Auftragsminus im Januar:Deutsche Unternehmen drosseln Produktion überraschend
Die deutsche Industrieproduktion ist - entgegen der Erwartungen - zu Jahresbeginn gesunken. Und auch die Aufträge brachen im Januar stark ein, wie das Statistische Bundesamt.
Zum Jahresstart haben deutsche Unternehmen ihre Produktion gedrosselt: Industrie, Bau und Energieversorger erzeugten 0,5 Prozent weniger als im Vormonat. Ökonomen hatten einen Anstieg erwartet.
09.03.2026 | 0:25 minDeutsche Industrie-Unternehmen sind mit einem doppelten Rückschlag ins Jahr gestartet: Ihre Aufträge brachen im Januar so stark ein wie seit zwei Jahren nicht mehr, während die Produktion den zweiten Monat in Folge gedrosselt wurde.
Industrie, Bau und Energieversorger stellten im Januar zusammen 0,5 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Industrie allein stellte im Januar 2,5 Prozent weniger her als im Vormonat. Sie hatte in den letzten Monaten des vergangenen Jahres deutlich mehr Neuaufträge an Land gezogen, begünstigt zuletzt auch durch große staatliche Bestellungen für die Aufrüstung.
Die Hersteller von Metallerzeugnissen fuhren ihre Produktion mit minus 12,4 Prozent besonders stark herunter. Deutliche Rückgänge gab es auch in der Pharmaindustrie (-11,9 Prozent) und bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (-6,8 Prozent).
Deutsche Industrie: Auftragseingang sinkt um 11 Prozent
Das Neugeschäft schrumpfte im Januar um 11,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Bundesamt weiter mitteilte. Damit endete eine Serie von vier Anstiegen in Folge, zu denen staatliche Großaufträge für Rüstung und Infrastruktur beitrugen. In der Mitteilung des Bundesamts hieß es dazu:
Nach dem sehr hohen Volumen an Großaufträgen im Dezember 2025 haben sich die Auftragseingänge im Januar 2026 in mehreren Branchen des Verarbeitenden Gewerbes wieder normalisiert.
Statistisches Bundesamt
Im Dezember noch wurde in der deutschen Industrie ein überraschendes Auftragsplus vermeldet. Im Dezember wuchsen die Aufträge so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr, auch durch eine Reihe von Großaufträgen.
05.02.2026 | 0:28 minFehlende Großaufträge und schwache Inlandsnachfrage bremsen
Im Dezember hatte es mit 6,4 Prozent noch ein kräftiges Plus gegeben. Klammert man Großbestellungen aus, lagen die Aufträge zum Jahresstart nur leicht mit 0,4 Prozent im Minus.
"Zuletzt waren viele Großaufträge vergeben worden, die jetzt fehlen", erklärte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank.
Der Rückgang war erwartbar, er ist vom Ausmaß her ein Schock.
Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank
ZDFheute Infografik
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Während die Nachfrage aus dem Inland im Januar um 16,2 Prozent zum Vormonat einbrach, sank die aus dem Ausland um 7,1 Prozent. Dabei fiel die Nachfrage aus der Euro-Zone um 7,3 Prozent, die aus dem Rest der Welt sank um 7,1 Prozent.
Auftragslage: Metallindustrie besonders betroffen
Besonders wenige Aufträge gingen in der Herstellung von Metallerzeugnissen ein. Nach einem Plus von 29,7 Prozent im Dezember sank der Auftragseingang im Januar um 39,4 Prozent. Im Maschinenbau und in der Metallerzeugung und -bearbeitung liegen die Auftragsrückgänge bei knapp über beziehungsweise unter zehn Prozent.
Der Automobilbranche in Deutschland geht es nicht gut. Im letzten Jahr sind rund 50.000 Stellen weggefallen. Das bereitet auch dem Nachwuchs Sorgen wegen fehlender künftiger Arbeitsplätze.
05.03.2026 | 3:27 minAutoindustrie und Sonstiger Fahrzeugbau, der Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge produziert, verzeichnen dagegen im Januar eine bessere Auftragslage als im Dezember.
Staatliche Programme könnten Industrie wieder stabilisieren
"Die Industriekonjunktur hat sich damit zu Jahresbeginn sowohl nachfrage- als auch produktionsseitig spürbar abgeschwächt", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. An der moderaten Belebung der Auftragslage ändere sich zunächst nichts.
Anfang März hat die EU-Kommission das sogenannte Industrie-Beschleunigungsgesetz vorgestellt, das als Schlüsselmaßnahme zur Stärkung der europäischen Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit gilt.
04.03.2026 | 2:45 minDas Fiskalpaket der Bundesregierung dürfte auch in den nächsten Monaten für Impulse sorgen. "Die volleren Auftragsbücher sollten die Produktion über kurz oder lang steigern", sagte der Analyst.
Der Funke muss aber auf Kapazitäten und Beschäftigung erst noch überspringen.
Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank
Krieg im Nahen Osten treibt Energiepreise
Das Bundeswirtschaftsministerium befürchtet infolge des Iran-Kriegs weitere Rückschläge. Wegen der auf den Weltmärkten gestiegenen Gas- und Ölpreise sei "das Risiko für einen Rückschlag bei der erwarteten Erholung der Industriekonjunktur deutlich gestiegen". Der Ölpreis ist zu Wochenbeginn über die Marke von 100 Dollar je Barrel gestiegen.
Die geopolitische Lage spiegelt sich in Deutschland auch an den Zapfsäulen wider. Die ölverarbeitenden Industriebetriebe suchen Möglichkeiten, um mit der Krise umzugehen.
07.03.2026 | 1:34 min"Die gute Nachricht ist: Die aktuellen Entwicklungen in Nahost tangieren das Rüstungs- und Infrastrukturprogramm der Bundesregierung nicht", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Die öffentliche Hand wird weiterhin die Privatwirtschaft mit Aufträgen versorgen." Damit könne die deutsche Wirtschaft zumindest in Teilen eine gewisse Widerstandsfähigkeit an den Tag legen.
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