Update am Morgen: Atempause oder Schluck aus der Pulle?

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Update am Morgen:Eine Atempause - oder ein kräftiger Schluck aus der Pulle?

von Florian Neuhann

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Florian Neuhann


Guten Morgen,

der Warnstreik ist vorbei - für alle, die für den Arbeitsweg wie ich gestern eigentlich auf Bus und U-Bahn angewiesen waren, ist das eine gute Nachricht. Der ÖPNV fährt wieder. Ob die massenhafte Arbeitsniederlegung im öffentlichen Dienst gestern die Arbeitgeber beeindruckt hat und sich beide Seiten angenähert haben, ist zur Stunde aber noch nicht klar.

Klar ist dagegen, dass heute die Gespräche in einer ganz anderen Branche beginnen - in der Chemie- und Pharmaindustrie nämlich. Und da könnten die Vorzeichen kaum unterschiedlicher sein. Während die Gewerkschaft Verdi im öffentlichen Dienst gestern für einen kräftigen Schluck aus der Lohnpulle (will sagen: sieben bis zwölf Prozent mehr Gehalt) streikte, muss die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) heute hoffen, dass es überhaupt zu einer Lohnerhöhung kommt.

Eine Anzeigetafel in Hamburg weist auf den Ausfall aller Busse und U-Bahnen hin

Rund 100.000 Mitarbeiter im öffentlichen Nahverkehr haben gestreikt. Die Forderungen: kürzere Schichten, längere Ruhezeiten und bessere Zuschläge.

02.02.2026 | 1:54 min

Denn tatsächlich wollen die Arbeitgeber in der Chemieindustrie am liebsten durchsetzen, was sie leicht euphemistisch als "Atempause" bezeichnen. Übersetzt: eine Nullrunde. Für die Beschäftigten würde das - bei leicht steigenden Preisen - ein Reallohn-Minus bedeuten. Klar, dass die Gewerkschaft damit nicht zufrieden sein kann. Beziehungsweise schon heftigen Protest angekündigt hat: "Mit Sicherheit werden wir nicht 'gar nichts' als Ergebnis akzeptieren" - so ließ sich der Vorsitzende der Chemiegewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, in der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" zitieren.

Allerdings stimmt eben auch, dass zumindest Teile der Chemie-Branche in Deutschland mit dem Rücken zur Wand stehen. Seit 2021 ist das Produktionsvolumen nach Angaben des Branchenverbands um rund 20 Prozent eingebrochen. Das ist keine kleine Delle, sondern eine strukturelle Lücke, die sich da auftut.

Chemieindustrie

Der Chemie-Branche geht es schlecht, daher fordern die Arbeitgeber eine glatte Nullrunde für die Beschäftigten. Die Gewerkschaften sehen das anders, daher werden die Tarifverhandlungen herausfordernd.

03.02.2026 | 2:31 min

Die internationale Konkurrenz kann oft wesentlich günstiger produzieren, die Kosten für Energie und auch fürs Personal sind zu hoch. Die Produktionsanlagen sind nach Angaben des Branchenverbands im Schnitt nur zu 70 Prozent ausgelastet - ein historischer Tiefpunkt. Für die drittgrößte deutsche Industriebranche (nach Auto- und Maschinenbau) geht es zumindest in Teilen um die Existenz.

Die Gespräche zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften sind für zwei Tage angesetzt. Ob sich beide Seiten schnell und weitgehend geräuschlos einigen? Vielleicht nicht unbedingt. Aber echte Streiks gehören nicht zur Tradition der Branche - der letzte, der über einen reinen Warnstreik hinausging, war 1971, liegt also schon über 50 Jahre zurück.

Kommen Sie gut und erstmal streikfrei durch den Tag!

Ihr Florian Neuhann, Leiter des ZDF-Teams Wirtschaft und Finanzen

Was heute noch wichtig ist

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02.02.2026 | 0:52 min

Wadephul in Neuseeland: Außenminister Johann Wadephul setzt seine Reise nach Südostasien und in die Pazifik-Region heute in Neuseeland fort. Vor dem Hintergrund der auf eigene Interessen fokussierten Machtpolitik von US-Präsident Donald Trump will der CDU-Politiker bei einem Gespräch mit seinem Amtskollegen Winston Peters für neue Partnerschaften und den Ausbau bestehender Partnerschaften werben.

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Mette Marits Sohn vor Gericht: In turbulenten Zeiten für die norwegische Königsfamilie muss sich der älteste Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52) ab heute wegen Dutzender teils schwerer Vergehen vor einem Gericht in Oslo verantworten. Marius Borg Høiby (29) wird Vergewaltigung und sexueller Missbrauch mehrerer Frauen vorgeworfen. Einige der Taten soll er begangen haben, während die mutmaßlichen Opfer schliefen; er soll sie währenddessen gefilmt haben.

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Leverkusen zwischen Vorfreude und Selbstkritik: Vor dem Viertelfinale im DFB-Pokal gegen St. Pauli sucht Bayer Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand nach der richtigen Mischung für seine Elf. Verfolgen Sie das Spiel heute Abend ab 20:15 Uhr live im ZDF.

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Kurznachrichten im ZDF - immer auf dem Laufenden

02.02.2026 | 2:01 min

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So wird das Wetter heute

Am Dienstag kommt im Südwesten Regen und Schnee auf. Örtlich gibt es auch Eisregen mit großer Glättegefahr: Sonst bleibt es meist trocken und die Sonne scheint häufig. Im Norden weht bei minus 7 bis 0 Grad ein starker Ostwind. Im Westen und Süden steigt die Temperatur auf 0 bis 10 Grad.

Den aktuellen Wetterbericht der ZDF-Meteorologen finden Sie hier im Video.

ZDFheute Wetter - Dienstag - 03.02.2026
Quelle: ZDF

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