Was sind Turbo-Zertifikate? Fragen und Antworten zur Geldanlage

FAQ

Geldanlage in Wertpapiere:Wie funktionieren Turbo-Zertifikate?

von Svetlana Leitz

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Turbo-Zertifikate sind hochspekulative Wertpapiere. Besonders für Kleinanleger ist das Risiko groß, Geld zu verlieren. Die BaFin hat darum strengere Schutzmaßnahmen beschlossen.

ZDF-Finanzreporterin Julia Mainitz

Turbo-Zertifikate sind hochriskante Wertpapiere, die an der Börse gehandelt werden. Aufgrund des hohen Risikos für Kleinanleger treten dafür im Juni 2026 neue Regeln in Kraft.

10.04.2026 | 1:25 min

Innerhalb von Minuten an der Börse investieren: Mit Trading-Apps und Neobrokern geht das heute schnell und einfach per Smartphone. Die Wahl des geeigneten Anlageprodukts allerdings vereinfacht das nicht. Besonders bei sogenannten Turbo-Zertifikaten sollten Kleinanlegerinnen und Kleinanleger vorsichtig sein.

Was sind Turbo-Zertifikate?

Turbo-Zertifikate gehören zu den Finanzprodukten mit dem höchsten Anlagerisiko. "Sie sind deutlich gefährlicher als Aktien-ETFs und auch Einzelaktien oder Kryptowährungen", bestätigt Saidi Sulilatu, Chefredakteur beim Geldratgeber Finanztip.

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Das liegt in ihrer Funktionsweise: Ein sogenannter Hebel vervielfacht die Kursbewegungen nach oben und nach unten. Das heißt: Steigt oder fällt der Kurs, geht es für das investierte Geld im Turbomodus auf und ab. Wählt ein Anleger zum Beispiel einen Hebel von vier, wird aus einem Kursgewinn von zehn Prozent ein Plus von 40 Prozent. Klingt verlockend - gilt genauso allerdings auch für Verluste.

Dazu kommt eine "Knock-Out-Schwelle". Erreicht der Kurs den als Schwelle gewählten Wert, verfällt das Wertpapier sofort: ein Totalverlust. "In dem Moment, wo diese Knock-Out-Schwelle auch nur für eine Sekunde berührt wird, ist das Geld weg", sagt Sulilatu.

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Kann man lernen, erfolgreich in Turbo-Zertifikate zu investieren?

Finanzexperte Sulilatu verneint das: "Es ist in jedem Fall eine krasse Wette. Profis gehen solche Wetten vielleicht bewusster ein. Aber man kann auf keinen Fall behaupten, dass es da einen Lerneffekt gibt."

Wie der Anlageerfolg von Turbo-Zertifikaten in der Praxis aussieht, hat eine Studie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) über fünf Jahre untersucht. Mit eindeutigem Ergebnis: Etwa drei von vier privaten Kleinanlegern machten mit Turbo-Zertifikaten Verluste - im Durchschnitt fast 6.400 Euro. Auch vermeintlich Erfahrene mit mehr als 1.000 getätigten Transaktionen während des Untersuchungszeitraums waren nicht erfolgreicher. Im Gegenteil: Sie verloren sogar in 91 Prozent der Fälle Geld.

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Was plant die BaFin, um Kleinanleger besser zu schützen?

Aktuell können Kleinanleger in Deutschland noch ohne Beschränkungen in Turbo-Zertifikate investieren. Sie kaufen diese einfach über ihr Depot. Gängig sind Bezeichnungen wie "Knock-Out-Optionsscheine", "Wave XXL Zertifikate", "Turbo-Knock-Out" oder "Mini-Futures".

Aufgrund des hohen Risikos plant die BaFin ab Juni 2026 neue Regeln. Anbieter von Turbo-Zertifikaten müssen dann mit einem Test abfragen, wie gut Kleinanleger über die riskanten Finanzprodukte informiert sind und vor Kauf eine Risikowarnung einblenden. Außerdem dürfen sie Anreize wie Neukundenboni nicht mehr an den Kauf von Turbo-Zertifikaten knüpfen.

Sulilatu findet die Maßnahmen sinnvoll. Er hält Turbo-Zertifikate für "pure Zockerei und nichts anderes als ein Online-Casino".

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Wie kann ich Turbo-Zertifikate testen?

Wer trotzdem einmal probieren wolle, in Turbo-Zertifikate zu investieren, für den hat der Finanzexperte einen Tipp. Sulilatu empfiehlt ein gesondertes Depot "für Spielereien" zu eröffnen und höchstens kleine Beträge zu investieren. Man solle darauf gefasst sein, dass all das investierte Geld am Ende des Tages weg sein könnte.

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Welche Investments an der Börse sind besser für Kleinanleger geeignet?

Für den langfristigen Vermögensaufbau rät Sulilatu, einen Teil seines Geldes in breit gestreute, weltweit ausgerichtete Aktien-ETFs zu investieren. Als Anlagehorizont empfiehlt er mindestens 15 Jahre. So werde das Anlagerisiko verteilt und mögliche Crashs könnten ausgeglichen werden.

Der Finanzexperte warnt: "Manche Menschen fällt die Unterscheidung zwischen langfristigem, seriösem Investieren und maximaler Zockerei mit Turbo-Zertifikaten schwer. Beides ist ja nur einen Tap auf dem Handy entfernt." Sich hier ausführlich zu informieren, sei deshalb umso wichtiger.

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