Alte Clips aus anderen Ländern:Erdbeben in Venezuela: Achtung bei falschen Videos
von Oliver Klein, Nils Metzger und Jan Schneider
Alte oder falsche Videos, die die schweren Erdbeben in Venezuela zeigen sollen, bekommen teilweise große Reichweite. ZDFheute zeigt, wie Sie die Fakes entlarven können.
Viele Tote und Hunderte Verletzte nach zwei schweren Erdbeben in Venezuela. Die Übergangspräsidentin hat deshalb den Notstand ausgerufen. ZDFheute live zur aktuellen Lage vor Ort.
25.06.2026 | 17:28 minVideos im Netz vermitteln eindrücklich, wie schwer die beiden Erdbeben waren, die am Mittwochnachmittag (Ortszeit) Venezuela getroffen haben. So zeigt etwa eine Aufnahme, gefilmt aus einem Hochhaus an der Küste bei Caracas, eine Trümmerlandschaft, wie man sie sonst aus den Kriegsgebieten in der Ukraine oder Gaza kennt. Ganze Häuserblocks sind zu Schutt eingestürzt. Das genaue Ausmaß der Schäden und die Zahl der Opfer sind aktuell noch unklar.
Doch neben vielen authentischen Videos und Fotos von zerstörten Wohnblocks und Rettungskräften kursieren in Sozialen Netzwerken auch viele Aufnahmen, die nicht die Realität in den betroffenen Gebieten zeigen. Trotzdem bekommen solche Aufnahmen im Netz gerade große Reichweite. Ein Überblick, welche Fake-Bilder gerade im Umlauf sind.
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Alte Tsunami-Bilder aus Japan
Auf nahezu allen großen sozialen Plattformen im Netz gibt es gerade Beispiele für falsche Bilder. Stand jetzt handelt es sich dabei meist weniger um KI-Fälschungen, sondern vor allem um alte Aufnahmen, die als aktuell ausgegeben werden - teils von Orten auf der anderen Seite des Erdballs.
Etwa behauptet ein viraler Post auf der Plattform X, das Erdbeben im Norden des Landes habe einen Tsunami vor der Küste ausgelöst. Tatsächlich wurden alle vorsorglichen Tsunami-Warnungen für die Region laut der zuständigen US-Behörde bereits nach kurzer Zeit wieder aufgehoben.
Screenshots alter Videos, die als aktuelle Aufnahmen aus Venezuela ausgegeben werden.
Das zugehörige Video des Nutzers zeigt auch nicht die venezolanische Küste, sondern Aufnahmen des Tsunamis, der im März 2011 Japan traf. Das zeigen Bilderrückwärtssuchen, mit denen man schnell die über 15 Jahre alten Aufnahmen des Hafens der Stadt Kuji im Netz findet.
Explosion in U-Bahn wird als aktuell ausgegeben
Ein anderes kursierendes Video zeigt tatsächlich einen Vorfall in Venezuela, ist aber ebenfalls nicht aktuell. "Die U-Bahn von Caracas erlitt schwere Schäden durch das Erdbeben, das heute Nachmittag Venezuela heimsuchte", schreibt der Nutzer. Dazu sieht man eine qualmende U-Bahn, die in einer Station steht, Menschen bringen sich in Sicherheit.
Zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 haben Venezuela erschüttert. Mehrstöckige Häuser stürzten ein: Rettungsmannschaften suchen in den Trümmern nach Verschütteten – viele Tote werden befürchtet.
25.06.2026 | 1:35 minTatsächlich zeigt das Video aber einen Unfall aus dem Jahr 2021, bei dem ein Metro-Zug in Caracas beschädigt wurde. Im Netz lassen sich lokale Medienberichte von damals finden, die die gleichen Bilder zeigen.
Bilder von einstürzenden Gebäuden zeigen andere Erdbeben
Häufig werden auch virale Videos von Erdbeben aus den vergangenen Jahren erneut verbreitet. Alte Videos aus der Türkei, aus Taiwan oder aus Mexiko werden nun neu gepostet.
Dabei enthalten viele der Videos Hinweise, dass sie gar nicht aus Venezuela stammen. Etwa sind Straßenschilder in chinesischer Sprache oder das Hochhaus eines Büroanbieters groß zu sehen, der gar nicht in Venezuela aktiv ist.
Nach den verheerenden Erdbeben in Myanmar und Thailand kursierten im Netz viele KI-Fakes, die angebliche Szenen aus den Erdbebengebieten zeigen sollen - wie man sie erkennt.
04.04.2025 | 1:28 minSo können Sie die Fakes entlarven
Bilderrückwärtssuche: Laden Sie Screenshots bei Suchmaschinen, beispielsweise bei Google hoch, und Sie erfahren, wo das Bild oder Video bereits im Netz aufgetaucht ist. Das kann schnell Klarheit bringen, woher Aufnahmen tatsächlich stammen.
Was steht im Umfeld des Posts? Häufig wird schon klar, dass es sich um einen Fake handelt, wenn das Bild oder Video von einem Kanal gepostet wurde, der regelmäßig ähnliche Fakes postet.
- Gibt es in der Beschreibung zu dem Clip einen Hinweis auf Erstellung mit KI?
- Gibt es Kommentare anderer Nutzer, die auf einen Fake hinweisen?
- Hat der Nutzer das Video selbst erstellt - ist er also die Originalquelle oder wurde das Material aus einer anderen Quelle übernommen?
Auf Details achten: Fast jedes Bild oder Video enthält zahlreiche Hinweise, die bei der Verifizierung helfen können. Einige Beispiele dafür sind:
- Welche Logos etwa von Fernsehstationen werden gezeigt und kommen sie aus dem betroffenen Land? Falls Wasserzeichen von Social-Media-Kanälen zu sehen sind: findet man die Videos auf diesen Kanälen?
- Sind Datumseinblendungen etwa von Überwachungskameras bewusst unkenntlich gemacht, um das Alter von Aufnahmen zu verschleiern?
- Hören Sie sich das Video mit Ton an - passt die Sprache, die man dort hört? Selbst Geräusche wie Sirenen können Rückschlüsse auf die Herkunft geben.
- Passen Schilder (z.B. Nummernschilder von Autos, Straßenschilder, Schriftzüge an Geschäften) zu dem entsprechenden Land?
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