Wieso das VW-Werk in Osnabrück zum Rüstungsstandort werden soll

Produktion in Osnabrück:Wieso ein ehemaliges VW-Werk Rüstungsstandort werden soll

von Anne-Kirstin Berger

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VW gibt seine Fabrik in Osnabrück auf. Künftig will ein israelischer Rüstungskonzern in dem Werk Teile für die Raketenabwehr produzieren. Ein Vorbild für weitere Werke?

Niedersachsen, Osnabrück: VW-Werk

Im Volkswagenwerk in Osnabrück sollen künftig keine Autos mehr, sondern Luftverteidigungssysteme hergestellt werden. ZDF-Korrespondent Frank Bethmann geht auf die konkreten Pläne dafür ein.

07.09.2026 | 1:12 min

Mario Hellermann arbeitet seit 32 Jahren im Autowerk in Osnabrück, doch künftig könnte sein Arbeitgeber dort statt VW ein israelischer Rüstungskonzern sein. Die entsprechende Absichtserklärung haben VW, das Land Niedersachsen und ein israelischer Investor heute unterzeichnet. Mario Hellermann ist froh über die Perspektive, aber dennoch verunsichert.

Wenn man jahrelang Autos gebaut hat und jetzt auf einmal Militärfahrzeuge, das sind ganz andere Arbeitsbedingungen.

Mario Hellermann, VW-Beschäftigter in Osnabrück

Dass die Kabrioproduktion in Osnabrück zu Ende gehen würde, ist schon seit 2024 bekannt. In den vergangenen Monaten haben Gewerkschaften, Betriebsrat, das Land Niedersachsen und die VW-Führung um eine Lösung für das Werk und die gut 1.800 Beschäftigten gerungen.

"Das war alles nicht so einfach. Wir haben leider in vielen Bereichen Krise und wir konnten uns nicht aussuchen, in welche Geschäftsfelder wir rein können, sondern wir mussten hart dafür kämpfen, dass wir überhaupt eine Chance haben", berichtet der IG-Metall-Bevollmächtigte Stephan Soldanksi gegenüber ZDF heute.

SGS Gause Mainitz

Strukturänderungen und Kostensenkungen als Lösungen für die Profitabilität des VW-Konzerns – Sparprogramme seien hierbei zukünftig unvermeidbar, so ZDF-Expertin Sina Mainitz.

05.09.2026 | 1:55 min

VW in Osnabrück: Niedersachsen springt ein

Der israelische Rüstungskonzern Rafael, Hersteller des Raketenabwehrsystems "Iron Dome", bekundete Interesse, doch ein Abkommen scheiterte laut Informationen des Handelsblatts bis zuletzt am Veto des VW-Aktionärs Katar. Nun scheint eine Lösung gefunden: Das Land Niedersachsen übernimmt die Fabrik und gründet zusammen mit einem israelischen Finanzinvestor ein Unternehmen, das dann wiederum einen Vertrag mit dem Verteidigungskonzern Rafael schließt.

Wie viel Geld das Land Niedersachsen dieser Deal kostet, ist noch offen, aber Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) spricht von einer Größenordnung wie bei der Rettung der Meyer Werft 2024, als Niedersachsen 200 Millionen Euro beisteuerte. Da Volkswagen als Partner nicht zur Verfügung stand, hätte das Land Niedersachsen einspringen müssen, erklärt Lies.

Wir übernehmen diese Verantwortung und sorgen dann gemeinsam mit den Partnern dafür, dass Industriearbeitsplätze hier in Osnabrück erhalten bleiben, sich vielleicht sogar weiterentwickeln können.

Olaf Lies (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen

Rund 50.000 Stellen sollen durch die Sparmaßnahmen wegfallen.

Der VW-Aufsichtsrat hat in einer Sitzung gestern Abend ein umstrittenes Sparprogramm beschlossen. Rund 50.000 Stellen sollen wegfallen, vier Werke sind von der Schließung bedroht.

04.09.2026 | 1:32 min

Autoindustrie strauchelt - und die Verteidigung boomt

Wann es losgeht und was genau in Osnabrück vom Band laufen soll, ist noch offen. Die Belegschaft sei vor allem erleichtert, berichtet der Betriebsrat. Immerhin drei Viertel sollen ihre Stelle behalten können, bis zu 1.400 Beschäftigte.

Doch die Signalwirkung ist weitaus bedeutender als das kleine Osnabrücker Autowerk. Denn Deutschlands Industrie kriselt. Allein bei VW werden in den kommenden Jahren 100.000 Stellen abgebaut, ein großer Teil davon in Deutschland, mehrere Werke stehen auf der Kippe. Die Verteidigungsindustrie dagegen erlebt einen Boom, seit die Nato-Länder mehr in ihre Verteidigung investieren.

VW Zeichen an einem Gebäude. Im Hintergrund ein Baukran

Der Autobauer VW will zukunftsfähig werden und hat dafür umfassende Reformen angekündigt. Unter anderem sollen 50.000 Stellen gestrichen werden. Welche Folgen zu erwarten sind - ZDFheute live.

04.09.2026 | 30:07 min

Rüstungsindustrie als neuer Hoffnungsträger

Im sächsischen Görlitz etwa hat der Panzer-Hersteller KNDS letztes Jahr eine ehemalige Straßenbahnfabrik übernommen, 400 der 700 Beschäftigten konnten bleiben. Und als der Autozulieferer Continental seine Produktion im niedersächsischen Gifhorn einstellte, wechselte ein Teil der Belegschaft zu einer neuen Munitionsfabrik von Rheinmetall.

Managerin Ariane Reinhart hat dafür eine Kooperation lokaler Unternehmen koordiniert, damit Fachkräfte erhalten bleiben, statt in den Ruhestand zu gehen. "Beschäftigung sichern und vielleicht auch eine neue Industrie ansiedeln, das ist eine Alternative", sagt sie.

Doch ein Ausweg aus der fortschreitenden Desindustrialisierung seien Abkommen mit der Rüstungsbranche nicht. Deutschland müsse vor allem "seine eigenen Hausaufgaben machen", sagt Reinhart. Schließlich wollte das Land ja auch weiter Autos bauen, und dafür brauche es wettbewerbsfähige Standorte.

Anne-Kirstin Berger ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Niedersachsen.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in den heute-Nachrichten am 07.09.2026 ab 19:00 Uhr.
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