Jubiläum: Als die Deutsche Börse vor 25 Jahren an die Börse ging

Vom Parkett zum Tech-Konzern:Als die Deutsche Börse vor 25 Jahren an die Börse ging

Klaus Weber

von Klaus Weber

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Vor 25 Jahren wagte die Deutsche Börse den Sprung aufs eigene Parkett. Ein Schritt, der sich insbesondere für Anleger gelohnt hat.

Während ein Besucher auf der Empore der Frankfurter Wertpapierbörse steht, zeigt die Anzeigetafel mit der Dax-Kurve einen starken Verlust an.

Vor 25 Jahren ging die Deutsche Börse selbst an den Markt. Seither entwickelt sie ihre Technologie immer weiter - heute wird der Dax dadurch sekündlich berechnet.

05.02.2026 | 0:34 min

Zockerbude oder Spielcasino sind häufig verwendete Begriffe, wenn es um die Börse geht. Andere wiederum sehen in ihr das Herzstück des Finanzplatzes.

Wie auch immer man zu ihr steht: Die Deutsche Börse in Frankfurt ist vor allem eines - ein sehr erfolgreiches Unternehmen. Und das hat ganz explizit mit dem eigenen Gang an die Börse - dem sogenannten Initial Public Offering, kurz IPO - vor 25 Jahren zu tun.

Extreme Gewinnspanne für Anleger

"Nicht zuletzt aufgrund einer 2.000-prozentigen Gesamtrendite seit dem IPO im Jahre 2001 werten wir den Börsengang der Deutschen Börse als Erfolg", sagt etwa Benjamin Goy, der bei der Deutschen Bank europäische Finanzaktien analysiert.

Die Bronzefiguren von Bulle (r) und Bär, Symbole für den Börsenauf- und abschwung, stehen auf dem Platz vor der Börse.

Die Konjunktur kam 2025 nur schleppend voran – doch an der Frankfurter Börse legte der Dax über das Jahr kräftig zu.

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Für Anleger war es also äußerst rentabel, in die Wertpapiere der Deutschen Börse zu investieren. Aber auch das Unternehmen profitierte enorm.

Deutsche Börse mit internationaler Ausrichtung

Zunächst spülte der Börsengang jede Menge Geld in die Kassen. So wurde aus einem eher regionalen Unternehmen ein weltweit tätiger Konzern mit 16.000 Mitarbeitern - davon etwa 4.000 in Deutschland.

Auch die Aktionärsstruktur änderte sich. Waren früher in erster Linie deutsche Banken Haupteigentümer, brachte der Börsengang immense internationale Aufmerksamkeit.

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Mit einem Schlag waren Investoren aus aller Welt an der Deutschen Börse beteiligt. Diese internationale Ausrichtung brachte nicht nur Kapital, sondern änderte das gesamte Geschäftsmodell.

Vom Parketthandel zum elektronischen Handelssystem

Eine entscheidende Rolle spielte der Parketthandel. Dieser war zu Beginn des Jahrtausends üblich und prägt das Bild vom Handel mit Aktien bis heute. Eine Vielzahl von wuseligen Händlern verkaufte dort - untermalt von einer Art Geheimsprache und lautem Gebrüll - Aktien von einem zum anderen weiter. Lustig anzusehen, aber alles andere als effektiv.

An die Stelle des wuseligen Parketthandels trat deshalb ein elektronisches Handelssystem mit dem sperrigen Namen Xetra. Geboren war die Cashcow der Deutschen Börse. Plötzlich waren Verkäufe und Käufe per Mausklick möglich, in riesigen Mengen, effizient und in Echtzeit. Und an jedem Klick verdiente die Börse mit - der berühmte Gamechanger.

Durch dessen Erfolg konnte man viele weitere Geschäftsfelder entwickeln. Im Prinzip ist die Börse inzwischen ein international tätiger Technologiekonzern, wie Benjamin Goy erklärt:

Das Unternehmen hat sich über die vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte von einer auf den Aktienhandel fokussierten Börse zu einem diversifizierten Kapitalmarkt-Infrastrukturanbieter gewandelt.

Benjamin Goy, Analyst bei der Deutschen Bank

Deutsche Börse ein Zwerg unter Riesen

Doch genau hier liegt auch eine große Schwäche der Deutschen Börse: Weltweit tätig ist sie zwar, aber immer noch zu klein. Zahlreiche Übernahme- und Fusionsversuche scheiterten teilweise kläglich. Auch deshalb blieb man gegenüber den US-Börsen Nasdaq und NYSE, aber auch den chinesischen Börsen nur ein Zwerg.

Doch selbst in Europa ist man hinter der Gemeinschaftsbörse Euronext, zu der etwa die Finanzplätze Amsterdam und Paris gehören, sowie der Börse in London nur die Nummer drei. Das hat zur Folge, dass große Unternehmen häufig lieber in New York an die Börse gehen als in Frankfurt - mehr als nur ein Prestigeverlust für den Finanzplatz.

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Denn im Prinzip lebt eine Börse von den Kapitalgebern und den Unternehmen, die sich einen Wettbewerb um dieses Kapital liefern. Deshalb gehen sie an die Börse, welche die meiste Aufmerksamkeit und damit Nachfrage verspricht. Hier hat die Deutsche Börse eine strukturelle Schwäche, die man so schnell nicht beheben kann.

Altersvorsorge als Chance für die weitere Entwicklung

Dafür gibt es von anderer - bislang kaum gekannter Stelle - positive Nachrichten für die Börse. Es gibt immer mehr Aktionäre in Deutschland. Vor allem junge Leute treiben diese Entwicklung an. 14 Millionen Menschen sparen mittlerweile direkt mit Aktien oder über Fonds. Ein Rekord.

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Deshalb sieht Benjamin Goy in der Deutschen Börse als Herz des deutschen Aktien- und Kapitalmarkts "eine Bedeutung, die durch den ansteigenden privaten Vorsorgebedarf noch weiter wachsen dürfte".

Der Bundeskanzler will die Zahl der Aktionäre bis zum Ende der Legislaturperiode sogar verdoppeln. Auf 28 Millionen in drei Jahren - ambitioniert. Aber in der Zockerbude, dem Herzen des Finanzplatzes, wird man das gern gehört haben.

Klaus Weber ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Deutsche Börse: Seit 25 Jahren im Wandel" am 05.02.2026 um 07:14 Uhr.

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