Strompreis unter null: Wie Smart Meter Verbrauchern helfen können

Gratis-Börsenstrom durch Smart Meter?:So könnten Verbraucher beim Strom profitieren

von Hans Koberstein

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Die Strompreise an der Börse sanken mehrere Tage hintereinander auf null Euro und weniger. Verbraucher könnten davon profitieren. Doch es gibt ein Problem.

Windkraftanlagen stehen hinter einer Solarstrom-Freiflächenanlage im Solarpark Klixbuell (Schleswig-Holstein), aufgenommen am 7.02.2019

Die Börsenpreise für Strom sinken oft auf null, wenn viel Sonnen- und Windstrom ins Netz eingespeist wird. Von den niedrigen Preisen könnten auch Haushalte mit flexiblen Stromtarifen profitieren.

28.04.2026 | 8:36 min

Deutschland steckt mitten in einer Energiekrise mit Rekordpreisen an den Tankstellen. Gleichzeitig passiert an der Strombörse das genaue Gegenteil: Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit sanken die Strompreise zuletzt gleich mehrere Tage hintereinander auf null Euro.

Grund dafür ist der Ausbau von Windrädern und Photovoltaik-Anlagen. Der viele Ökostrom drückt die Börsenpreise, sie rutschen stundenweise sogar unter die Null Euro-Marke. Dann bekommt der Käufer neben Gratisstrom auch noch Geld, beschreibt Kora Töpfer von der Europäischen Strombörse EPEX Spot:

Es mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, wenn ich bezahlt werde, Strom abzunehmen. Denn im Supermarkt, in dem ich meinen Einkauf mache, werde ich ja auch nicht dafür bezahlt, wenn ich Nudeln oder Reis kaufe.

Kora Töpfer, Europäische Strombörse EPEX Spot

Energiekonzerne profitieren

Können sich einfache Verbraucher dann den Strom mit Bargeld obendrauf auch von der Börse holen? Töpfer winkt ab: "Die Börse ist ein Großhandelsmarkt", erklärt sie. Dort handeln vor allem die Energiekonzerne und profitieren von den niedrigen Preisen.

Helene Reiner (v.)Dunja Hayali (l.) Marietta Slomka (r.) und Christian Sievers (h.) in "heute journal - der Podcast"

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23.04.2026 | 31:22 min

Profitieren könnten auch die Haushalte. Wenn sie ihren Stromverbrauch auf die günstigen Zeiten verschieben können und einen dynamischen Stromtarif haben. Dafür brauchen sie einen Smart Meter, also einen intelligenten Stromzähler. Der misst den Verbrauch stündlich und meldet ihn für die Abrechnung weiter. Doch bei der digitalen Technik fangen die Probleme in Deutschland an.

Beim deutschen Smart Meter fangen die Probleme an

Andere europäische Länder haben die intelligenten Zähler längst in allen Haushalten installiert: Spanien, Portugal, Italien, Schweden - die Liste ist lang. Und Deutschland? Hierzulande haben erst 5,5 Prozent aller Haushalte einen Smart Meter.

Smart Meter Rollout in Europa

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"Jämmerlich", urteilt Robert Busch vom Bundesverband der Neuen Energiewirtschaft.

In Deutschland haben wir das wie so oft in so vielen Dingen sehr bürokratisch, sehr teuer, sehr kompliziert, sehr sicher, Datenschutz, Datensicherheit, alles auf allerhöchstem Niveau gemacht.

Robert Busch, Bundesverband Neue Energiewirtschaft

Und selbst wenn ein Smart Meter installiert ist, gebe es Probleme, sagt Busch. In 20 Prozent aller Fälle würden die intelligenten Zähler nicht das tun, was sie tun sollten. Busch zählt die wichtigsten Gründe auf: Probleme bei der digitalen Datenübertragung, bei der Funkübertragung sowie Software-Probleme.

Photovoltaikanlage

Viele Verbraucher wollen unabhängiger von teurer, fossiler Energie werden. In Ilmenau zeigt ein Workshop, wie man selbst eine Photovoltaikanlage baut und damit eigenen, nachhaltigen Solarstrom erzeugt.

29.04.2026 | 1:43 min

Digitale Warteschleife

Benjamin Ewald in Garmisch-Partenkirchen gehört zu den wenigen in Deutschland, die schon einen Smart Meter haben. Der Handwerksmeister pendelt täglich 120 Kilometer mit seinem Elektroauto, kann an seiner heimischen Wallbox laden und will mit einem dynamischen Stromtarif seine Kosten senken.

Ich würde gerne, und habe das auch schon seit über einem Jahr in die Wege geleitet, bin allerdings bisher in der Warteschleife.

Benjamin Ewald, Handwerksmeister

Zuletzt war ein Software-Update das Problem. Die örtlichen Gemeindewerke erklären, dass sie nicht glücklich damit seien, wie in Deutschland der Einbau von Smart Metern läuft. Es werde "noch viele Software-Updates geben, bis alles reibungslos läuft", heißt es von den Gemeindewerken auf Anfrage von ZDF frontal.

Auch die zuständige Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ist nicht zufrieden mit dem schleppenden Einbau von Smart Metern in Deutschland. Man arbeite bereits an einer Gesetzesnovelle, lässt ihr Ministerium auf Nachfrage von ZDF frontal erklären.

"Es muss auf jeden Fall schneller gehen", fordert Benjamin Ewald und schaut auf seiner App nach dem aktuellen Börsenpreis für Strom: Der ist wieder einmal negativ.

Flaggen der EU sind zu sehen.

Die deutsche Industrie darf mit einem vergünstigten Strompreis unterstützt werden. Die Hilfen in Höhe von 3,8 Milliarden Euro sollen energieintensive Unternehmen entlasten.

16.04.2026 | 0:28 min

Über dieses Thema berichtete ZDF frontal am 28.04.2026 ab 21 Uhr.

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