Update am Abend:Stütze für den Kanzler und warme Töne vom "Angstgegner"
von Nicola Frowein
Guten Abend,
ihre Erklärung dürfte Friedrich Merz mit Erleichterung aufgenommen haben: Die acht Ministerpräsidenten der Union haben ihrem Bundeskanzler den Rücken gestärkt. Und auch Bundesverteidigungsminister Pistorius darf aufatmen: Sein Besuch bei "Angstgegner" Pete Hegseth ist gut angelaufen. Durchschnaufen können auch alle die, die angesichts hoher Ukraine-Hilfen um den Sozialstaat Deutschland bangen: Die Töpfe sind streng getrennt.
CDU-Ministerpräsidenten stehen geschlossen zum Kanzler
- Das ist passiert: Alle acht CDU-Ministerpräsidenten haben sich in einer gemeinsamen Erklärung hinter Friedrich Merz gestellt. Sie sprechen sich gegen die Personaldiskussionen aus, die in den vergangenen Tagen im Zusammenhang mit der politischen Zukunft des Bundeskanzlers hochgekocht waren.
- Das ist der Hintergrund: Die Wahlniederlage der CDU in Sachsen-Anhalt hat Spekulationen angefacht, ob ein Kanzlertausch notwendig sei. Erst gestern hatte Merz angekündigt, am Sonntagabend nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im Präsidium der CDU eine "indirekte Vertrauensfrage" stellen zu wollen. Mit der Erklärung der Länderchefs hat er nun wichtige Rückendeckung bekommen. Auch etliche Vertreter der CDU-Spitze haben sich bereits gegen "interne Showdebatten" ausgesprochen.
- Das sagt unser Korrespondent: Wulf Schmiese, stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, versteht die Erklärung als Entwarnung für den Kanzler. "Er rief nach Hilfe und nun hat er sie auch schon bekommen." Dahinter stehe die Klarstellung: "Unter uns ist niemand, der den Kanzlersturz am Sonntag verlangen wird." Dabei gehe es den Ministerpräsidenten nicht um die Person Friedrich Merz. Der Name falle in der Erklärung erst gar nicht. "Sie wollen die Institution des Bundeskanzlers als solche verteidigen." Denn es gehe um Reformen für ganz Deutschland, die sonst mit dem Kanzler infrage gestellt würden.
- Das sagt Politikwissenschaftler Korte: Karl-Rudolf Korte ist Politikwissenschaftler und Experte in den ZDF-Wahlsendungen. Trotz - oder auch wegen - der Versicherung der acht Ministerpräsidenten geht er davon aus, dass die Nervosität in der Union wachse. "Erst bröckelt die Autorität, dann die Macht," analysiert Korte bei uns auf der ZDFheute. In seinem Artikel erklärt er, welche Anhaltspunkte er dafür habe und wie Merz jetzt noch handeln könne.
ZDF heute in Deutschland, 16.09.2026, 14:00 Uhr
16.09.2026 | 2:37 minPistorius in den USA: Annäherung statt Angstgegner
- Das ist passiert: Deutschland und die USA wollen bei Rüstungsprojekten deutlich enger zusammenarbeiten. Die Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Pete Hegseth unterschrieben dazu in Washington eine Absichtserklärung.
- Das ist der Hintergrund: Die Vereinbarung zielt darauf ab, den Bedarf an Waffen, Munition und Ausrüstung im Nato-Bündnis verstärkt auch aus deutscher Produktion zu decken. Das sei aber nur der erste Schritt, betonte Hegseth. "Eine Nato 3.0 erfordert daher auch, dass Deutschlands sehr große und traditionsreiche industrielle Basis für die gemeinsame Verteidigung genutzt wird." Details zu dem Deal sind allerdings noch nicht bekannt.
- Das sagen unsere Korrespondenten: Neu sei bei dem Besuch von Pistorius vor allem der Ton zwischen den beiden Ministern gewesen, die sich bislang nicht durch tiefe Freundschaft ausgezeichnet haben. Das hat mein Kollege Mathis Feldhoff beobachtet, der als Korrespondent den deutschen Minister nach Washington begleitet. Feldhoff hatte im Vorfeld gar von einem Besuch beim "Angstgegner" gesprochen. Aber natürlich sei es auch ums Geschäft gegangen, betont mein Kollege Carsten Thurau, der für das ZDF aus den USA berichtet. Deutschland habe ein Sondervermögen, gebe Milliarden in der Rüstungsindustrie aus. "Die USA fürchten, dass man sie außen vorlässt", sagt Thurau.
ZDFheute Xpress, 16.09.2026, 9:00 Uhr
16.09.2026 | 1:39 minFehlen die Hilfen für Kiew in Bildungs- und Sozialpolitik?
- Das ist passiert: Die deutsche Ukraine-Unterstützung ist ein beliebtes Wahlkampfthema bei AfD und BSW. Beide Parteien behaupten regelmäßig, dass Deutschland bereits gigantische Summen an die Ukraine gezahlt habe und dieses Geld deshalb an anderer Stelle fehle: bei Schulen, bei Renten, bei der Infrastruktur. ZDF frontal und ZDFheute haben die zentralen Behauptungen überprüft.
- Das ist der Hintergrund: Leif-Erik Holm, Spitzenkandidat der AfD in Mecklenburg-Vorpommern und AfD-Chef Tino Chrupalla sprechen von 100 Milliarden, die an die Ukraine gegangen seien. Sahra Wagenknecht, Gründerin des BSW, bleibt vage und spricht von "Milliarden und Abermilliarden". Nach Angaben der Bundesregierung sieht die tatsächliche Bilanz seit 2022 so aus: Für zivile Unterstützung sind bislang mehr als 43,3 Milliarden Euro geflossen, für militärische Unterstützung wurden und werden - auch für die kommenden Jahre - rund 57,6 Milliarden Euro bereitgestellt. Ein Großteil davon wurde aber nicht bereits ausgezahlt, sondern Kiew erst zugesagt.
- Das sagen Experten: Gwendolyn Sasse vom Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien betont, dass die Ausgaben für die Ukraine ausschließlich aus dem Militärhaushalt oder einem Sondertopf kämen. Die Mittel würden nicht von Schulen oder anderen innenpolitischen Themen abgezogen. Stelle Deutschland die Ukraine-Hilfe komplett ein, könnte das freiwerdende Geld gar nicht automatisch in Bildung oder Soziales fließen, pflichtet ihr Christian Mölling vom Thinktank Edina bei. Forscher Johannes Marzian vom Kieler Institut für Weltwirtschaft hat mit seinem Team am IfW über 150 Jahre und 20 Länder hinweg untersucht, ob Militärausgaben systematisch zulasten von Sozialausgaben gingen. Das zentrale Ergebnis: Ein solcher Zielkonflikt lasse sich historisch kaum belegen. Formal sind die Geldtöpfe für die Ukraine und für Sozial- oder Bildungsausgaben also strikt getrennt. Zum ganzen Bild gehört aber auch, so folgert ZDF frontal: Jeder zusätzliche Euro, der über Schulden für Verteidigung und Ukraine-Hilfe aufgenommen wird, schränkt langfristig den finanziellen Spielraum der Bundesrepublik ein.
ZDFfrontal, 15.09.2026, 21:00 Uhr
15.09.2026 | 8:35 minZDFheute Update am Abend:Die Nachrichten des Tages kompakt zum Feierabend
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20.08.2026 | 2:33 minSport
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