Feuerökologe: "Erwarten von den Kameraden das Unmögliche"

Interview

Feuerwehr in Frankreich am Limit:Feuerökologe: "Erwarten von den Kameraden das Unmögliche"

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Können die Einsatzkräfte den Flammen in Frankreich Herr werden? Feuerökologe Alexander Held ist skeptisch - und kritisiert eine fehlende Prävention der vergangenen Jahrzehnte.

SGS Sievers Held

Laut dem Feuerökologen Alexander Held schaffen der Klimawandel und die oft auf Monokultur ausgelegte Forstwirtschaft die perfekten Rahmenbedingungen für extreme Waldbrände.

28.07.2026 | 5:31 min

Die Flammen halten Südwesteuropa weiter im Griff. Einheimische und Touristen werden evakuiert, die Feuerwehr in Frankreich kämpft neben den Bränden auch mit der eigenen Erschöpfung. Zu Recht, meint Ökologe Alexander Held im heute journal - die Brände seien derzeit in Teilen nicht mehr kontrollierbar.

Doch der Experte gibt auch Grund zur Hoffnung. Vier Erkenntnisse rund um die Lage in Südwesteuropa.

Sehen Sie das Interview mit Alexander Held oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.

1. Feuer in Frankreich: So kam es dazu

Wie schon in den vergangenen Jahren fänden die Flammen in Frankreich ideale Zutaten vor, so Feuerökologe Held: Perfekte Wetterbedingungen, Brennmaterial, Zündquellen und eine Topografie, die den Kampf gegen das Feuer erschwert.

… arbeitet als Feuerökologe am Europäischen Forstinstitut. Der gelernte Forstwissenschaftler lehrt zudem Feuermanagement an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg.


Den großen Rahmen stelle der Klimawandel - "und dann kommt unser Einfluss dazu." Die Forstwirtschaft habe in Frankreich auf Monokulturen wie Kiefernplantagen gesetzt, obendrein noch auf entwässerten Sumpfgebieten. Dadurch sei zusätzlich auch der Boden entzündlich. Damit treffe das Feuer auf eine perfekte Kombination aus menschlichem Verschulden und verheerenden Wetterbedingungen, meint der Experte.

28.07.2026, Spanien, Almorox: Verkohlte Bäume nach einem Brand. Das Feuer, das im Waldgebiet „Pinar de Almorox“ in der Provinz Toledo ausgebrochen war, hat weite Naturflächen zerstört.

In Frankreich erreichen die Feuer historische Werte. Entspannung ist nicht in Sicht. In Spanien hat sich die Lage etwas stabilisiert. Aber Entwarnung gibt es auch hier nicht.

28.07.2026 | 2:27 min

2. Hat die Feuerwehr gegen die Waldbrände eine Chance?

Es sei erkennbar, wie erschöpft die Einsatzkräfte seien - und wie wenig Auswirkungen alle Maßnahmen derzeit hätten. Die Brände wüteten derzeit jenseits einer jeden Kontrollschwelle, stellt Held fest.

Wir erwarten von den Kameraden das Unmögliche.

Alexander Held, Feuerökologe

Die Unterstützung aus dem Ausland sehe zwar gut aus und zeige Solidarität. "Aber wir haben keine Chance im Moment, [das] zu löschen", so der Feuerökologe. Vielmehr sei es derzeit beinahe unverantwortlich, Feuerwehrleute in diese Umgebung zu schicken und zu erwarten, dass sie ein Problem lösen, das längst hätte angegangen werden müssen.

Wildfires rage on Cap Ferret peninsula

Lange Staus, Straßensperren, übervolle Notunterkünfte: Die schweren Waldbrände in Frankreich und Spanien treiben viele in die Flucht. Politische Diskussionen um Ursachen und Lösungen werden laut.

28.07.2026 | 3:22 min

3. Feuerökologe: Das ist zu tun

Die Forschung sei sich seit Jahrzehnten einig - langfristig gebe es vor allem eine Stellschraube, an der gedreht werden könne: die Biomasse. Präventiv könnten solche Brände nur durch das Verändern des Brennmaterials eingedämmt werden.

Struktur, Feuchtegehalt, aber auch der Bodentyp: Grundsätzlich könnten die Menschen vor Ort auf viele Stellen einwirken, um die Biomasse vor Ort zu verändern. Damit gebe man der Feuerwehr überhaupt erst eine Chance, die Flammen zu bekämpfen.

Ein Feuerwehrauto mit einem Feuerwehmann fährt durch den Wald- Im Hintergrund sind Rauchschwaden zu sehen.

In den Waldbrandgebieten in Frankreich und Spanien könnte es Hoffnung auf eine Stabilisierung der Lage geben. Insbesondere in der Region Bordeaux breitet sich das Feuer nicht weiter aus.

28.07.2026 | 1:43 min

4. Und nächstes Jahr der neue Brandrekord?

Die Rekordbrandjahre seit 2017 würden von immer den gleichen Absichtserklärungen der Politik begleitet. "Diese Statements, die kennen wir, die gibt es auch schon seit 20 Jahren", kritisiert Feuerökologe Held.

Doch dieses Jahr bestehe Grund zur Hoffnung: Bereits im März veröffentlichte die Europäische Kommission eine neue Strategie zu Waldbränden. Dort verschiebe die Politik den Fokus vom reaktiven Löschen der Feuer hin zur proaktiven Prävention.

Für den Experten ein Schritt in die richtige Richtung - doch die Politik müsse aufpassen und nicht zum Tagesgeschäft übergehen, sobald wieder die ersten Regentropfen fallen.

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Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete das heute journal am 28.07.2026 ab 21:45 Uhr.

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