegen 0:30 Uhr, rund zwei Stunden nach dem Ausfall, funktionierte der Funk wieder und die Züge konnten weiterfahren.
Bundesweit standen Züge still: Eine IT-Störung zwang DB-Züge zum Stillstand.
24.06.2026 | 1:56 minVorerst kein weiterer Komponententausch
Die Bahn hat eigenen Angaben zufolge mehrere Maßnahmen ergriffen, damit sich dieser bisher einmalige Vorfall nicht wiederholt. Vorerst sollen demnach keine weiteren Komponenten getauscht werden, bis mit dem Hersteller des Geräts der Fehler behoben sei.
Instandhaltungen im System sollen künftig zudem nur noch in der Nacht zwischen 0.00 und 4.00 Uhr durchgeführt werden und nur in dem System, das gerade nicht verwendet wird.
Klar ist: Die Modernisierung unserer Infrastruktur ist der einzige Weg nach vorn.
Philipp Nagl, Chef der Bahn-Infrastrukturgesellschaft DB InfraGo
Was "über 30 Jahre liegen geblieben ist", könne man nicht in drei Jahren in Ordnung bringen, so Tarek Al-Wazir, B‘90/Grüne, Vorsitzender Verkehrsausschuss. Es brauche aber auch Neu- und Ausbau.
12.06.2026 | 6:51 min"Im Rahmen unserer Digitalisierungsstrategie erneuern wir das aktuelle GSM-R-Netz deshalb gerade noch mal umfassend, unterziehen es einem Upgrade und machen es resilienter", so Nagl.
Funksystem noch mindestens zehn Jahre im Einsatz
Das Funksystem GSM-R (Global System for Mobile Communications - Railway) ist mehr als 20 Jahre alt, aber nach wie vor europaweiter Standard bei sämtlichen Eisenbahnen. Das Nachfolgesystem FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) ist laut Bahn in etwa zehn Jahren bereit für den Einsatz. Es soll schrittweise eingeführt werden. Bis dahin müsse das alte System noch funktionieren.
Das Bahnfunksystem in Deutschland ist den Angaben zufolge redundant gebaut. Funktioniere ein System nicht, springe der Funk zunächst auf ein Zwillings-System um. Gibt es auch dort Probleme, wechsele der Funk auf eine Rückfallebene über den öffentlichen Mobilfunk. Diese zusätzlichen Systeme hätten in der Nacht auf Dienstag zwar tadellos funktioniert, betont die Bahn.
Der automatische Wechsel habe aber aufgrund der ausbleibenden Fehlermeldung nicht geklappt. Der Vorfall mit Tausenden betroffenen Reisenden hatte Kritik von Politik und Branchenverbänden ausgelöst, die vor allem auf die überalterte Infrastruktur der Bahn abzielte.
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