Spielwarenmesse Nürnberg eröffnet:Branche zwischen Technikboom und hartem Druck
von Peter Aumeier
Auf der weltgrößten Messe für Spielwaren sorgen technische Neuheiten für Aufmerksamkeit. Gleichzeitig stehen viele Hersteller unter hohem Kostendruck - auch wegen billiger Importe.
Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg stehen viele Neuheiten im Vordergrund: Besonders Technologien mit KI sind der neue Trend. Das stößt aber nicht bei allen auf Begeisterung.
27.01.2026 | 2:01 minInteraktive Bausteine mit Sensoren, sprechende Plüschtiere, KI-gestützte Lernsysteme - Künstliche Intelligenz ist das Zauberwort auf der 75. Spielwarenmesse in Nürnberg. Dabei inszeniert die Branche KI als Trend des Jahres. Die 2.313 Aussteller präsentieren sich von Dienstag an so technikaffin wie nie. Der Vorstandssprecher der Spielwarenmesse, Christian Ulrich, gibt sich optimistisch:
KI im Kinderzimmer bringt ein bisschen mehr Spannung und Abwechslung in die Spiele.
Christian Ulrich, Spielwarenmesse Nürnberg
"Denn die Inhalte können sich dynamisch an das Alter der Kinder anpassen, an das Lerntempo, an die Interessen der Kinder", so Ulrich weiter.
... ist die weltgrößte Fachmesse für Spielwaren
... präsentiert rund eine Million Produkte
... lockte in den vergangenen Jahren rund 57000 Fachbesucher aus 125 Ländern
... ist vom 27. bis 31. Januar geöffnet
KI fürs Kinderzimmer: Unausgereift?
Diese Begeisterung wird nicht von allen geteilt. Informatik-Professor Thomas Voit, der an der Technischen Hochschule Nürnberg seit Jahren zum Thema KI und Spiele forscht, ist in seiner Einschätzung deutlich nüchterner: "Ich bin da sehr skeptisch, weil gerade die neuen generativen KI-Technologien meiner Meinung nach noch zu unausgereift sind, um sie Kindern vorzusetzen."
KI hält Einzug ins Kinderzimmer - zu sehen auf der Spielwarenmesse in Nürnberg. Doch neben neuen Spielideen geht es auch um Sicherheit und den Preisdruck durch billige Online‑Importe.
27.01.2026 | 2:36 minNach Voits Einschätzung hat die Branche noch nicht genug verstanden, an welchen Stellen sie KI sinnvoll einsetzen kann:
Spielen ist vor allem eine soziale Tätigkeit, die Menschen mit anderen Menschen verbindet.
Prof. Thomas Voit, Technische Hochschule Nürnberg
Große Potenziale sieht er weniger beim Spielzeug selbst, sondern bei der Entwicklung von Spielen und Spielzeug mit Hilfe von KI.
Kreative Achtsamkeit soll Fantasie stärken
Ein weiterer Trend auf dieser Leitmesse rund um das Spielen kommt bekannt vor: "Creative Mindfulness", kreative Achtsamkeit nennen die Messemacher diese Art des Spiels. Ein Gegenpol zur digitalen Spielewelt, ein bewusstes Erleben von Kreativität und Handwerk und zugleich ein Raum für Entspannung und Inspiration. Kinder sollen dabei in die Welt der Farben und Materialien eintauchen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
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04.07.2025 | 3:25 minZu diesem Trend passt der fränkische Traditions-Aussteller Feuchtmann, der sich schon seit Jahrzehnten auf der Nürnberger Spielwarenmesse präsentiert: mit farbenfroher Knete, Fingerfarben oder Stecksteinen. Während die Industrie über die richtige Dosis KI ringt, kämpft Ulrich Feuchtmann mit seinem Familienunternehmen ums wirtschaftliche Überleben.
Gefahr durch Produkte aus Billigshops?
Das Familienunternehmen steht für geprüfte, sichere und nachhaltige Produkte - aber genau das wird zum Problem, sobald es gegen Dumpingangebote der Plattformen Temu und Shein geht. Dort kostet eine Knetmasse aus Fernost deutlich weniger als ein geprüftes deutsches Produkt. Für viele Käufer wirkt der Preisunterschied verlockend.
Doch Ulrich Feuchtmann rät dringend von diesen Produkten ab: "Die Ware, die optisch aussieht, als wäre sie in Ordnung, birgt natürlich im Inneren die Geheimnisse und da sind dann Borsäure, wirklich teilweise gefährliche Produkte in den Knetmassen oder Farben verwendet."
Die EU erhöht die Importkosten für Billigwaren: Ab Juli 2026 wird für jedes Paket unter 150 Euro eine Abgabe von drei Euro fällig - besonders spürbar für Plattformen wie Temu.
12.12.2025 | 0:18 minUntersuchungen des Deutschen Verbandes der Spielwarenindustrie (DVSI) zeigen einen dramatischen Unterschied bei der Sicherheit: In der jüngsten europaweiten Mystery-Shopping-Studie entsprachen 96 Prozent der getesteten Spielzeuge aus Drittstaaten nicht den EU-Vorgaben, 86 Prozent wiesen gravierende Sicherheitsmängel auf. Dabei wurden testweise Produkte bestellt und anschließend untersucht. Auch wenn die Studie nicht als repräsentativ gelten kann, zeigt sie: viele der ungetesteten Produkte können ein Risiko im Kinderzimmer darstellen.
Digitaler Produktpass für mehr Sicherheit
Die Branche fordert deshalb entschlossene politische Eingriffe. Zum 1. Januar dieses Jahres trat zwar eine neue und deutliche strengere EU-Verordnung zur Spielzeugsicherheit in Kraft. Doch volle Wirkung wird sie erst 2030 entfalten, weil Übergangsfristen gelten. Durch die neue Verordnung bekommt jedes Spielzeug einen digitalen Produktpass mit zentralen Sicherheits- und Kontaktdaten. Ohne diesen Pass darf künftig kein Produkt mehr den Zoll passieren.
Peter Aumeier ist Redakteur im ZDF-Landesstudio Bayern.
Ab 2030 gilt: Jedes in der EU verkaufte Spielzeug muss einen digitalen Produktpass mit Sicherheitsinformationen haben. Zudem wird die Liste der verbotenen Chemikalien erweitert.
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