Expertin zur Artemis-2-Mission:"Ziel ist eine Basis auf dem Mond"
Die Crew der Artemis-2-Mission ist auf dem Weg zum Mond, der Start ist geglückt. Expertin Anke Pagels-Kerp spricht bei ZDFheute live über die Zukunft der Raumfahrt.
"Ziel ist eine Basis auf dem Mond" - Raumfahrtexpertin Anke Pagels-Kerp zur Artemis-2-Mission - das ganze Interview.
02.04.2026 | 22:02 minDie US-Raumfahrtbehörde Nasa hat ihre erste bemannte Mondexpedition seit mehr als einem halben Jahrhundert gestartet. Die Rakete mit vier Menschen an Bord hob am Mittwoch um 18.35 Uhr Ortszeit (0.35 Uhr MESZ) vom Raumfahrtzentrum Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ab.
Die Crew der Expedition Artemis 2 soll etwa 25 Stunden lang die Erde umkreisen, bevor sie den Haupttriebwerksschub zündet, der sie zum Mond bringt.
Der Start der Rakete wurde auch in Deutschland mit Spannung verfolgt. "Es war ein unglaubliches Erlebnis", sagt Anke Pagels-Kerp vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt bei ZDFheute live. Dort ist sie verantwortlich für das Forschungs- und Entwicklungsprogramm.
Mit Artemis 2 ist erstmals seit über 50 Jahren wieder eine Crew zum Mond unterwegs. Die Rakete startete nach mehreren Verzögerungen erfolgreich, ein Mondspaziergang ist noch nicht geplant.
02.04.2026 | 1:38 minSehen Sie das ganze Interview oben im Video und lesen Sie es hier in Auszügen.
Das sagte Pagels-Kerp über...
... die Herausforderung einer Landung auf dem Mond
Die Crew wird den Mond bei ihrer Mission umkreisen, aber nicht landen. Es gehe darum, den Mond zu erforschen, sagt Pagels-Kerp. Man sei nicht bereit, ein Risiko für die Gesundheit und das Leben der Crew einzugehen. "Man möchte hier auf Nummer sicher gehen." Eine Landung - inklusive Abkoppeln, vom Mond wieder starten, ankoppeln und zur Erde zurückfliegen - sei nochmal eine ganz andere Herausforderung.
An dieser Stelle geht man wirklich Schritt für Schritt nacheinander vor, um wirklich sicherzugehen, dass kein Risiko für die Crew besteht.
Anke Pagels-Kerp, Raumfahrtexpertin
Nach mehr als 50 Jahren startet mit „Artemis 2" wieder eine bemannte Raumkapsel mit vier Menschen an Bord Richtung Mond. Das maßgebliche Service-Modul der Rakete wurde in Bremen gebaut.
02.04.2026 | 2:03 minDen Zeitplan der Nasa, bereits 2028 auf dem Mond zu landen, nennt die Expertin "ambitioniert". Und räumt gleichzeitig ein: "Ganz ehrlich, ob es jetzt '28 wird oder '29, man wird es schaffen. Man wird wieder auf dem Mond landen, definitiv."
... die Nutzung von Robotern für die Forschung
Bei einer Landung werde man Roboter mit zum Mond schicken, um Dinge zu erforschen, die ein großes Risiko für Astronauten darstellen würden, sagt Pagels-Kerp. Als Beispiel nennt sie "Lava-Tubes" - große unterirdische Hohlräume auf dem Mond.
Doch Roboter allein reichen zur Erforschung des Mondes nach Ansicht der Raumfahrtexpertin nicht aus: "Ein Mensch reagiert mit ganz anderen Sinnen und bringt auch durchaus ganz andere Ideen mit in so eine Mission, was man jetzt noch erforschen könnte. Ein Roboter macht erst mal das, was man ihm sagt."
Sicherlich sind robotische Systeme, und auch daran arbeiten wir, eine hervorragende Ergänzung.
Anke Pagels-Kerp, Raumfahrtexpertin
Robotische Systeme könnten etwa nützlich sein, um einen Landeplatz vorzubereiten.
"Großartiger Moment", so Astronaut Alexander Gerst zum Artemis II-Start. Er und sein Kollege Matthias Maurer "hoffen auf die Gelegenheit hinzufliegen". Eine Teilnahme an Folge-Missionen ist für beide möglich.
02.04.2026 | 5:14 min... die Perspektive einer Station auf dem Mond
"Das langfristige Ziel ist sicherlich, eine Basis auf dem Mond zu haben", erklärt Pagels-Kerb. In den nächsten Dekaden sei das Ziel, zwischen fünf und zehn Personen in regelmäßigen Abständen auf einer Mondbasis zu haben. Für so einen langfristigen Betrieb muss ein Umgang mit gesundheitsschädlicher Strahlung gefunden werden.
Auf dem Mond können wir tatsächlich den Regolith, also den Mondstaub, das Mondgestein nutzen, um uns ein Strahlungsschild zu bauen.
Anke Pagels-Kerp, Raumfahrtexpertin
Den Regolith könne man brennen oder backen, wie auf der Erde beispielsweise einen Backstein. Experimente dafür seien auch schon auf der Erde gelaufen, mit Regolith-ähnlichem Gestein. "Das heißt, wir würden eine Basis bauen und diese mit festem Regolith ummanteln, sodass die Strahlung nicht auf die Astronauten einwirkt", erklärt die Expertin.
"Ohne Deutschland fliegen die Amerikaner nicht zum Mond", so Walther Pelzer, Generaldirektor der Deutschen Raumfahrtagentur zum Start der Rakete und der deutschen Beteiligung am Systemaufbau.
02.04.2026 | 5:13 min... der Rolle Deutschlands und Europas
Bei der aktuellen Mondmission ist Europa laut Pagels-Kerp durchaus beteiligt - mit dem European Service Module, dem Hauptantriebssystem des Orion-Raumschiffs. Das DLR habe Strahlungssensoren entwickelt, die im Inneren der Kapsel angebracht seien. Damit "wird die Strahlung gemessen, die auf die Crew in den nächsten zehn Tagen einwirkt". Auch ein Satellit einer Berliner Firma sei mit an Bord.
Ich denke, dass wir für die Nasa ein sehr guter Partner sein werden, um auch die zukünftigen Missionen zu planen.
Anke Pagels-Kerp, Raumfahrtexpertin
Europa könne enorm viele Technologien zur Verfügung stellen, so die Expertin.
Die historische Mondmission Artemis 2 läuft: Die vierköpfige Crew ist auf dem Weg zum Mond. Zwar wird sie nicht auf ihm landen, künftige Mondmissionen aber vorbereiten. ZDFheute live ordnet ein.
02.04.2026 | 30:45 min... dem Sinn der Mission
"Profitabel ist diese Tour zum Mond sicherlich nicht", erklärt Pagels-Kerp. In allererster Linie sei es die Erforschung, die antreibe, auch die Erforschung und die Entwicklung von Technologien.
Was wir für die Raumfahrt entwickeln, kommt auf jeden Fall auch der Gesellschaft zugute.
Anke Pagels-Kerp, Raumfahrtexpertin
"Wir sind an so vielen Stellen von der Raumfahrt abhängig", erläutert die Expertin und führt Navigationssysteme sowie Satelliten zur Erdbeobachtung an. "Ich brauche die Erdbeobachtung, alleine um so etwas wie Fluten oder Erdrutsche gut beobachten zu können und beispielsweise auch meine Rettungskräfte vernünftig an den jeweiligen Katastrophenort zu kriegen, weil ich beispielsweise von außen sehen kann, ob eine Straße weggebrochen ist", so Pagels-Kerp. "Die Raumfahrt an sich hat einen sehr hohen Stellenwert in der Gesellschaft, ohne dass wir das vielleicht wissen."
Das Interview bei ZDFheute live führte Christina von Ungern-Sternberg, zusammengefasst hat es Laura Ozdoba.
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