Rechtsanspruch für Erstklässler ab Herbst:Grundschulen sehen Hürden bei Ganztagsbetreuung
Jede vierte Schulleitung beklagt, dass sie keine Ganztagsbetreuung für Erstklässler sicherstellen kann. Dabei gibt es dafür ab dem neuen Schuljahr eigentlich einen Rechtsanspruch.
Viele Schulen befürchten, dass sie das Recht auf Ganztagsbetreuung nicht voll umsetzen können.
23.01.2026 | 0:23 minZum neuen Schuljahr ab diesem Herbst wird in Deutschland schrittweise ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen eingeführt.
Jedoch gehen derzeit nur zwei Drittel der Schulleitungen von Grundschulen davon aus, dass ihre Schule für alle Kinder, die im Schuljahr 2026/27 eingeschult werden, ein solches Angebot auf Ganztagsbetreuung gewährleisten kann. Das ergab eine am Freitag veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE).
Jede vierte Schulleitung kann Betreuung nicht sicherstellen
Demnach antworteten 67 Prozent der dort befragten Schulleitungen einer Grundschule, dass ihre Schule für alle neu eingeschulten Kinder in diesem Jahr eine Ganztagsbetreuung anbieten kann. Demgegenüber gaben 25 Prozent an, dass bis dahin die Betreuung von der Kommune nicht sichergestellt werden könne. Acht Prozent trauten sich keine Einschätzung zu.
Die neue CDU-Bildungsministerin Prien will Fördergelder für Ganztagsangebote an Grundschulen länger laufen lassen als bislang geplant. Aus der Opposition kommt aber Kritik.
22.05.2025 | 1:31 min"Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung kann zum momentanen Zeitpunkt nicht überall eingelöst werden", fasste VBE-Chef Tomi Neckov die Ergebnisse zusammen.
Wenn der Rechtsanspruch zum Schuljahr 2026/2027 umgesetzt wird, drohen auch herbe Probleme mit der Qualität des Angebots.
VBE-Chef Tomi Neckov über die Ganztagsbetreuung
VBE-Chef: "Am Ende wird nur die Verwahrung von Kindern zugesichert"
"Zudem sehen wir eine Gefahr für die Bildungsgerechtigkeit und logistische Herausforderungen." Zwar sehe die Gewerkschaft "die Bemühungen der Kommunen und die positive Entwicklung" - in vorherigen Umfragen waren noch weniger Schulleitungen von einem funktionierenden Ganztagsangebot ab Herbst ausgegangen.
"Das ist ein Notruf", warnt die Bundesschülerkonferenz - immer mehr Kinder brechen psychisch ein. Selbst ein Wirtschaftsinstitut mahnt: Untätigkeit wird für alle teuer.
30.10.2025 | 1:39 minTrotzdem blieben "immense Herausforderungen", denn es gehe darum, wer in welchen Räumen die professionelle Beschulung und Betreuung der Kinder übernehme. "Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung suggeriert pädagogische Angebote, aber am Ende wird nur die Verwahrung von Kindern zugesichert", beklagte Neckov.
Fehlende Räume, fehlendes Personal, fehlende finanzielle Mittel
Schulleitungen, die angeben, dass kein ausreichendes Angebot vorgehalten werden kann, benennen als größte Herausforderungen bei der Umsetzung des Rechtsanspruchs fehlende Räume (74 Prozent) und fehlendes Fachpersonal (67 Prozent), wie der VBE ausführte.
Wegen eines Softwarefehlers wurden in Baden-Württemberg 1.440 Stellen für Lehrer als besetzt ausgewiesen, obwohl sie es nicht waren. Der Fehler besteht offenbar schon seit 2005.
16.07.2025 | 1:47 minDie Hälfte der Schulleitungen gab zudem an, dass finanzielle Mittel fehlten, ein Drittel sieht bürokratische Hürden und unklare Regelungen als Grund.
Für die Studie wurden zwischen Mitte September und Mitte Oktober bundesweit 1.312 Schulleitungen befragt, darunter waren auch Leitungen weiterführender Schulen sowie von Förder- und Sonderschulen.
Mehr zur Schulbildung in Deutschland
Steuerentlastung für Unternehmen:Investitionspaket: Länder fordern Ausgleich
mit Video1:49Schulbeginn nach den Ferien:Teures Schulmaterial setzt Eltern unter Druck
Video1:13IT-Panne in Baden-Württemberg:1.440 Lehrerstellen irrtümlich nicht besetzt
mit Video1:47