Tempel im Buddhismus: Ihre Architektur trotzt Erdbeben und Monsun

Architektur für die Götter:Ein Tempel als Mandala und einer, der "in der Luft hängt"

von Andreas Singler

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Glaube findet weltweit Ausdruck in einzigartigen Heiligtümern. Auch die Tempel Borobodur und Xuankong Si sind Zeugnisse architektonischer Meisterleistungen.

Ein alter Tempel aus Stein mit Stufenpyramide steht in einem Wald und ist von Nebel und hügeliger Landschaft umgeben.

Weltweit errichten Menschen Monumente des Glaubens: Bauten, für die kein Aufwand zu groß scheint. Viele Sakralbauten setzen neue Maßstäbe in Stil und Größe. Meisterwerke für die Götter.

15.07.2026 | 43:38 min

Seit Jahrtausenden verleiht der Mensch seinem Glauben Ausdruck in Form eindrucksvoller Sakralbauten. Ein als buddhistisches Mandala entworfener Tempel auf der indonesischen Insel Java und ein scheinbar in der Luft hängender Tempel in China sind nur zwei Beispiele dafür.

Borobodur auf Java - ein Tempel als Mandala

Erbaut um 800 n. Chr ist das Heiligtum Borobodur Jahrhunderte älter als die gotischen Kathedralen in Europa. Und zugleich der größte buddhistische Tempel der Welt. Von oben betrachtet, zeigt sich ein geometrisches Muster. Auf einem quadratischen Sockel türmen sich fünf Terrassen, bis zu einem Kreis aus steinernen Kuppeln, auch Stupas genannt. "Borobodur ist ein dreidimensionales Mandala", erläutert die Wissenschaftsjournalistin Torri Yates-Orr in der ZDFinfo-Doku "Geniale Bauwerke der Geschichte - Sakralbauten".

Im buddhistischen Weltbild steht der Sockel für die Welt der Begierden, die fünf Terrassen für die Welt der Formen. Der Kreis der Stupas symbolisiert die formlose Welt, in der die Menschen frei von Bedürfnissen sind.

Dieser Tempel wurde nicht nur errichtet, um durch seine Schönheit zu beeindrucken. Seine Architektur leitet den Menschen auf seinem Weg zur Erleuchtung.

Shini Somara, Ingenieurin und Journalistin

Illustration des Pantheons in Rom mit seiner Säulenfassade und Kuppel. Im Hintergrund ist stilisiert das Kuppelinnere des Bauwerks dargestellt.

Seit Jahrtausenden errichten Menschen Gebäude in gewaltigen Dimensionen. Von den Prachtbauten des alten Rom bis zu künstlichen Wasserstraßen, die ganze Gebirge überwinden.

15.07.2026 | 41:29 min

Pyramidale Form sorgt für Langlebigkeit

1.200 Jahre hat der Tempel überstanden, obwohl er von Vulkanausbrüchen verschüttet wurde und zahlreiche Erdbeben ihn erschütterten. Ein Grund für seine Langlebigkeit: die Form. "Seine Pyramidenform mit quadratischer Basis verteilt das Gewicht gleichmäßig, sorgt für Stabilität und verringert die Einsturzgefahr", sagt der Ingenieur Nehemiah Mabry. Auch die großen Steinblöcke aus Vulkangestein tragen zur Stabilität der Tempelanlage bei.

Zwei weitere Herausforderungen für die Standfestigkeit des Heiligtums lösten die Erbauer Borobodurs mit raffinierten Techniken. Nischen und Torbögen erhielten ihre Stabilität durch sogenannte Kragbögen.

Auch für den regenreichen Monsun fanden die Baumeister eine Lösung. Rund um die Anlage sind kunstvoll gefertigte Wasserspeier in Form von Makaras, mythischen Fabelwesen, verbaut. Durch sie fließt das Regenwasser von den Terrassen weg und wird vom Mauerwerk ferngehalten.

Sehen Sie die Doku-Reihe "Geniale Bauwerke der Geschichte" am 23. Juli 2026 ab 20:15 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.


Xuankong Si: Der "in der Luft hängende Tempel"

In der nordchinesischen Provinz Shanxi, am Fuß des Hengshan-Gebirges, befindet sich in 60 Meter Höhe ein Tempel, der fast zu schweben scheint. Die chinesischen Schriftzeichen für Xuankong Si bedeuten: "in der Luft hängender Tempel". Der Legende nach errichtete ihn der Mönch Liao Ran im Jahr 491 n. Chr. Drei große Lehren existieren hier nebeneinander: Daoismus, Buddhismus und Konfuzianismus.

Mehrstöckige, hölzerne und durch schmale Stege verbundene Bauwerke sind an einer steilen Feldwand befestigt.

Der scheinbar schwebende Tempel Xuankong Si in China wurde der Legende nach im Jahr 491 n. Chr. errichtet.

Quelle: ZDF

Von außen fallen lange Stelzen auf, die vom Boden des Tempels auf kleine Felsvorsprünge herabreichen. Es wirkt, als würden diese den Tempel abstützen. Aber das täuscht. "Tatsächlich tragen sie das Bauwerk nicht", sagt die Bauingenieurin Roma Agrawal. Die Stelzen dienten vor allem dekorativen Zwecken. Bei näherem Hinsehen bemerkt man aber starke Querbalken, die aus dem Fels herausragen.

Kragbalken als Bautechnik aus China

Diese Balken halten den Tempel tatsächlich - sogenannte Kragbalken. Sie sind metertief im Felsen verankert.

Damit der Holzbalken sich nicht wieder aus der Wand lösen konnte, ließen sich die Baumeister noch einen zusätzlichen Trick einfallen: "Bevor sie den Balken in ein Loch trieben, platzierten sie einen Holzkeil an seinem Ende", erklärt Ingenieur Rob Bell. "Stieß der Balken im Loch an, spreizte der Keil das Holz weiter auf - es saß fest und sicher." Wenn die Balken gesetzt waren, wurde mit Brettern eine Plattform und damit das Fundament für den weiteren Bau gebildet.

Illustration einer modernen Schrägseilbrücke mit mehreren Brückenpfeilern und Tragseilen, die ein breites Gewässer überspannt.

Rund um den Globus entstehen Bauwerke der Superlative - höher, länger, tiefer als alles zuvor. Sie überwinden Tiefen, durchstoßen Berge und verschieben die Grenzen des technisch Machbaren.

15.07.2026 | 43:41 min

Zapfenverbindungen, damit der Holzbau Erdbeben trotzt

Um den Tempel aber gegen die häufigen Erdbeben der Region zu schützen, war dieses stabile Fundament allein nicht genug. Denn in Ostasien kommen Holzbauwerke ohne Nägel, Bolzen, Schrauben oder Leim aus.

Daher brauchte es noch Zapfenverbindungen. Sie verbinden senkrechte und waagerechte Balken miteinander. Aussparungen werden dabei passgenau ineinandergesteckt. So halten die Bauteile zusammen und bleiben zugleich beweglich genug, um auch starke Schwankungen auszubalancieren.

Auf diesem Prinzip beruhen auch die dekorativen Dougong, die unter anderem im "Hängenden Tempel" zu finden sind. Dabei handelt es sich um hölzerne Tragekonstruktionen, die Balken miteinander verbinden.

Dougong wirken dekorativ, erfüllen aber eine wichtige Aufgabe: Sie entlasten die waagerechten Balken.

Rob Bell, Ingenieur und TV-Moderator

Illustration mehrerer historischer Festungstürme auf Stelzen im Wasser neben einer steinernen Brücke und Befestigungsanlage.

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15.07.2026 | 43:42 min

Über dieses Thema berichtet die Sendung "Geniale Bauwerke der Geschichte - Sakralbauten", online verfügbar am 15.07.2026 um 5 Uhr, in ZDFinfo am 23.07.2026 ab 21 Uhr.

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