Rekord bei Teilzeit: Langfristiges Problem für die Wirtschaft?

Arbeitszeit in Deutschland sinkt:Teilzeit auf Rekordhoch: Warum das die Wirtschaft belastet

Frank Bethmann ist zu sehen.

von Frank Bethmann

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In Deutschland sind rund 46 Millionen Menschen berufstätig und trotzdem fehlt es an Arbeitskräften. Auch, weil viele in Teilzeit arbeiten. Das kann langfristig zum Problem werden.

Eine Stellenanzeige für eineTeilzeitbeschäftigung

Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten in Deutschland steigt weiter an. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Während Pflegeheime, Kitas, Handwerk und viele Dienstleistungsbereiche Personal suchen, bauen Unternehmen in der Industrie Arbeitsplätze ab. Und dabei verschwinden vielfach Vollzeitstellen. Der Arbeitsmarkt erlebt damit zwei Entwicklungen gleichzeitig: In einigen Bereichen werden Beschäftigte dringend gesucht, in anderen wird Vollzeit-Beschäftigung reduziert.

Teilzeit auf Rekordhoch

Das verändert den Blick auf die viel diskutierte Teilzeitquote, die inzwischen laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung auf über 40 Prozent oder fast 17 Millionen Menschen gestiegen ist. Fallen Vollzeitstellen weg, kann der Anteil der Teilzeitbeschäftigten auch deshalb steigen, weil sich die Struktur der Beschäftigung verschiebt. Der Rekord bei der Teilzeit ist also nicht allein eine Geschichte von Menschen, die freiwillig weniger arbeiten.

SGS Zimmermann Bethmann

Fast 17 Millionen Menschen arbeiten in Teilzeit. Sie sei „immer noch sehr mit der Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen verbunden“, sagt ZDF-Wirtschaftsexperte Bethmann.

01.09.2026 | 1:43 min

Volkswirtschaftlich ist dabei vor allem eine Frage relevant: Wie viele Arbeitsstunden stehen der deutschen Wirtschaft tatsächlich zur Verfügung? Genau hier liegt das Problem: Die Zahl der Erwerbstätigen liegt mit knapp 45,7 Millionen noch immer in Rekordnähe, doch die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden kann damit nicht Schritt halten.

  • 2025 haben jede zweite Frau und jeder siebte Mann in Teilzeit gearbeitet.
  • 2025 betrug die tatsächlich geleistete Wochenarbeitszeit der 20- bis 64-jährigen Erwerbstätigen im Hauptjob in Deutschland durchschnittlich 33,9 Stunden. In der EU waren es 35,9 Stunden.
  • Im zweiten Quartal 2026 arbeiteten 16,94 Millionen Menschen in Deutschland in Teilzeit und damit 40,3 Prozent - ein neuer Höchstwert.

(Quellen: Statistisches Bundesamt, Eurostat, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung)

Eine junge lehrerin schreibt an eine schultafel im mathematikunterricht.

Die Personalplanung an Schulen wird immer schwieriger. Noch nie haben so viele Lehrkräfte in Teilzeit gearbeitet. Im Schuljahr 24/25 waren es 43,9 Prozent.

08.07.2026 | 1:32 min

Kindererziehung und Pflege begünstigen Teilzeit

Die Gründe für den Boom der Teilzeit sind vielfältig. Kinderbetreuung und Pflege spielen eine wichtige Rolle. Beides wird häufig von Frauen geleistet, die aber gleichzeitig auch noch einen Erwerbsjob haben - meist in Teilzeit.

Für Katharina Wrohlich vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ist der Anstieg der Erwerbsbeteiligung von Frauen Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels:

Das gesellschaftliche Familien-Leitbild hat sich in (West-)Deutschland vom Familienernährer-Modell zu einem Zuverdiener-Modell verändert.

Prof. Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Also weg von der Vorstellung "Vater arbeitet Vollzeit, Mutter ist Hausfrau" hin zu "Vater arbeitet Vollzeit, Mutter arbeitet zusätzlich in Teilzeit", so Wrohlich weiter.

Florian Weiss am "Volle Kanne"-Pult und Enzo Weber zugeschaltet.

Immer mehr Menschen wollen in Teilzeit arbeiten. Professor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erklärt die Hintergründe und wie politisch darauf reagiert werden sollte.

04.06.2026 | 5:39 min

Work-Life-Balance: Viele arbeiten bewusst weniger

Neben familiären Aspekten wie Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen ist die Work-Life-Balance ein häufiger Grund für Teilzeitbeschäftigung. Arbeit ist für viele Menschen nicht mehr automatisch der Mittelpunkt des Lebens. Zeit für Familie, Reisen, Freizeit und persönliche Interessen gewinnt an Bedeutung.

Für den Einzelnen ist das eine nachvollziehbare und oft attraktive Entscheidung. Volkswirtschaftlich, gerade für eine alternde Gesellschaft, bei der künftig immer mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden, könne die Summe dieser Entscheidungen allerdings zum strukturellen Wachstumsproblem werden, sagt Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft:

Wir können Wohlstandsverluste durch den demografischen Wandel nur verhindern, wenn der Einzelne mehr arbeitet.

Holger Schäfer, Senior Economist für Arbeitsmarktökonomik beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Ein roter Kugelschreiber liegt auf einer Teilzeitvereinbarung sowie einem Arbeitsvertrag

Der Trend zur Teilzeit in Deutschland hält an: Im vergangenen Jahr erreichte die Teilzeitquote unter abhängig Beschäftigten mit 31,9 Prozent einen Höchststand.

27.05.2026 | 0:29 min

Vollzeit kann nicht erzwungen werden

Die am niedrigsten hängende Frucht dabei sei, so Schäfer, ein verstärkter Übergang von Teilzeit zu Vollzeit, was sich allerdings nicht verordnen ließe. Die Aufgabe der Politik sei es, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Mehrarbeit attraktiv sei, so der Ökonom.

In die gleiche Richtung argumentiert Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung:

Nicht die Vier-, Fünf- oder Sechs-Tage-Woche ist das beste Modell, sondern die X-Tage-Woche, also die Wahlarbeitszeit, die im Lebenslauf angepasst werden kann.

Prof. Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs "Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen" am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Sina Mainitz an einem Tisch mit dem Schriftzug "1. weniger Geld im Alter" eingeblendet

Immer mehr Menschen wollen in Teilzeit arbeiten: Stichwort Work-Life-Balance. Was bedeutet das finanziell? Wie wirkt sich das auf die Rente aus? ZDF-Finanzexpertin Sina Mainitz klärt auf.

04.06.2026 | 2:04 min

Kann sich die Gesellschaft sinkende Arbeitszeiten leisten?

Noch wichtiger als "mehr Arbeiten", so Weber, sei aber etwas anderes: "Was wir uns tatsächlich nicht leisten können, ist ein dauerhaft schwaches Produktivitätswachstum." Deutschland könne nicht gleichzeitig weniger arbeiten, früher in Rente gehen, eine alternde Gesellschaft finanzieren bei dauerhaft schwächerer Leistungsfähigkeit.

Das wiederum bedeutet: Volkswirtschaftlich wird ein geringeres Arbeitsvolumen nur dann bezahlbar bleiben, wenn jede Arbeitsstunde produktiver wird.

Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

bvg

Teilzeitrecht und tägliche Höchstarbeitszeit stehen zur Debatte. Wie viel arbeiten Menschen wirklich - und wünschen sie sich mehr Flexibilität?

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Das ZDF berichtet über das Themen in mehreren Sendungen, zuletzt etwa im heute journal update am 30.09.2026 ab 00:00 Uhr.

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