Insolvenzverwalter von Galeria Kaufhof:Harte Einschnitte - und der Glaube an das Konzept Kaufhaus
von Thadeus Parade, Düsseldorf
Frank Kebekus ist zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, um Galeria Kaufhof zu retten. Im exklusiven Interview mit dem ZDF spricht er über die Lage und die Investorensuche.
Der Galeria-Insolvenzverwalter Frank Kebekus spricht in einem exklusiven Interview unter anderem über den Anspruch auf Insolvenzgeld und die Einigung über ein Massedarlehen.
16.10.2026 | 5:04 minEs herrscht reges Treiben am Galeria-Standort an der Düsseldorfer Königsallee. Der historische Jugendstilbau zählt zu den Premiumlagen des Unternehmens. Kunden stöbern durch Herbstmode und Geschenkartikel. Schon jetzt stehen die ersten Weihnachtsdekorationen in den Regalen.
Wer durch das traditionsreiche Kaufhaus geht, bekommt von der Insolvenz zunächst wenig mit. Der Betrieb läuft. Nur die zahlreichen Rabattaktionen in grellem Pink erinnern daran, dass hinter den Kulissen um die Zukunft des Unternehmens gerungen wird.
Der Mann, der die Warenhauskette nun stabilisieren soll, sitzt mit seiner Kanzlei nur wenige hundert Meter entfernt. Frank Kebekus wurde vom Amtsgericht Düsseldorf zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Galeria Kaufhof ist zum vierten Mal pleite. Damit sind wohl rund 680 Millionen Euro Staatshilfe verloren. Experten bezweifeln, dass das Geschäftsmodell noch zeitgemäß ist.
16.10.2026 | 2:40 minInsolvenzgeld: Gehälter für drei Monate
Er kennt das Unternehmen bereits aus früheren Sanierungsverfahren. Eine wichtige Aufgabe hat er bereits erfolgreich gemeistert: Das Insolvenzgeld ist gesichert. Die Gehälter der Mitarbeiter können für weitere drei Monate gezahlt werden. "Wir sind natürlich sehr glücklich, dass sich die Arbeitsverwaltung dieser Meinung angeschlossen hat (...), sodass wir jetzt in der Lage sind, den Mitarbeitern das Insolvenzgeld für bis zu drei Monate auch fort zu finanzieren", sagt Kebekus.
Damit sei einer der größten Unsicherheitsfaktoren zunächst beseitigt. Nun geht es um den nächsten entscheidenden Schritt: die Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs. Dazu führt der Insolvenzverwalter intensive Gespräche mit Lieferanten und vor allem mit dem Hauptgläubiger, dem US-Investor Gordon Brothers.
Die Warenhauskette Galeria hat erneut Insolvenz beantragt. Alle 83 Filialen sollen vorerst geöffnet bleiben. Unklar ist aber, ob auf längere Sicht Arbeitsplätze wegfallen und Standorte schließen.
02.10.2026 | 0:19 minDieser hatte erst wenige Monate vor dem Insolvenzantrag einen Kredit von mehr als 100 Millionen Euro bereitgestellt und sich dafür umfangreiche Sicherheiten auf den Warenbestand einräumen lassen. Kebekus zeigt sich dennoch optimistisch:
Ich bin eigentlich sehr optimistisch, dass wir da jetzt an diesem Wochenende eine finale Einigung über ein sogenanntes Massendarlehen finden werden.
Frank Kebekus, Insolvenzverwalter Galeria Kaufhof
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08.10.2026 | 0:44 min"Im Weihnachtsgeschäft da ohne Bedenken einkaufen"
Zugleich soll wieder mehr Normalität einkehren. Die zuletzt sichtbaren Konflikte um Warenbestände und Gutscheine sollen möglichst rasch gelöst werden. "Wir können den treuen Kunden von Galeria sagen, sie können im Weihnachtsgeschäft da ohne Bedenken einkaufen", betont Kebekus.
Doch die akuten Finanzierungsfragen sind nur ein Teil des Problems. Nach der vierten Insolvenz innerhalb weniger Jahre kämpft Galeria mit strukturellen Herausforderungen. Das klassische Warenhaus verliert seit Jahrzehnten Marktanteile an spezialisierte Einzelhändler und den Onlinehandel. Gleichzeitig belasten große Verkaufsflächen, hohe Energie- und Personalkosten sowie hohe Mieten die Bilanz.
Kebekus: Warenhaus in Deutschland hat "Berechtigung"
Trotzdem glaubt Kebekus weiterhin an die Zukunft des Warenhauses. "Ich bin der festen Überzeugung, dass das Warenhaus in Deutschland (...) schon seine Berechtigung hat", sagt er. Allerdings müsse die Sanierung diesmal "sehr konservativ und auch sicherlich mit harten Einschnitten" erfolgen.
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28.05.2024 | 13:25 minEntscheidend sei die Frage, warum Kunden künftig in ein Warenhaus kommen sollten und wie sich Galeria von Online-Anbietern abgrenzen könne. Dass nicht alle Standorte gerettet werden können, hält der Insolvenzverwalter für wahrscheinlich.
Dass am Ende vermutlich nicht alle 83 Standorte fortgesetzt werden können, das wird wahrscheinlich so sein.
Frank Kebekus, Insolvenzverwalter Galeria Kaufhof
Alle bisherigen Konzepte würden nun erneut geprüft: "Wir drehen jetzt jeden Stein um und schauen uns alles an."
Ob Galeria der Neustart gelingt, ist offen. Klar ist jedoch schon jetzt: Die kommenden Monate werden darüber entscheiden, ob Deutschlands letzte große Warenhauskette noch eine Zukunft hat.
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