VW kündigt Tarifverträge: Droht jetzt ein Volkswagen-Aufstand?

Analyse

VW kündigt Tarifverträge:Droht jetzt ein Volkswagen-Aufstand?

Porträt des ZDF-Landesstudioleiters für Niedersachsen Peter Kunz

von Peter Kunz

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VW hat fast alle Tarifverträge gekündigt, was 100.000 Mitarbeiter betrifft. Dem Autobauer droht ein heißer Herbst - inklusive hartem Tarifstreit.

Wolfsburg: VW-Werk

VW hat die Mehrheit der Tarifverträge gekündigt. Wie wird die Belegschaft reagieren?

Quelle: Ronny Hartmann / AFP

Heißer Herbst und aufziehende Kaltfront: Bei VW in Wolfsburg droht gleich beides. Management und Gewerkschaften rüsten sich und gehen in Kampfposition.

Der Vorstand kündigt zehn laufende Tarifverträge, die IG Metall spricht vom "üblen Foul" an der Belegschaft, der Betriebsrat kündigt Widerstand an. Die Kälte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern erreicht einen neuen Tiefpunkt: Streiks nicht ausgeschlossen.

Einigung bei Werksschließungen: Fast zu friedlich

Fast zu friedlich wirkte vor kurzem erst die Einigung im Volkswagen-Aufsichtsrat. Vertreter beider Seiten hatten sich darauf verständigt, erst einmal ohne Werksschließungen durch die tiefe Krise des Automobilherstellers zu kommen. Es schien so, als sei die Mitbestimmung im Konzern noch einmal gerettet und habe ihren Auftrag erfüllt. Nämlich: dass beide Seiten am selben Strang ziehen.

Volkswagen

Volkswagen steht vor einem harten Sparkurs: Der Aufsichtsrat berät über die Zukunft des Konzerns. 50.000 Stellen weltweit sollen wegfallen, Werke brauchen neue Perspektiven.

04.09.2026 | 2:34 min

Aber wenn das Ziel des Vorstandes bleibt, in einer Transformation der gesamten Automobilindustrie Milliarden einzusparen und den Konzern vom Kopf auf vier Räder zu stellen, dann zieht man am Ende doch wieder an zwei Enden, das zeigt sich jetzt. Das Risiko ist außerdem groß, dass der Strang komplett durchschnitten wird, wenn Gewerkschaften oder Vorstand zu sehr überziehen.

Tarifverträge müssen neu verhandelt werden

Volkswagen-Chef Oliver Blume hat deutlich gemacht, dass er bis Jahresmitte 2027 einen verschlankten Konzern bauen oder zumindest ein Konzept dafür vorlegen will, dazu gehören Schmerzen. Verzicht auf Zusatzvergütungen, mögliche Nichtübernahme von Auszubildenden, weniger extra-freie Tage, das alles verbirgt sich hinter dem Zerreißen der Vereinbarungen und den jetzt anstehenden Neuverhandlungen von Tarifverträgen.

SGS Gellinek Benner

Werksschließungen bei VW seien nicht unausweichlich, betont Anfang September Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall.

04.09.2026 | 8:32 min

VW: Gut gepolsterte Arbeitsplätze sind Geschichte

VW in Wolfsburg bot über Jahrzehnte gut gepolsterte Arbeitsplätze, generationsübergreifende Perspektiven und Sicherheit für die Stammbelegschaft und deren Angehörige - das ist nun vorbei.

Volkswagen kündigt "zentrale Pfeiler des Haustarifvertrages", beschwert sich die IG Metall. Dabei war der Haustarifvertrag immer schon der VW-Goldstandard. In Werken, die nicht zum Haustarifvertrag gehören oder als Beschäftigte mit Leiharbeits-Verträgen arbeitete man längst schon mit Bedingungen zweiter Klasse.

IG Metall fordert von Volkswagen fünf Prozent mehr Geld

Volkswagen stellt am Mittwochnachmittag klar, dass die jetzt erfolgte einseitige Aufkündigung der Verträge den Kern des Ende 2024 nach Arbeitskampf beschlossenen Zukunftspakts nicht berühre: "Der Zukunftstarifvertrag mit der darin enthaltenen Beschäftigungssicherung ist von der Kündigung ausdrücklich nicht betroffen".

Nur ans Portemonnaie will man der Belegschaft allerdings schon zum 1. Januar nächsten Jahres. Und die Gewerkschafts-Forderung von fünf Prozent in der anstehenden Tarifrunde wird vom Vorstand als weltfremd abgelehnt.

07.09.2026, Niedersachsen, Osnabrück: Strahlend blauer Himmel über dem VW-Werk vor der Verkündung der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen Volkswagen, dem Land Niedersachsen und dem israelischen Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems vor dem VW-Werk in Osnabrück.

Das VW-Werk in Osnabrück beendet 2027 seine Autoproduktion. Nun wollen das Land Niedersachsen und israelische Investoren den Standort übernehmen und dort Rüstungsprodukte herstellen.

07.09.2026 | 1:33 min

Druck von allen Seiten steigt

Was nach 2030 passieren wird, das ist die alles bestimmende Gretchenfrage bei Volkswagen. Ob der riesige Konzern dann noch in eine Automobil-Landschaft passt, die sich bis dahin massiv verändert haben wird?

Druck aus China, Zölle in Nordamerika, Nachschub-Nadelöhre und Technologiesprünge. Am Ende wird es gar nicht mehr um sechs Tage Sonderurlaub mehr oder weniger im Jahr gehen, sondern um die Frage, wie viel Arbeit ein moderner Dinosaurier wie Volkswagen in ein paar Jahren überhaupt noch anbieten kann. Das weiß Oliver Blume. Das wissen die Gewerkschaften.

Heißer Herbst oder Eiszeit zwischen den Tarifparteien: Der Klimawandel in der Automobilindustrie muss beide Seiten am Ende zusammenschweißen, wenn VW überleben soll.

Peter Kunz ist Leiter des ZDF-Landesstudios Niedersachsen in Hannover.

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Über die Krise bei VW berichtete das ZDF in verschiedenen Sendungen, etwa im heute journal am 04.09.2026 ab 22:00 Uhr.

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