PFAS: Vorgehen der Teppichindustrie erinnert an Umgang mit Asbest

Verwendung trotz Gesundheitsgefahr:PFAS in Teppichen: Das unsichtbare Gift

von Rebecca Ricker

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Obwohl die gesundheitsschädigende Wirkung bekannt war, verwendete die Teppichindustrie PFAS-Chemikalien noch jahrzehntelang. Die Geschichte erinnert an den Umgang mit Asbest.

PFAS-Test

Geruchlos, farblos, hochgiftig und langlebig: sogenannte PFAS-Chemikalien. Das Trinkwasser im US-Bundesstaat Georgia ist stark belastet - und hat viele Anwohner schwer krank gemacht.

10.09.2026 | 44:46 min

Der Umgang mit PFAS erinnert an Asbest: Asbest galt als Wundermaterial. Es kann dämmen, ist elastisch, man kann es leicht verarbeiten und es brennt nicht. Ab 1930 wurde es eingesetzt. Ob als Dichtung, Bremsbelag beim Auto oder für den Hausbau: Asbest wurde bald so viel verwendet wie kaum ein anderer Werkstoff.

Doch Asbest erzeugt Krebs. Asbest ist ein Werkstoff aus faserförmigen Silikatmineralien. Wenn Fasern freigesetzt werden und man diese einatmet, bleiben sie in der Lunge und können das Gewebe reizen. Die Asbestose, eine Lungenverhärtung, wurde schon 1936 als Berufskrankheit anerkannt. Trotzdem wurde in Deutschland erst 1993 verboten, Asbest herzustellen oder es zu verwenden. In der EU gilt das umfassende Verbot erst seit 2005.

Eine Hand mit blauem Plastik-Handschuh, die mit einem Glaskolben Wasser aus einem Gewässer entnimmt.

Sie sind in Pfannen, Regenjacken oder Verpackungen und letztlich auch im Wasser: Sogenannte gesundheitsschädliche Ewigkeitschemikalien. In Belgien ist das Problem besonders groß.

15.10.2025 | 5:51 min

Geschichte von Asbest wiederholt sich bei PFAS

Diese Geschichte scheint sich mit PFAS zu wiederholen: PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylverbindungen. Die Chemikalien sind nützlich für die Industrie, denn sie weisen Schmutz ab. Ob bei Regenjacken, Schuhen oder Teflonpfannen: Seit den 1960er-Jahren kommen die Stoffe ständig zur Anwendung. Besonders in der Teppichherstellung sind sie weltweit beliebt.

PFAS-Chemikalien waren ab den 1970er-Jahren aus der Teppichherstellung kaum mehr wegzudenken.

Steve Amter, US-amerikanischer Umweltwissenschaftler

Doch früh zeigten sich Probleme, sagt der US-amerikanische Umweltanwalt Robert Bilott in der ZDFinfo-Doku "Giftige Teppiche - Gefahr durch PFAS": "In den 1950er- und 60er-Jahren wurde den Chemiefirmen klar, dass sich dieses Zeug in der Umwelt nicht abbaut." Also untersuchten die Unternehmen die Wirkungen von PFAS auf Tiere. Das Ergebnis: PFAS ist extrem toxisch für Mäuse, Hunde und Affen.

Die Tiere sind tot umgefallen nach Kontakt mit den ursprünglichen PFAS, die sie damals hergestellt haben.

Robert Bilott, US-amerikanischer Umweltanwalt

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PFAS sind in aller Munde - sogar buchstäblich. Die sogenannten Ewigkeitschemikalien sind längst überall, sogar in unserem Blut. Wäre ein umfassendes Verbot die einzig sinnvolle Konsequenz?

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Studien belegen Gesundheitsschäden durch PFAS

Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Erkrankungen und Chemikalien war schwer nachzuweisen, gerade bei PFAS-Chemikalien: Es gibt Tausende unterschiedliche Verbindungen. Viele von ihnen sind kaum erforscht.

Dennoch wurde bald klar: Hohe Werte bestimmter PFAS-Chemikalien im Körper können auch bei Menschen die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung, Immunstörungen oder Leber- und Schilddrüsen-Erkrankungen erhöhen.

Die Teppichindustrie wusste schon 2002 von einer Studie, die die krebserregende Wirkung belegt hat.

Jason Dearen, US-amerikanischer Investigativjournalist

Doch die Teppichhersteller verwendeten PFAS weiter. Erst 2009 nahm die Teppichindustrie in den USA Produkte mit zwei früheren PFAS-Verbindungen aus dem Sortiment. Die Industrie stieg auf "kurzkettige PFAS" um. Angeblich seien diese weniger toxisch und weniger langlebig. Doch laut dem Umweltwissenschaftler Steven Amter hätten zu dem Zeitpunkt verlässliche Daten gefehlt: "Man hat gewissermaßen auf gut Glück gehandelt."

Texttafel: Grenzwerte laut Trinkwasserverordnung

Ab dem 12. Januar 2026 gelten neue Regeln für das Trinkwasser in Deutschland. Beispielsweise gibt es strengere Grenzwerte für PFAS-Stoffe. Was sind PFAS und wie kann man sich schützen?

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Und man hatte kein Glück, denn immer mehr Studien zeigten: Auch diese PFAS-Verbindungen sind toxisch. 2019 stellte die US-amerikanische Teppichindustrie auch die Verwendung von kurzkettigen PFAS ein.

Sehen Sie die Doku "Giftige Teppiche - Gefahr durch PFAS" am 10. September ab 18 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.


Ewigkeitschemikalien im Trinkwasser in der US-Stadt Dalton

Jahrelang gelangten diese Stoffe, an denen Kläranlagen scheitern, über Industrieabwässer in die Umwelt, wo sie Jahrzehnte bleiben. Im Nordwesten des US-Bundesstaats Georgia sind viele Teppichhersteller angesiedelt: Die Stadt Dalton gilt als "Teppich-Hauptstadt der Welt". Im Trinkwasser dort wurden die sogenannten "Ewigkeitschemikalien" in gefährlichen Mengen nachgewiesen, zum Beispiel bei einer Studie der Universität Georgia aus dem Jahr 2008.

Wasser in Glas

Die Ewigkeitschemikalien PFAS belasten das Trinkwasser, weshalb der BUND Leitungs- und Mineralwasser testet. Schätzungsweise sind neun von zehn Proben mit den Schadstoffen belastet.

13.02.2026 | 1:42 min

2024 erließ die US-Umweltschutzbehörde EPA erstmals Trinkwasservorschriften für einige PFAS-Verbindungen - nach jahrzehntelanger Prüfung. Sie treten ab 2031 in Kraft. Doch ähnlich wie bei Asbest litten bis dahin schon Tausende Menschen unter den Gesundheitsschäden durch PFAS.

Für mich ist PFAS der nächste Asbest für die USA.

Kasey Carpenter, republikanischer Abgeordneter

Für den republikanischen Abgeordneten Kasey Carpenter ist klar: "Man muss die Chemiehersteller verklagen. Sie wussten, dass es nicht sicher war, und haben Nutzer in die Irre geführt." Derzeit laufen Gerichtsverfahren gegen Teppichhersteller und Chemiekonzerne.

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Über dieses Thema berichtet die Sendung "Giftige Teppiche - Gefahr durch PFAS", online verfügbar am 10.09.2026 um 5 Uhr, in ZDFinfo am 10.09.2026 ab 18 Uhr.
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