Sturzflut im Himalaya: Kann das auch in den Alpen passieren?

Nach Katastrophe im Himalaya:Wie wahrscheinlich ist eine Sturzflut in den Alpen?

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Die Sturzflut im Himalaya wurde Experten zufolge durch einen Gletscherabbruch ausgelöst. Wäre eine solche Katastrophe auch in den Alpen möglich? Was Experten dazu sagen.

Alpen, Berchtesgarden: Der Blaueisgletscher liegt im oberen Blaueiskar.

Nach der Sturzflut im Himalaya rückt auch die Sorge ähnlicher Ereignisse in den Alpen in den Fokus. (Symbolbild)

Quelle: Angelika Warmuth/dpa

Ein Eis- und Felsabbruch hat die folgenreiche Sturzflut im Himalaya ausgelöst. Viele Menschen fragen sich: Wäre eine solche Katastrophe auch in den Alpen möglich? Aus Beobachtungen und geologischen Ablagerungen sei bekannt, dass große Berg- und Gletscherstürze auch in den Alpen schon vielfach vorgekommen sind, sagt Oliver Korup, Leiter der Arbeitsgruppe Naturgefahren an der Universität Potsdam.

Die Höhenunterschiede im Himalaya seien aber extremer - und damit die möglichen Fallhöhen und Reichweiten, mit Folgen für die gesamte Prozesskaskade vom Abbruch bis zur Sturzflut.

01.09.2026, Nepal, Upper Trishuli: Soldaten der nepalesischen Armee tragen die Leiche eines Arbeiters, die an der Baustelle eines Wasserkraftprojekts in Upper Trishuli, Nepal, geborgen wurde.

Sechs Tage nach der Sturzflut im Himalaya dauert die Suche nach mehr als 900 Arbeitern an. Die Zahl der Todesopfer liegt inzwischen bei über 950.

01.09.2026 | 0:22 min

Experte hält ähnliche Ereignisse in den Alpen für möglich

"Ähnliche Ereignisse können auch in den Alpen vorkommen", sagt auch Jan Blöthe von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Der Gletscherabbruch von Blatten in der Schweiz zum Beispiel sei von der Dynamik her vergleichbar gewesen. Entscheidender Unterschied sei die Größe des Ereignisses:

Erste Abschätzungen des Ereignisses in Nepal deuten auf ein etwa zehnmal größeres Volumen hin als bei dem Ereignis in Blatten vor einem Jahr.

Jan Blöthe, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Beim Bergsturz von Blatten im Kanton Wallis waren im Mai 2025 Fels und Eis vom Birchgletscher ins Tal gestürzt und hatten große Teile des Ortes verschüttet. Der drohende Abrutsch war zuvor erkannt, das Dorf rechtzeitig evakuiert worden.

Gemeindemitglieder von Blatten halten mit Einwohnern eine Schweigeminute während einer Gedenkfeier, ein Jahr nach dem Erdrutsch von Blatten. Am 28. Mai 2025 brach der Birkengletscher in Blatten, Lötschental, Wallis, ein und begrub 90 Prozent des bereits evakuierten Dorfes, darunter 130 Häuser und die Pfarrkirche, unter einer Lawine aus Fels, Eis und Geröll. Die Trümmer blockierten den Fluss Lonza, bildeten einen See und sorgten für Überschwemmungen

Bei einem Felssturz wurde das Dorf im Lötschental fast vollständig zerstört. Der Wiederaufbau soll in vier bis fünf Jahren abgeschlossen sein. Die Arbeiten sind in vollem Gange.

28.05.2026 | 2:42 min

Geländeform förderte Wucht der Sturzflut in Nepal

Die Hindukusch-Himalaya-Region ist das größte und höchste Gebirgssystem der Erde; dort gibt es entsprechend mehr Steilhänge und damit potenzielle Abbruchkanten. Die Täler dort seien länger und tiefer als in den Alpen, erklärt Jan Beutel von der Universität Innsbruck.

Die Geländeform förderte Experten zufolge die verheerende Wucht der Sturzflut in Nepal: In dem schmalen, steilen Tal türmten sich die Wassermengen weit stärker auf, als sie es in einem breiteren mit nicht so steilen Hängen getan hätten.

Das Schweizer Dorf Blatten, nachdem es durch einen Bergsturz unter Massen von Eis, Schlamm und Felsen begraben wurde.

Ende Mai wird das Schweizer Dorf Blatten unter einem riesigen Bergsturz begraben. Kein Einzelfall: Der Klimawandel lässt die Alpen bröckeln. Wie gehen die Menschen damit um?

04.09.2025 | 43:28 min

Doch auch ein Ereignis mit weniger Wucht könnte in den dicht besiedelten Alpentälern verheerende Folgen haben. Schutz bietet vor allem die Frühwarnung. Entscheidend sei dafür das Erkennen und die systematische Überwachung verdächtiger Felshang- oder Gletscherbewegungen, erklärt Korup. "Nur detaillierte und lokal an Verdachtsflächen durchgeführte Messungen bieten derzeit praktikable Vorhersagen." Großflächige Vorhersagen und Warnungen blieben dagegen schwierig.

Auftauen von alpinem Permafrost erhöht Felssturzgefahr

Wie stark der Klimawandel solche Extremereignisse beeinflusst, lässt sich den Experten zufolge noch nicht gesichert sagen. In den vergangenen Jahren habe es in verschiedenen Hochgebirgen eine Häufung großer Massenbewegungen gegeben, oftmals in Höhenlagen, in denen Permafrost vorkommt, erklärt Blöthe.

Das Auftauen von alpinem Permafrost erhöht die Felssturzgefahr, weil gefrorenes Eis in Gesteinsklüften wie ein natürlicher Klebstoff wirkt, dessen Festigkeit bei Erwärmung drastisch abnimmt. Bei einem destabilisierten Hang steigt das Risiko, dass er abrutscht.

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Quelle: dpa
Über die Sturzflut im Himalaya berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, etwa bei ZDFheute Xpress am 01.09.2026 um 8 Uhr.

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