Wenn Künstliche Intelligenz den Job kostet:Kreativberufe im Umbruch: Durch KI "zweimal enteignet"
von Nils Metzger
Künstliche Intelligenz verändert rapide den Arbeitsmarkt. In der ZDF-Sendung "Am Puls" schildern Betroffene, was das mit ihnen macht. Welche Lösungen hat die Politik zu bieten?
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt. Was heißt das für Unternehmen und Beschäftigte? Christian Sievers diskutiert mit Politikern, Experten und Menschen aus ganz Deutschland.
05.05.2026 | 89:03 minKünstliche Intelligenz krempelt die Arbeitswelt um. Zwei Drittel aller Deutschen erwarten laut einer Umfrage des ZDF-Politbarometers, dass KI zu einem Job-Abbau in Deutschland führen wird - mitten in der sowieso angespannten Wirtschaftslage.
In der ZDF-Sendung "Am Puls" schilderten Betroffene, wie die KI-Umwälzungen schon jetzt erhebliche Folgen haben. Und warum die Handlungsoptionen der Politik dagegen begrenzt sind.
Nach 20 Jahren keine Text-Aufträge mehr
"Ich bin eigentlich de facto zweimal enteignet worden in den letzten drei Jahren", sagte die Texterin Christa Goebe aus Hanau. "Einmal von Big-Tech-Unternehmen, die meine Texte und meinen Output unter anderem zum Training von ihren KI-Tools benutzt haben. Und zum anderen von meiner ehemaligen Kundschaft."
Nach jahrelanger Zusammenarbeit hätte man ihr gesagt: "Wir haben jetzt unsere eigene KI-Lösung, die haben wir mit deinen Texten trainiert. Wir brauchen dich jetzt nicht mehr."
Das ist das Schicksal von allen Kreativen gerade weltweit.
Christa Goede, Texterin
Nach über 20 Jahren Berufserfahrung als freiberufliche Texterin habe sie in diesem Jahr noch keinen einzigen Auftrag in ihrem eigentlichen Berufsfeld bekommen.
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04.05.2026 | 3:30 minArbeitsministerin Bas: "Tech-Bros haben auch da mitzufinanzieren"
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) reagierte empört: "Das kann so nicht sein." Bas sagte weiter: "Da muss die Kreative, da muss Frau Goede ein Entgelt dafür bekommen. Da geht es um Urheberrecht und um klare Regeln." Sie forderte Transparenz von den KI-Entwicklern, was die Herkunft ihrer Daten angeht. Mit Blick auf die großen Digitalkonzerne sagte Bas: "Wie gehen wir mit Unternehmen um, die wenig Menschen beschäftigen, aber hochproduktiv sind?" Sie verwies auf Vorhaben wie die geplante Digitalsteuer.
Die Menschen, die am Ende davon betroffen sind, sich weiterentwickeln müssen, die brauchen diese Absicherung. Und diese reichen Tech-Bros haben auch da mitzufinanzieren."
Bärbel Bas, Bundesarbeitsministerin
Aber wie realistisch sind diese Forderungen nach Regulation? "Die großen Firmen sitzen fast alle in den USA oder in China, die lachen doch wahrscheinlich über uns, was wir hier besprechen", hakte Moderator Christian Sievers nach.
"Wir können natürlich sagen, wir machen die Schotten dicht, dann haben wir die Technologien nicht mehr im Einsatz. Die brauchen wir aber um weiterzukommen", betonte Marc Tenbieg vom Deutschen Mittelstands-Bund. Es brauche klare Regelungen, die Zähne haben. "Diese Zähne werden momentan den amerikanischen Anbietern noch nicht gezeigt."
Der KI-Experte Roland Scharrer warnte vor zu großen Hoffnungen in Regulation: "Die KI-Modelle sind eine Black Box." Rechtssicher nachzuvollziehen, was genau an Trainingsdaten eingeflossen sei, sei kaum möglich. "In Teilen sind wir dem ausgeliefert", sagte Scharrer.
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01.05.2026 | 38:45 minWenn Einstiegsjobs an Roboter gehen
Aber auch Menschen ganz am Anfang ihres Berufslebens schilderten bei "Am Puls" ihre Bedenken. Etwa Philip von Scheven, der in dieser Woche seine Abschlussprüfung als Physiklaborant ablegt. "Wenn man sich die Entwicklungen der KI in der letzten Zeit anschaut, (…) dann bin ich mir nicht sicher, ob der Job des Physiklaboranten langfristig immer noch existieren wird", sagte von Scheven.
Bei vielen seiner Tätigkeiten seien Roboter vermutlich günstiger, als einen Menschen zu bezahlen.
Was kann der Staat leisten - und was nicht?
Thomas Jarzombek, CDU-Staatssekretär im Digitalministerium verwies auf die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger beim Umgang mit den neuen Technologien. "Das kann nicht der Staat abnehmen", sagte Jarzombek.
Einzelne Industrien seien schon immer durch technischen Fortschritt extremem Wandel unterlegen. "KI ist etwas, das in diesen kreativen Berufen voll einschlägt und wo man sieht, (…) dass sich Leute umorientieren müssen. Das ist nicht populär, das ist mir total klar. Die Wahrheit muss man aber aussprechen."
Am Ende werden wir sehen, dass die KI in einigen Bereichen (…) massiv Arbeitsplätze kosten wird.
Thomas Jarzombek, Digitalministerium
Aufgabe des Staates sei nun einerseits, Perspektiven zu eröffnen, wie man sich für neue Berufsbilder qualifizieren könne. Und andererseits, welche Lehren man aus den letzten Jahren ziehen muss. "Urheberrechte sind Urheberrechte, da haben wir strenge Gesetze. Die müssen auch durchgesetzt werden", so Jarzombek. Die Modelle seien jetzt da, Forderungen nach einer Abschaltung seien nicht realistisch.
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