Update am Morgen: Rote Karte für die Phraseninflation

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Update am Morgen:Rote Karte für die Phraseninflation

von Susanne Biedenkopf

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Susanne Biedenkopf

Guten Morgen,

der Jahreswechsel bringt sie wieder: die Neujahrswünsche. Auf allen Social-Media-Kanälen wie in politischen Ansprachen. Ein Gleichklang von "Gesundheit, Glück und Erfolg", "Zusammenhalt", "Solidarität". Privat, öffentlich - in seltener Einigkeit. Die freundliche Absicht sei niemandem abgesprochen. Aber allgemein ist immer auch unverbindlich. Was heißt "Erfolg" für die Krankenschwester im Schichtdienst, was für den Projektmanager?

Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner Neujahrsansprache sagt: "Wir haben es selbst in der Hand" - was bedeutet das konkret? Wenn Politiker "Reformen" versprechen, ohne zu sagen, wer zahlt und wer verzichten muss, bleibt es bei der Phrase. Angesichts von drei Jahren Wirtschaftskrise und stockenden Reformen lassen diese Sätze deshalb vor allem eines spüren: die Kluft zwischen Rhetorik und Realität.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) blickt am Rande der Aufzeichnung der Neujahrsansprache des Bundeskanzlers in die Kamera

Die Neujahrsansprache von Bundeskanzler Merz in voller Länge.

31.12.2025 | 10:24 min

Weniger wäre mehr - bei Wünschen wie bei Ankündigungen. Das erfordert Mut. Wer konkret wünscht: "Ich hoffe, die Operation deines Vaters läuft gut", zeigt: Ich habe zugehört und weiß, was dich gerade bewegt. Wer politisch konkret wird und sagt: "Das Renteneintrittsalter muss steigen", legt sich fest und erntet Widerspruch. Das macht angreifbar. Aber es schafft auch Klarheit.

Das neue Jahr bietet Anlass, es zu versuchen. Unser Land steht 2026 vor gewaltigen Herausforderungen: eine Wirtschaft, die seit drei Jahren stagniert. Viele Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe haben den Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt. Eine alternde Gesellschaft, die über Renten und Pflege streiten muss. Kommunen, denen das Geld nicht nur für dringend benötigte Kita-Plätze fehlt. Das sind Probleme, die sich nicht mit Sondervermögen lösen lassen. Wer zahlt? Wer verzichtet? Wer profitiert?

Deshalb wäre es an der Zeit für konkrete Neujahrswünsche und Ankündigungen. Zum Beispiel: "Ich wünsche uns, dass wir 2026 über die harten Verteilungsfragen streiten, ohne uns zu zerreißen." Oder: "Lasst uns um Kompromisse ringen, die uns allen viel abverlangen." Mit dem Mut, Schwierigkeiten zu benennen, die vor uns liegen.

Vielleicht gelingt es uns, den Jahresbeginn als Chance zu nutzen: Was wünsche ich wirklich? Was will ich wirklich erreichen? Für mich, für andere, für dieses Land? Und bin ich bereit, dafür auch etwas beizutragen, durch Eigeninitiative? Oder zurückzustecken für künftige Generationen. Das könnte ein Anfang sein.

Ich wünsche Ihnen einen Tag voller konkreter Überlegungen.

Susanne Biedenkopf, Leiterin des ZDF-Landesstudios Hessen

Was heute noch wichtig ist

Trauer nach Flammeninferno in der Schweiz: Mit Kerzen und Blumen haben hunderte Menschen der Opfer des Brandes in Crans-Montana in der Silvesternacht gedacht. Etwa 40 Menschen kamen in einer Bar ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt. Viele kennen Menschen, die noch vermisst werden oder schwer verletzt sind.

Menschen stellen Kerzen in der Nähe der Bar "Le Constellation" auf

01.01.2026 | 1:29 min

Grafik des Tages

Bulgarien bekommt ab Januar 2026 als 21. EU-Staat den Euro. Die Karte zeigt, in welchen Ländern mit Euro gezahlt wird.

Die Euro-Zone wächst weiter: Seit gestern ist die europäische Gemeinschaftswährung auch in Bulgarien offizielles Zahlungsmittel. Präsident Rumen Radev bezeichnete die Euro-Einführung als "letzten Schritt" der EU-Integration seines Landes.

Zahl des Tages

70

Heute vor 70 Jahren, am 2. Januar 1956, wurden die ersten 1.000 Freiwilligen in die Bundeswehr eingezogen. Auch sonst feiert die Truppe heute einige Jubiläen: Am 2. Januar 1996 traten erstmals knapp 6.900 Wehrpflichtige aus Ostdeutschland ihren Dienst an, und vor 25 Jahren wurden die ersten Rekrutinnen einberufen.

Feierliches Gelöbnis der Rekruten am 12.11.2025 anlässlich 70 Jahre Bundeswehr auf dem Mariahilfplatz in München.

Zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Bundeswehr gegründet – gegen erheblichen politischen Widerstand. Ein Rückblick auf die vergangenen 70 Jahre.

12.11.2025 | 1:40 min

Gesagt

Mich beunruhigt wirklich, dass viele Autoren sich diese bizarren Arten ausdenken, ihre Mitmenschen zu töten. Und das scheint etwas zu sein, das bei unserem Publikum auf der ganzen Welt Anklang findet.

Neil Dudgeon, Schauspieler

Er ist Inspector Barnaby: Neil Dudgeon. Heute wird der Schauspieler 65 Jahre alt.

Weitere Schlagzeilen

Die Nachrichten im Video

heute Xpress

Kurznachrichten im ZDF - immer auf dem Laufenden

01.01.2026 | 2:13 min

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So wird das Wetter heute

Am Freitag ist es fast überall nasskalt mit Schneeregen- und Schneeschauern. An den Küsten gibt es einzelne Gewitter. Die Sonne zeigt sich nur selten. Der Wind weht frisch aus West mit starken bis stürmischen Böen, im Bergland und an der Nordsee mit Sturmböen. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen minus 1 und plus 5 Grad.

Den aktuellen Wetterbericht der ZDF-Meteorologen finden Sie hier im Video.

ZDFheute Wetter - Freitag - 02.01.2026
Quelle: ZDF

Zusammengestellt vom Team der ZDFheute

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