Erdbeben in Venezuela: Zahl der Toten steigt auf mehr als 900

Mehr als 900 Tote:Venezuela: Zehntausende nach Erdbeben vermisst

|

Nach den schweren Erdbeben in Venezuela suchen Einsatzkräfte weiterhin nach Überlebenden. Die Zahl der Toten ist auf mindestens 920 gestiegen, Zehntausende werden noch vermisst.

Rettungskräfte tragen eine aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes in Caracas, Venezuela, geborgene Leiche weg.

Nach den Erdbeben in Venezuela am Mittwoch werden weiterhin Überlebende aus den Trümmern geborgen. Die Zahl der Toten beläuft sich auf mehr als 900 Menschen. Über 50.000 werden noch vermisst.

27.06.2026 | 1:31 min

Die Zahl der bestätigten Todesopfer nach den zwei schweren Erdbeben in Venezuela ist auf mindestens 920 gestiegen. Mindestens 3.360 Menschen wurden zudem verletzt, sagte Jorge Rodríguez, Präsident der venezolanischen Nationalversammlung.

Jeder gerettete Mensch ist ein Wunder.

Jorge Rodríguez, Präsident der venezolanischen Nationalversammlung

Es wird befürchtet, dass die Zahl der Toten und Verletzten noch steigt. Nach Angaben des UN-Nothilfekoordinators Tom Fletcher werden mehr als 50.000 Menschen vermisst. Die "Suche in den Trümmern" der eingestürzten Häuser sei eine "kolossale Aufgabe". Es handele sich um eine komplexe Rettungsaktion.

Erdbeben in Venezuela

ZDFheute Infografik

Ein Klick für den Datenschutz

Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.

Mit schwerem Gerät sowie mit bloßen Händen suchen Helfer in einem Rennen gegen die Zeit nach Überlebenden. Inzwischen läuft internationale Hilfe an, die in dem verarmten südamerikanischen Land dringend benötigt wird.

Zeigt Einsatzkräfte des THW bei ihrer Ankunft mit einem Lufttransportflugzeug des Typs Airbus A400M des Lufttransportgeschwaders 62 in der Nähe von Caracas.

Nach den Erdbeben in Venezuela werden weiterhin über 50.000 Menschen vermisst. Internationale Rettungskräfte beteiligen sich an der Suche.

27.06.2026 | 0:44 min

Venezuela militarisiert Katastrophenregion nach Beben

Besonders dramatisch ist die Lage im Bundesstaat La Guaira. Dort sind nach Angaben des venezolanischen Innenministers Diosdado Cabello mehr als 70.000 Familien von den Folgen der Erdbebenkatastrophe betroffen.

Auf Fernsehbildern waren meterhohe Schutthaufen zu sehen, in denen Menschen teils mit bloßen Händen nach ihren Angehörigen suchten. Vereinzelt wurden aber auch immer wieder Verletzte unter Jubel aus den Trümmern gezogen. In den am schwersten betroffenen Gebieten wuchs die Frustration über das schleppende Tempo der staatlichen Hilfe.

Angesichts der schweren Schäden militarisierte die Regierung die Region im Norden des Landes. Die Streitkräfte hätten die Kontrolle übernommen, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die Arbeit der Rettungskräfte zu erleichtern, so der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez.

ZDF-Korrespondent Christian Semm

Die Zahl der geborgenen Toten nach dem Erdbeben in Venezuela steigt weiter. ZDF-Korrespondent Christian Semm berichtet über die aktuelle Lage.

26.06.2026 | 1:13 min

Internationale Hilfe für Venezuela läuft an

In der Nacht auf Freitag landeten bereits mehrere internationale Einsatzteams in Venezuela, darunter Helfer aus dem Nachbarland Kolumbien, aus Mexiko und der Schweiz. Aus der EU ist Hilfe aus acht Mitgliedstaaten mit mehr als 520 Helfern und Rettungshunden unterwegs ins Katastrophengebiet.

Vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen machten sich auch erste deutsche Rettungskräfte auf den Weg ins Katastrophengebiet. Insgesamt vier Transportmaschinen der Luftwaffe starteten Richtung Venezuela, wie die Bundeswehr auf Anfrage bestätigte. An Bord waren neben Soldaten zahlreiche Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW). Die Einsatzkräfte haben neben tonnenweise Material und Technik auch Suchhunde, Mikrofone und Kameras dabei, um Verschüttete zu lokalisieren.

Flugzeug mit Hilfspaketen

Zwei Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 haben Venezuela erschüttert. In Niedersachsen schicken THW und Bundeswehr Flugzeuge mit Hilfsgütern, Personal und ausgebildeten Spürhunden nach Caracas.

26.06.2026 | 2:01 min

USA: "Stehen weiter zu Venezuela"

Auch die USA brachten Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg. Mit "Schnelligkeit, Präzision und unübertroffener Logistik" seien US-Teams nach Venezuela entsandt worden, teilte die US-Botschaft in Venezuela mit.

Wir stehen weiter zu Venezuela.

Mitteilung der US-Botschaft in Venezuela

Im Januar hatte die US-Regierung massiv in die Politik Venezuelas eingegriffen, indem sie den langjährigen Machthaber Nicolás Maduro gefangengenommen und in die USA gebracht hatte, um ihn vor Gericht zu stellen. Seither ist Maduros vorherige Stellvertreterin Delcy Rodríguez geschäftsführende Regierungschefin des Landes.

Nicolás Maduro und Ehefrau Cilia Flroes bei ihrer Ankunft Hubschrauberlandeplatz in Manhattan

Venezuelas Ex-Machthaber Maduro wurde im Januar einem Gericht in New York vorgeführt.

05.01.2026 | 2:41 min

Erdbeben verschärfen bestehende Probleme

Die politische Opposition des Landes an der Nordspitze Südamerikas ringt seit Jahren um eine Demokratisierung. Mehrfach scheiterten Versuche, die von Maduro nach dem Tod von Langzeitregent Hugo Chávez fortgeführte sozialistische Regierung abzulösen. Millionen Venezolaner leben mittlerweile im Exil.

Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Corina Machado rief sie auf, angesichts der Katastrophe nach Venezuela heimzukehren:

Wir wollen, dass unsere Kinder, die überall in der Welt verstreut sind, zurück in ein Land kommen, das wir zusammen aufbauen müssen.

María Corina Machado, Oppositionsführerin

Das jüngste Doppelbeben mit seinen massiven Schäden an Häusern und Infrastruktur könnte die ohnehin bestehenden sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten weiter verschärfen, fürchteten Hilfsorganisationen.

erdbeben-venezuela-katastrophe-

Nun sei die "Resilienz der Venezolaner" gefragt, so Anja Dargatz, Landesbüroleiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Venezuela, mit Blick auf die vielfältigen Probleme des Landes, die durch die Erdbeben verschärft werden.

26.06.2026 | 3:29 min

Interimspräsidentin Rodríguez in Erdbebengebiet ausgebuht

Die Katastrophe stellt eine politische Bewährungsprobe für Interimspräsidentin Delcy Rodríguez dar. Sie ist bei einem Besuch in einem Erdbebengebiet in Caracas ausgebuht worden. Anwohner und Angehörige von Menschen, die nach dem Einsturz eines Gebäudes unter Trümmern eingeschlossen sind, riefen am Freitag (Ortszeit) "raus, raus", wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Rodríguez besuchte das Gebiet in einem wohlhabenden Viertel der Hauptstadt. Hinter der Absperrung an dem am Mittwoch eingestürzten Gebäude warfen ihr Menschen vor, aus der Katastrophe politisches Kapital schlagen zu wollen. "Es reicht jetzt, inmitten einer Tragödie wie der, die wir gerade erleben, Wahlkampf zu machen", riefen Anwohner. Zudem warfen sie der Regierung vor, "nichts für das Volk" zu tun.

Lateinamerika-Expertin: Doppelbeben kann Wendepunkt für Politik sein

"Für die politische Lage in Venezuela könnte das ein Wendepunkt sein", sagt Sabine Kurtenbach vom GIGA-Institut für Lateinamerika-Studien gegenüber ZDFheute. Es könne einmal dazu führen, dass die Regierung ein Mindestmaß an Vertrauen zurückgewinnt, wenn sie diese Krise gut managt.

"Wenn sie das schlecht managt, könnte es auch sein, dass die Leute noch wütender werden, als sie ohnehin schon sind und massiv auf die Straße gehen", sagt Kurtenbach. Sollten sich die Interimspräsidentin Delcy Rodríguez und die Oppositionsführerin María Corina Machado zusammentun und sagen, es brauche jetzt einen nationalen gemeinsamen Kraftakt, könne das auch eine Brücke bauen zur Opposition. "Aber ob das passiert, wissen wir alle nicht. Das muss sich zeigen", sagt Kurtenbach.

Bislang keine Informationen zu deutschen Erdbebenopfern

Derzeit ist noch unklar, ob Deutsche unter den Opfern in Venezuela sind. Wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes der Nachrichtenagentur AFP sagte, ist eine niedrige dreistellige Zahl an Deutschen in Venezuela auf der Krisenvorsorgeliste des Ministeriums registriert.

Das verheerende Doppel-Beben hatte sich am Mittwochabend im Abstand von nur 39 Sekunden westlich der Hauptstadt Caracas ereignet. In den folgenden Stunden wurden Dutzende Nachbeben registriert. Zahlreiche Gebäude stürzten ein oder wurden schwer beschädigt.

Spendenaufruf Grafik
Quelle: ZDF

  • Spendenkonto Commerzbank
  • IBAN: DE65 100 400 600 100 400 600
  • Stichwort: ZDF Nothilfe Venezuela

Wichtiger Hinweis in eigener Sache

Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.

Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.

→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen


Quelle: dpa, AFP, AP, Reuters
Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, etwa heute in Deutschland am 26.06.2026 ab 14 Uhr, das ZDF-Morgenmagazin am 26.06.2026 ab 05:30 Uhr und das heute journal am 26.06.2026 ab 21:45 Uhr.

Mehr zu den Erdbeben in Venezuela

  1. Ein Feuerwehrmann rettet einen Hund aus einem zusammengebrochenen Gebäude nach dem Erdbeben in Caracas, Venezuela.

    Experten rechnen mit Tausenden Opfern:Schwere Erdbeben in Venezuela - THW schickt Helfer

    mit Video2:01

  2. Ein Screenshot aus einem Video, das die Zerstörung in Venezuela zeigen soll. Es stammt aber aus der Türkei.
    Faktencheck

    Alte Clips aus anderen Ländern:Erdbeben in Venezuela: Achtung bei falschen Videos

    von Oliver Klein, Nils Metzger und Jan Schneider
    mit Video17:28

  3. Rettungskräfte durchsuchen die Trümmer eines eingestürzten Gebäudes im Stadtviertel Altamira nach einem Erdbeben in Caracas am 24. 6. 2026.

    Was Anwohner in Caracas berichten:Erdbeben in Venezuela: "Es war einfach schrecklich"

    mit Video1:35

  4. VENEZUELA-EARTHQUAKE