Architektur der Stadt perfekt abgestimmt:Inka: Mit Machu Picchu vom kleinen Königreich zum Imperium
von Andreas Singler
Wie auf Wolken schwebt die auf 2.400 Metern gelegene einstige Königsresidenz der Inka. Machu Picchu zeugt von meisterhafter Inka-Architektur - und ausgeklügelter Machtpolitik.
Die Ursprünge des Inka-Reichs liegen um das Jahr 1200, als der erste Herrscher, Manco Cápac, die Hauptstadt Cusco gründet. Archäologische Untersuchungen versuchen, ihre Anfänge zu datieren.
01.03.2026 | 43:07 minVor rund 600 Jahren waren die Inka einer von Hunderten kleiner Stämme im heutigen Peru. Archäologische Befunde belegen, dass ihr Staat sich während des 13. Jahrhunderts im Tal von Cusco gegründet hatte. Im 15. Jahrhundert dann nahm die Geschichte des Königreiches rasant Fahrt auf. Und in nur wenigen Jahrzehnten legten seine Herrscher die Basis für das mächtigste Reich, das jemals in Südamerika existierte.
Nirgendwo sonst lässt sich die Entwicklung des Inka-Staates besser und eindrücklicher bestaunen als in Machu Picchu. König Pachacútec, der sich und seine Vorgänger als "Söhne der Sonne" betrachtete und damit göttlichen Ursprung für die Inka-Herrscher reklamierte, ließ die heutige Ruinenstadt einer spanischen Chronik von 1609 zufolge um das Jahr 1450 erbauen.
Der Gründungsmythos der Inka
Dem Gründungsmythos der Inka nach erschuf Sonnengott Inti den ersten Inka Manco Cápac und seine Schwester Mama Ocllo. Beide entstiegen dem Titicacasee und gingen ins Cusco-Tal. Dort markierten sie mit einem goldenen Zepter den Ort der späteren Stadt Cusco und begründeten die Herrscherdynastie der "Söhne der Sonne".
Inka-König Pachacútec räumte Inti im 15. Jahrhundert eine zentrale Rolle ein - ein wichtiges Element bei der Ausweitung und Verwaltung des Reiches. Der Gründungsmythos legitimierte die Inka-Herrscher als direkte Abkömmlinge der Götter und rechtfertigte so ihre Eroberungen.
Der Sonnenkalender bestimmt den Alltag der Untertanen - von Landwirtschaft über Architektur bis hin zu religiösen Festen. Pachacútec ersetzte die Götter der unterworfenen Stämme nicht durch Inti, aber er setzte ihn an die Spitze der jeweiligen Götterwelten. Und vereinte so ein riesiges Reich unterschiedlichster Ethnien.
Machu Picchu war Residenz von König Pachacútec
"Wir halten Machu Picchu für die königliche Residenz von Pachacútec", sagt die Archäologin Dominika Scieczkowska-Jacyna in der ZDFinfo-Dokumentation "Die Inka - Aufstieg und Untergang: Das Volk der Anden".
Er ließ es nach seinen Bedürfnissen und denen seiner Familie errichten.
Dominika Scieczkowska-Jacyna, Archäologin
Ausgehend von ihrer Hauptstadt Cusco treiben die Inka in weniger als einem Jahrhundert die Expansion ihres Reiches massiv voran. Durch militärische Eroberung, aber auch friedliche Integration.
01.03.2026 | 42:03 minKönig Pachacútec - der "Weltenveränderer"
Pachacútec ist den spanischen Quellen zufolge der neunte König in der Reihe der Inka-Herrscher. Seinen Namen - er bedeutet so viel wie "Weltenveränderer" - trug er aus gutem Grund. In kurzer Zeit transformierte er das kleine Königreich um Cusco in ein Imperium, das am Ende vom heutigen Kolumbien über rund 4.000 Kilometer bis Chile und Argentinien reichte. Machu Picchu war dabei ein Baustein im Macht- und Verwaltungsnetz.
Rund 170 vor allem aus Granit gefertigte Bauwerke umfasst das in einem schwer zugänglichen Steinbruch gelegene Heiligtum und Zentrum der königlichen Macht Pachacútecs. Sie verteilen sich auf einer Fläche von 500 mal 200 Meter über 700 durch Treppen verbundene Terrassen.
Zur Blütezeit der Inka im frühen 16. Jahrhundert sind die Tempel und Paläste von Cusco mit wertvollen Gütern und Gold gefüllt. Ihr Reichtum inspiriert sogar die Legende eines "El Dorado".
01.03.2026 | 41:42 minDie Architektur der Mauern lässt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler staunen. "Es ist eine Stein-Architektur mit unregelmäßigen, aber sehr genau aufeinander abgestimmten Elementen", sagt der Inka-Forscher César Itier.
Ein Abbild des Inka-Reichs. Ein Mosaik aus unterschiedlichen Gruppen - perfekt zusammengefügt.
César Itier, Inka-Forscher
Sehen Sie die vierteilige Doku-Reihe "Die Inka - Aufstieg und Untergang" am 10. März 2026 ab 20:15 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Baukunst als Ausdruck der "Einheit der Welt"
Die Bautechniken der Terrassen, Häuser und Tempel inmitten eines alten Steinbruchs bestechen durch Präzision und Einfallsreichtum. Gebaut wurde für die Ewigkeit - eine Herausforderung in den Anden, wo immer wieder die Erde bebt. Damit Mauern zusammenhielten, wurden Verankerungen und Kerben in die einzelnen Granitblöcke gemeißelt. Hohlräume wurden zusätzlich mit einer Mischung aus Kieseln und Lehmputz befüllt.
Machu Picchu und seine Baukunst waren typisch für die Architektur im sich ausdehnenden Inka-Imperium. "Überall im Reich prägten die Inka die Landschaft", sagt César Itier. "Sie zeigten ihre Präsenz durch eine unverwechselbare Architektur, die sich deutlich von der ihrer Vorgänger unterschied."
Ihre sehr homogene Architektur ist Ausdruck der 'Einheit der Welt', von der die Inka behaupteten, sie geschaffen zu haben.
César Itier, Inka-Forscher
Der letzte Herrscher des Inka-Reichs, Atahualpa, befehligt ein riesiges Heer. Dennoch gelingt es den spanischen Eroberern, die Inka zu besiegen - mit gerade einmal 200 Mann.
01.03.2026 | 41:57 minDer Sonnentempel - Hüter des Gründungsmythos der Inka
Ein Bauwerk sticht aufgrund seiner Funktion für das Weltbild der Inka aus dem Ensemble heraus: der Sonnentempel. Er steht auf einem Felsen, ist rechtwinklig auf der einen und halbkreisförmig auf der anderen Seite. "Im Inneren gibt es Fenster, die offen sind, und Nischen, in denen bei Zeremonien Opfergaben platziert wurden", beschreibt der Archäologe Julio Córdova Valer den Tempel.
Der Sonnentempel zeugt mehr als jedes andere Gebäude in Machu Picchu nicht nur vom Glauben an den Sonnengott, der das Reich der Inka eint, sondern auch von dessen machtpolitischer Funktion. "Die Inka-Herrscher brauchten ein starkes Argument, um ihren göttlichen Ursprung zu legitimieren", sagt Alicia Fernández Flórez vom Archäologischen Nationalpark Machu Picchu.
Deshalb schufen sie die göttliche Abstammung von Manco Cápac und Mama Ocllo. Und damit begann der Ursprung von allem - und das Reich dehnte sich aus.
Alicia Fernández Flórez, Forscherin Archäologischer Nationalpark Machu Picchu
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