"Gespräche gehen weiter":Zukunft von Berlinale-Chefin Tuttle nach Krisensitzung offen
Bei einer Krisensitzung zur Berlinale ist keine Entscheidung zur Zukunft von Festival-Chefin Tricia Tuttle gefallen. Die Gespräche würden fortgesetzt, hieß es nach dem Treffen.
Hunderte Filmschaffende haben sich in einem offenen Brief hinter Berlinale-Intendantin Tuttle gestellt. Sie warnen vor Eingriffen in Freiheit und Unabhängigkeit des Filmfestivals.
26.02.2026 | 0:41 minEine Sondersitzung des Berlinale-Aufsichtsrats zur künftigen Ausrichtung der Berlinale hat zunächst keine Folgen für Intendantin Tricia Tuttle. Ein Sprecher von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer teilte lediglich mit:
Die Gespräche über die Ausrichtung der Berlinale werden in den kommenden Tagen zwischen der Intendantin Tricia Tuttle und dem Aufsichtsratsgremium fortgesetzt.
Sprecher von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer
Weimer hatte die Sondersitzung einberufen, um die Vorkommnisse während der am vergangenen Wochenende zu Ende gegangenen Berlinale aufzuarbeiten, wie es hieß. So gab es während des Festivals wiederholt Solidaritätsbekundungen mit Gaza.
Einige Preisträger der Berlinale nutzten die Gelegenheit, um Solidarität für Gaza zu demonstrieren. Der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib (2.v.l.) kritisierte die Bundesregierung.
21.02.2026 | 2:31 minBei der Preis-Gala war es dann am Samstagabend zum Eklat gekommen. Der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib warf der Bundesregierung in einer Dankesrede vor, "Partner des Völkermords in Gaza" zu sein. Andere Preisträger hatten sich bei der Veranstaltung ebenfalls mit den Palästinensern solidarisiert und Israel kritisiert. Auch ein Foto der Festivalleitung mit Filmschaffenden, auf dem eine palästinensische Flagge zu sehen ist, löste Kritik aus.
Mehr als 800 Filmschaffende stellen sich hinter Tuttle
Gegen eine mögliche Absetzung Tuttles hat es zahlreiche Proteste gegeben. In einem offenen Brief zur Zukunft der Berlinale stellten sich Hunderte Filmschaffende hinter die US-Amerikanerin, die das Filmfestival seit 2024 leitet.
Sie verfolgten die Debatten mit großer Sorge, heißt es in dem Schreiben, das von einer Filmagentur verschickt wurde und am Donnerstagmittag mehr als 800 Unterzeichner auflistet, darunter Regisseur Tom Tykwer ("Babylon Berlin"), Schauspielerin Tilda Swinton und den früheren Jurypräsidenten Todd Haynes.
"Wir verteidigen die Berlinale als das, was sie ist: ein Ort des Austauschs", heißt es in dem offenen Brief.
Die Berlinale ist mehr als roter Teppich und Schlagzeilen. Sie ist ein Raum, in dem Perspektiven aufeinandertreffen, Narrative hinterfragt und gesellschaftliche Widersprüche sichtbar werden.
Offener Brief von Filmschaffenden
Gerade in Zeiten globaler Krisen "brauchen wir Orte, die Widerspruch aushalten".
Zensurvorwurf gegen Berlinale-Leitung
Während des Festivals hatte es mehrfach Debatten zum Umgang mit dem Nahost-Konflikt gegeben. So hatten viele Filmschaffende - darunter Tilda Swinton und Javier Bardem - kritisiert, die Berlinale positioniere sich nicht ausreichend im Gaza-Krieg.
Sie warfen dem Festival in einem offenen Brief vor, propalästinensische Stimmen zu zensieren. Die Berlinale wies den Zensurvorwurf zurück.
Bereits zuvor hatten etwa 100 Filmschaffende die Berlinale in einem offenen Brief kritisiert. Berlinale-Chefin Tricia Tuttle hatte Zensurvorwürfe zurückgewiesen.
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