Viadukt von Millau: Warum die höchste Brücke Europas genial ist

Brücke der Superlative in Frankreich:Viadukt von Millau: Mega-Brücke dank gescheiterter Vorbilder

von Andreas Singler

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Höher als der Eiffelturm und über eine der größten Schluchten Frankreichs gebaut: das Viadukt von Millau. Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, das ein großes Verkehrsproblem löst.

Viadukt von Millau

Rund um den Globus entstehen Bauwerke der Superlative - höher, länger, tiefer als alles zuvor. Sie überwinden Tiefen, durchstoßen Berge und verschieben die Grenzen des technisch Machbaren.

15.07.2026 | 43:41 min

Die meisten großen Brücken verbinden Ufer. Das Viadukt von Millau entstand aus einem anderen Grund: Es überspannt nicht nur einen breiten Fluss, sondern vor allem eine gewaltige Schlucht im Zentralmassiv im Süden von Frankreich.

Wo sich bei Millau einst kilometerlange Staus auf der Autobahn A75 bildeten, führt der Verkehr heute in wenigen Minuten über das Tal. Jährlich nutzen rund fünf Millionen Fahrzeuge die Verbindung. Die Brücke hat nicht nur den Reiseverkehr beschleunigt, sondern auch die wirtschaftliche Verbindung zwischen Nord- und Südfrankreich verbessert.

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Viadukt von Millau ist höchste Brücke in Europa

Mit einer Gesamtlänge von 2.460 Metern und einer Höhe von 334 Metern ist das Viadukt von Millau die höchste Brücke Europas. Sieben teils riesige Stützpfeiler, eine winddurchlässige Fahrbahn und stabile Schrägseile: Das Viadukt von Millau punktet gleich mehrfach. Es vereint Stabilität mit einer kurzen Bauzeit, wirtschaftlicher Effizienz und elegantem Design. Da ist die Überquerung des Flusses Tarn fast eine Nebensache.

Nach nur drei Jahren Bauzeit wurde die Brücke 2004 eröffnet. "Sein Bau war eine Meisterleistung", sagt die Wissenschaftsjournalistin Torri Yates-Orr in der ZDFinfo-Dokumentation "Geniale Bauwerke der Geschichte - Infrastruktur".

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Eine Konstruktion im XXL-Format

Die Landschaft bestimmt die Dimensionen dieses Bauwerks. Der fast zwei Kilometer breite Taleinschnitt stellte die Baumeister vor eine außergewöhnliche Herausforderung. Wie konstruiert man so ein Megabauwerk? Welche Brückenform eignet sich für die Höhenlage und gibt es Vorbilder, wie etwa die Golden-Gate-Brücke in San Francisco?

Die Bedingungen im Zentralmassiv sind schwierig, denn regelmäßig treten starke Winde auf, die auf große Bauwerke enorme Kräfte ausüben.

Sehen Sie die Doku "Geniale Bauwerke der Geschichte - Infrastruktur" am 24. August 2026 um 11:30 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.


Entscheidung für die Schrägseilbrücke

Bei ihren Plänen für die Querung in Südfrankreich entschieden sich der französische Bauingenieur Michel Virlogeux und der britische Architekt Norman Foster für eine Schrägseilbrücke. Brücken dieses Typs bieten viele Vorteile. "Sie lassen sich relativ schnell errichten, sind steifer als Hängebrücken und können sehr elegant wirken", erläutert die britische Ingenieurin und Journalistin Shini Somara.

Wie Hängebrücken arbeiten auch sie mit Stahlseilen. Diese verlaufen aber schräg und verbinden die Fahrbahnträger direkt mit den Pylonen.

Shini Somara, Ingenieurin und Wissenschaftsjournalistin

Die sieben steil aufragenden Pylone tragen die Last des Viadukts, an ihnen sind die Schrägseile direkt mit den Fahrbahnträgern verbunden. Das sorgt für mehr Widerstandskraft gegen den Wind. Dies wiederum ermöglicht einen schlankeren Fahrbahnträger. Das Bauwerk wirkt ästhetischer und fügt sich harmonischer in die natürliche Umgebung ein.

Das 118 Meter lange und 1.250 Tonnen schwere Mittelstück der neuen Rader Hochbrücke wurde über dem Nord-Ostsee-Kanal eingehoben.

Seit drei Jahren entsteht ein neuer Teil der Rader Hochbrücke zwischen Dänemark und Deutschland. Nun wurde das 118 Meter lange Verbindungsteil eingehoben.

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Lernen vom Negativbeispiel in den USA

Bei der Konstruktion des Bauwerks orientierten sich die Ingenieure nicht nur an erfolgreichen Brückenbauten. Ebenso wichtig war die Analyse früherer Fehler. Ein warnendes Beispiel war die Tacoma-Narrows-Brücke im US-Bundesstaat Washington. Die Brücke wurde 1940 eröffnet und erhielt schon kurz darauf den Spitznamen "Galoppierende Gertie", weil sich ihre Fahrbahn selbst bei moderatem Wind gefährlich aufschaukelte. Nur wenige Monate später stürzte sie ein.

Der Bau der Tacoma-Narrows-Brücke fiel in eine Zeit, in der Ingenieure immer längere und schlankere Hängebrücken bauten. Dabei wurde zu wenig berücksichtigt, wie empfindlich diese Bauform bereits auf geringe Windlasten reagiert.

Die Konstruktion im US-Bundesstaat Washington war zu schlank, zu wenig steif. Zudem bestanden die Längsträger unter der Fahrbahn aus einer geschlossenen Stahlkonstruktion. Ihr fehlte es an Winddurchlässigkeit, wie sie Fachwerkträger sicherstellen können. Dadurch wurde der Luftstrom unter und über die Fahrbahn geleitet. Die Brücke geriet in Schwingungen, die sich immer weiter verstärkten. Ein Phänomen, das Fachleute als aeroelastisches Flattern bezeichnen.


Die Fahrbahn des Viadukts von Millau ist nicht nur winddurchlässig, auch die Form des Fahrbahnträgers trägt entscheidend zur Windverträglichkeit bei. "Sein Profil ähnelt dem von Rennwagen, die bei hohen Geschwindigkeiten sicher auf der Fahrbahn bleiben", so die Bauingenieurin Roma Agrawal. "Die Form lenkt den Wind so, dass ein nach unten gerichteter Druck entsteht."

Heute zählt das Viadukt von Millau zu den bekanntesten Schrägseilbrücken der Welt. Es ist ein Beispiel dafür, wie Ingenieure aus Fehlern lernen, Naturkräfte verstehen und daraus zukunftsweisende Konstruktionen entwickeln.

Über dieses Thema berichtete ZDFinfo in der Sendung "Geniale Bauwerke der Geschichte - Infrastruktur" am 23.07.2026 ab 22:25 Uhr.

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