Deutschlands höchster Berg:Großer Felssturz an der Zugspitze: Was bekannt ist
Ein Felssturz an der Zugspitze hat Deutschlands höchsten Berg in eine große Staubwolke gehüllt. Gefahr für Wege besteht nicht - vorbei ist das Bröckeln aber offenbar nicht.
Auf der Tiroler Seite der Zugspitze brachen große Gesteinsmengen ab. Die Bergwacht vermutet auftauenden Permafrost als Ursache. Es gab keine Verletzten.
23.09.2026 | 1:21 minAuf der Zugspitze haben sich mehrere Kubikmeter Felsen gelöst - und Deutschlands höchsten Berg in eine gewaltige Staubwolke gehüllt. Verletzt wurde niemand. Was zu dem Vorfall bekannt ist - ein Überblick.
Was ist an der Zugspitze passiert?
Am Dienstag hat sich an der 2.962 Meter hohen Zugspitze eine bislang unbekannte Menge Gestein gelöst und eine große Staubwolke verursacht. "Wir sehen zwei seismische Ereignisse zwischen kurz vor sieben und acht Uhr ", erklärt der Geologe und Geograph Michael Krautblatter von der TU München gegenüber ZDFheute.
... hat an der TU München die Professur für "Analyse, Monitoring und Frühwarnung von Hangbewegungen" inne. Der Geograph und Geologe forscht seit 2006 an der Zugspitze. Mit seinem Team misst er etwa die Entwicklung der Permafrost-Temperaturen, untersucht Felssturz-Ereignisse und arbeitet an der Vorhersage von Hangbewegungen.
Der Felssturz ereignete sich auf der Tiroler Seite an der deutsch-österreichischen Grenze - und setzte sich nach Angaben der Bergwacht Grainau bis zum Mittwoch fort.
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16.09.2026 | 2:58 minGibt es durch den Felssturz Verletzte oder Schäden?
Nach Angaben der Bergwacht Grainau wurde niemand verletzt. Auch in der nächstgelegenen Gemeinde Ehrwald gab es einem Mitarbeiter des Gemeindeamts zufolge weder Schäden noch Auswirkungen.
Das betroffene Gebiet befindet sich in einem unzugänglichen Bereich des Bergmassivs, wo es keine offiziellen Steige gibt. Die bei Kletterern beliebte Route "Eisenzeit" hatte die Staubwolke zwar abbekommen, liegt aber auf der anderen Seite des betroffenen Grates.
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23.09.2026 | 2:09 min"Wir haben da aktuell keine Bedenken, dass da aufgrund von diesem Felssturz ein größeres Gefahrenpotenzial ist", sagte der stellvertretende Bereitschaftsleiter der Bergwacht Grainau, Franz Dörfler.
Die Bergbahnen laufen ohne Beeinträchtigungen. Sowohl die Tiroler Zugspitzbahn als auch die etwas weiter südlich gelegene Ehrwalder Almbahn nahmen ihren Betrieb wie gewohnt auf.
Wie häufig kommen Felsstürze an der Zugspitze vor?
"Die Zugspitze hat generell eine relativ hohe Steinschlag- und Felssturzaktivität", erklärt Michael Krautblatter von der TU München. Aktuell beobachte er eine gewisse Häufung solcher Ereignisse - "gerade in diesen oberen Gratregionen".
Bereits im August 2024 hatte es einen größeren Felssturz auf der Tiroler Seite der Zugspitze gegeben. Damals lösten sich laut ORF in 2.800 Metern Höhe mehrere Tonnen Gestein und donnerten knapp 1.000 Meter talwärts.
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28.05.2026 | 6:28 minFels- und größere Bergstürze gibt es in den Alpen aufgrund der natürlichen Erosion des Gesteins schon seit jeher. Zu erkennen ist das auch für Nichtgeologen leicht an den großen Schutthalden und Felskaren, die sich vielerorts unterhalb steiler Wände finden. In hochalpinen Lagen sind Felsgrate sehr häufig zersplittert - das Gestein wurde im Laufe der Jahrmillionen von Frost und Blitzschlag gesprengt.
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Welche Rolle spielen Klimawandel und Permafrost in den Alpen?
Der Klimawandel verändert den Lebensraum Alpen nach Einschätzung des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos rasant. Demnach steigen die Temperaturen in den Alpen doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.
Der Temperaturanstieg wirkt sich in den hohen Gebirgslagen auf den Permafrost aus, der als Kitt der Berge gilt. Taut er auf, fehlt der "Kleber" - und Schutt und Felsen können sich lösen und zu Tal donnern. Von Permafrost spricht man, wenn ein Untergrund für mindestens zwei Jahre eine Durchschnittstemperatur von unter 0 Grad hat.
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22.07.2026 | 2:00 minHat das Auftauen des Permafrosts den aktuellen Felssturz ausgelöst?
"Genau wissen wir das noch nicht", sagt Krautblatter. Mit Drohnen wollen er und sein Team in den kommenden Tagen untersuchen, ob an der Abbruchstelle noch Permafrost vorhanden ist.
Im nahen Kammstollen messen die Wissenschaftler der TU München seit 2007 die Permafrost-Temperaturen. "Dort haben wir in diesem Zeitraum eine Erwärmung von -1,2 Grad auf -0,7 Grad", berichtet Krautblatter. Der Kalkstein der Zugspitze "taut schon bei -0,5 Grad", erklärt er.
Untersuchen will Krautblatter auch, welche Rolle der Sommer mit mehreren Hitzewellen gespielt hat. Der Permafrost sitze in einer Felstiefe von etwa zehn Metern. Dort komme die Hitze erst mit zwei bis drei Monaten Verzögerung an. "Das heißt, wir sehen erst jetzt die Auswirkungen der Hitzewellen im Gestein in dieser Tiefe."
Das Wissen, warum der Fels am Dienstag an genau dieser Stelle herausgebrochen ist, soll dabei helfen, die Zugspitze noch besser zu verstehen - "und einen guten Überblick zu haben, welche Punkte der Zugspitze wir genau im Blick behalten müssen".
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