Gedenkfeier abgesagt: Darum gehts Friedman bei Bayreuth-Kritik

Wirbel um Absage von Gedenkfeier :Darum geht es Friedman bei seiner Bayreuth-Kritik

von Christoph Söller

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Die Bayreuther Festspiele sagen eine Gedenkveranstaltung für jüdische Musiker mit Festredner Michel Friedman "aus Sicherheitsgründen" ab. Die Begründung wirft Fragen auf.

Demonstration anlässlich der Ausladung von Michel Friedman

Zum 150. Jubiläum der Wagner-Festspiele war Michel Friedman als Redner geplant. Doch die Festivalleitung zog die Einladung zurück. Warum die Entscheidung für Kritik sorgt und was dahintersteckt.

18.06.2026 | 2:22 min

Ausgeladen zu werden ist nie ein schönes Gefühl. Im Falle des jüdischen Publizisten Michel Friedman und der Bayreuther Festspiele ist die Ausladung - oder besser gesagt die Absage - besonders brisant.

Die berühmten Wagner-Festspiele in Bayreuth jähren sich diesen Sommer zum 150. Mal. Die Festspielleitung wollte ein Gedenkkonzert unter dem Titel "Verstummte Stimmen" veranstalten. Dabei sollte jüdischen Musikern gedacht werden, die während des Nationalsozialismus ausgegrenzt und ermordet wurden. Im Bayreuther Festspielhaus hätte Ende Juli Star-Dirigent Christian Thielemann Wagners "Siegfried-Idyll" erklingen lassen sollen und Michel Friedman war als Festredner eingeplant.

Zu all dem kommt es nun nicht. Die Veranstalter haben Sicherheitsbedenken, die Gedenkveranstaltung ist abgesagt.

Zweifel an offizieller Begründung

Friedman bedauert die Absage im ZDF:

Das halte ich in einem demokratischen Rechtsstaat, wo die Polizei für Sicherheit sorgt, für fadenscheinig.

Michel Friedman, Publizist

Angesichts der prominenten Gäste in den vergangenen Jahren - unter anderem Bundeskanzler, Bundespräsidenten, Ministerpräsidenten - sind die Bayreuther Festspiele hohe Sicherheitsvorkehrungen eigentlich gewohnt.

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Veranstalter macht Bedenken nicht konkret

Die Veranstalter versicherten gegenüber dem ZDF, man bedauere die kurzfristige Absage: "Sie ist nicht aus inhaltlichen oder organisatorischen Gründen erfolgt, sondern ausschließlich aufgrund der sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen, die in dieser Form nicht verhandelbar sind." Konkreter wird die Festspielleitung nicht.

Dass es bislang - knapp einen Monat vorher - noch keinen Kartenvorverkauf für die Veranstaltung gegeben hat, lässt Friedman daran zweifeln, ob die Gedenkfeier wirklich gewollt war. "Für wie dumm will man eigentlich die Öffentlichkeit verkaufen? Eine solche Veranstaltungsmaschine wie die Wagner-Festspiele ist nicht in der Lage, zwei Veranstaltungen stundenlang voneinander getrennt durchzuführen?"

Wagners belastetes Erbe

Die Gedenkveranstaltung sollte der Versuch einer Aufarbeitung sein. Richard Wagner war einer der wichtigsten Komponisten des 19. Jahrhunderts, sein monumentalstes Werk ist der vierteilige Opernzyklus "Der Ring des Nibelungen". Der Komponist gilt aber auch als Antisemit. 1850 hatte er die Hetzschrift "Das Judenthum in der Musik" veröffentlicht, in der er Juden als unfähig diffamiert, echte deutsche Kunst zu schaffen.

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Unter anderem wegen dieses Antisemitismus wurde er im sogenannten Dritten Reich zu einer Art Staatskomponist stilisiert. Zwischen Wagners Nachfahren und der Führungsriege rund um Adolf Hitler entwickelten sich enge Bande.

Weil Wagner 1872 in Bayreuth sein eigenes Festspielhaus erbaute, finden bis heute jährlich die berühmten Festspiele dort statt.

"Der Boden in Bayreuth ist kontaminiert", sagte Friedman kürzlich der "Süddeutschen Zeitung". Nach langer Überlegung hätte er dennoch gerne dort gesprochen. Die Gedenkveranstaltung, initiiert von der künstlerischen Leiterin Katharina Wagner, war ein "großartiger Impuls, der sich aber in Luft auflöst", so Friedman.

Minister "nicht völlig" von Absagebegründung überzeugt

Bayerns zuständiger Minister für Kunst, Markus Blume (CSU), hält die ursprüngliche Idee der Festspielleitung für richtig, ist aber unglücklich über die Absage: "Mich überzeugt ehrlicherweise diese Begründung nicht völlig", sagt er.

Es ist wichtig, dass man kommunikativ Klarheit schafft und vor allem dieses so wichtige Signal, das von der Festspielleitung erdacht war, auch wirklich zu senden.

Markus Blume (CSU), bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst

Ersatztermin offen

Ob es einen Ersatztermin für die Gedenkveranstaltung geben und Friedman dann auftreten wird, ist unklar. Blume hofft auf einen Kompromiss. "Ich würde mir wünschen, dass von allen Seiten alles getan wird, dass dieser gute Gedanke auch Realität werden kann, dass dieses wichtige Signal gegen Antisemitismus - gerade in unseren Zeiten - auch gesendet wird."

Klar ist derzeit nur, dass vieles unklar bleibt. Vor allem die Frage, wie die Bayreuther Festspiele mit dem schwierigen Erbe Richard Wagners umgehen wollen.

Christoph Söller ist Reporter im ZDF-Landesstudio Bayern.

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Quelle: dpa

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Über dieses Thema berichtete das ZDF-Mittagsmagazin am 18.06.2026 ab 12:00 Uhr.

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