Neues Assistenzsystem "Kiana":Deutsche Bahn setzt auf KI in der Kundenkommunikation
Die Bahn führt mit "Kiana" ein KI-Assistenzsystem ein und will so Infos für Kunden bei Verspätungen und Störungen verbessern. "Kiana" ist Teil eines umfassenden Sofortprogramms.
Die Deutsche Bahn will mit KI gegen Kundenfrust vorgehen. Das KI-basierte Assistenzsystem "Kiana" soll künftig schneller über Störungen und Verspätungen informieren.
08.07.2026 | 0:36 minDie Deutsche Bahn will ihre Kundenkommunikation verbessern und setzt dabei auf Künstliche Intelligenz (KI). Mit dem KI-basierten Assistenzsystem "Kiana" ließen sich künftig "präzise und individuelle Auskünfte" zur Reise abfragen, teilte die Bahn am Mittwoch mit.
Zum Ende des Jahres wird 'Kiana' für alle Reisenden auf bahn.de und im DB Navigator verfügbar sein.
Mitteilung der Deutschen Bahn
Die Einführung des Assistenzsystems ist demnach Teil des millionenschweren Sofortprogramms "Bessere Kundenkommunikation" des Konzerns. Bis Ende 2027 sollen dafür nach Unternehmensangaben "rund 50 Millionen Euro zusätzlich" investiert werden.
Die Bundesnetzagentur will den Wettbewerb im Bahnfernverkehr stärken. Die Deutsche Bahn soll mindestens ein Viertel ihrer Kapazitäten auf stark genutzten Strecken an andere Anbieter abgeben.
30.06.2026 | 0:25 min"Denn gerade in betrieblich angespannten Zeiten spielt die Kundeninformation eine zentrale Rolle", erklärte die Bahn, die derzeit auch wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten am lange Zeit vernachlässigten Schienennetz immer wieder mit Verspätungen und Ausfällen zu kämpfen hat.
KI soll auch Prozesse in den Leitstellen verbessern
Zur Verbesserung der Kundenkommunikation sollen außerdem die IT sowie die Prozesse in den Leitstellen modernisiert werden - ebenfalls mithilfe von KI.
Eingehende Informationen zu Störungen werden schneller verarbeitet, aufbereitet und an die relevanten Kundenkanäle weitergegeben.
Mitteilung der Deutschen Bahn
Fahrgäste erhielten dadurch "schneller als bisher verlässliche Hinweise, etwa zu Halteausfällen, Verspätungen oder Anschlussmöglichkeiten".
Probleme im konzerneigenen Digitalfunksystem GSM-R: Damit begründete die Deutsche Bahn den bundesweiten Stillstand des Personen- und Güterverkehrs. Ist das System veraltet?
24.06.2026 | 2:08 minSchnellere Infos zu Gleiswechseln, mehr Anzeigetafeln
Deutlich schneller verfügbar sein sollen auch Informationen über kurzfristige Gleiswechsel: "Statt wie bisher erst nach rund 60 Sekunden wird sie jetzt bereits nach etwa zwei Sekunden im DB Navigator angezeigt", erklärte die Bahn. Außerdem soll es "mehr Klarheit am Bahnsteig" durch 7.000 neue Anzeigetafeln an Bahnhöfen geben, die Reisenden "bessere Lesbarkeit und mehr Platz für wichtige Informationen" bieten sollen.
Bisher ließen die Informationen für Reisende bei Verspätungen oder Zugausfällen oft zu wünschen übrig.
Patrick Schnieder (CDU), Bundesverkehrsminister
Er begrüße daher sehr, dass sich dies jetzt ändern solle: "Denn bessere Kommunikation gibt den Reisenden Orientierung, Planungssicherheit und Handlungsmöglichkeiten."
Was "über 30 Jahre liegen geblieben ist", könne man nicht in drei Jahren in Ordnung bringen, so Tarek Al-Wazir, B‘90/Grüne, Vorsitzender Verkehrsausschuss. Es brauche aber auch Neu- und Ausbau.
12.06.2026 | 6:51 minVCD hofft auf "spürbare Verbesserungen"
Der ökologisch ausgerichtete Verkehrsclub Deutschland (VCD) begrüßte die angekündigten Verbesserungen bei der Fahrgastinformation.
Noch immer erleben Reisende Situationen, in denen sie bei Störungen nicht ausreichend informiert werden, auf der Strecke stranden und nicht wissen, wie sie ihre Fahrt fortsetzen können.
Christiane Rohleder, VCD-Bundesvorsitzende
Nun komme es darauf an, "dass die angekündigten Maßnahmen zu spürbaren Verbesserungen für die Reisenden führen", mahnte sie.
Bündnis Bahn: Sofortprogramm war überfällig
Das Bündnis Bahn für alle, dem Gewerkschaften wie die IG Metall und Verdi sowie Umweltverbände und andere Organisationen angehören, bezeichnete das Sofortprogramm als überfällig. "Bahnkunden haben heute viel zu erleiden - von krassen Verspätungen über Zugausfälle bis hin zu gesperrten Toiletten und monatelang defekten Rolltreppen", sagte Sprecher Carl Waßmuth der "Rheinischen Post". Verlässliche und konkrete Informationen könnten Fahrgästen das Reisen deshalb deutlich erleichtern.
Trotz steigender Energiekosten soll es bei der Deutschen Bahn in den nächsten zwölf Monaten keine Preiserhöhungen für Tickets im Fernverkehr geben. Das sagte Konzern-Chefin Palla.
26.04.2026 | 0:22 minNötig sei aber auch mehr Personal - "Menschen, die Fragen beantworten können, die auch mal beim Gepäck mit anfassen und im Fahrradabteil helfen", sagte Waßmuth der Zeitung weiter.
Nicht alle können oder wollen alles mit dem Smartphone machen.
Carl Waßmuth, Sprecher des Bündnisses Bahn
Grüne: Bahn muss sich an ihrer Kernaufgabe messen lassen
Kritik am Sofortprogramm der Bahn kam am Mittwoch indes aus der Grünen-Bundestagsfraktion. "Jeder Bahnkunde sehnt sich nach Bahnhöfen, auf denen an der Anzeigetafel das gleiche Gleis steht wie in der App, sehnt sich nach richtigen Angaben im DB Navigator und frühzeitiger Kommunikation von Baustellen", erklärte die Abgeordnete Paula Piechotta.
Wirklich besser geworden sei durch "toll klingende Programme" der Bahn allerdings selten etwas - messen lassen müsse sich die Bahn an ihrer Kernaufgabe: "Planbare Mobilität" zu schaffen.
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