Picnic, Flink und Co.: Ersetzen Lieferdienste den Supermarkt?

Picnic, Flink und Co.:Ersetzen Lieferdienste künftig den Supermarkt?

von Richard Luttke

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Picnic, Knuspr, Flink: Immer mehr Anbieter bringen den Einkauf nach Hause. Der Markt wächst, doch das Geschäft ist kompliziert. Entsteht eine echte Konkurrenz zum Supermarkt?

Eine Kreditkarte liegt neben einem Smartphone, auf dem eine App für den Einkauf von Lebensmitteln geöffnet ist.

Immer mehr Menschen lassen sich Lebensmittel liefern. Der Onlinehandel mit Produkten des täglichen Bedarfs ist im letzten Jahr um mehr als zehn Prozent gestiegen.

31.01.2026 | 1:30 min

Viele rote und graue Kisten stapeln sich im Logistikzentrum des Online-Supermarkts "Picnic" im hessischen Hanau. In ihnen liegen Produkte aller Art - von Toilettenpapier über Nudeln bis hin zu tiefgekühlten Fischstäbchen.

Markt für Online-Lebenmittellieferdienste wächst

Zu Beginn ihrer Schicht belädt Lieferfahrerin Zoë Adomat ihren elektrischen Mini-Lieferwagen, dann kann es losgehen. Die unterschiedlichsten Kunden bestellen online, teils sogar ganze Wocheneinkäufe, berichtet sie.

Es sind junge, es sind ältere und auch eingeschränkte Leute dabei.

Zoë Adomat, Lieferfahrerin

Zwölf Kunden fährt sie heute auf ihrer dreistündigen Route an. Der Markt für Online-Lebensmittellieferdienste wächst zunehmend stark, immer mehr Menschen bestellen online. Löst der Lieferwagen künftig den Supermarkt ab?

zwei Personen sitzen an einem Tisch

Insider-Talk zum Lieferdienst Flink.

05.12.2022 | 15:06 min

Wachstum schneller als bei anderen Waren

Bemerkenswert ist vor allem die Dynamik: Das Online-Bestellvolumen von Lebensmitteln und Drogeriewaren stieg im vergangenen Jahr voraussichtlich um mehr als zehn Prozent und damit mehr als doppelt so schnell wie der Onlinehandel mit anderen Produktkategorien wie Mode, Elektronik oder Büchern - Warengruppen, die seit Jahren stark im Internet vertreten sind.

Gleichzeitig ordnet Kai Hudetz vom Institut für Handelsforschung Köln (IFH) ein: "Wir reden bei Drogeriewaren und Lebensmitteln insgesamt von einem Online-Anteil von etwa drei Prozent. Also wirklich nur ein kleines Stück des Kuchens."

Auf dem Markt gibt es mittlerweile diverse Supermarkt-Lieferdienste: Neben dem niederländischen "Picnic", hinter dem Supermarktriese Edeka steht, baut auch Konkurrent Rewe sein Lieferangebot stark aus. Daneben kämpfen Lieferdienste wie das tschechische Start-up "Knuspr", der Getränkelieferant "Flaschenpost" und der Quick-Commerce-Anbieter "Flink" um Marktanteile.

Die Vergangenheit zeigt jedoch die Tücken des Online-Lebensmittelhandels. Manche Start-ups mussten sich vom deutschen Markt zurückziehen, wie der Berliner Lieferdienst "Gorillas". Selbst der Onlineriese Amazon stellte seinen Dienst "Amazon Fresh" nach wenigen Jahren ein.


Klassische Supermärkte sind weiter dominant. Doch besonders seit der Corona-Pandemie hat die Dynamik auf dem Markt zugenommen und soll sich nach Prognosen des IFH in den kommenden Jahren weiter beschleunigen.

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Kosten sind die größte Hürde

Momentan werben die meisten Online-Supermärkte mit vergleichbaren Preisen wie herkömmliche Supermärkte - oft entfallen sogar die Liefergebühren. So versuchen die Anbieter, möglichst viele Kunden zu erreichen - doch das hat seinen Preis.

Insbesondere die Logistik ist komplex und teuer: vom Zusammenstellen der Lieferungen bis zur Auslieferung unter Einhaltung der Kühlkette. Diese Kostenhürde sei am schwierigsten zu überwinden, sagt IFH-Handelsexperte Hudetz.

Gleichzeitig können Anbieter nur bestehen, wenn sie die Preise niedrig halten, denn "Konsumentinnen und Konsumenten sind nur in wenigen Fällen bereit, größere Aufschläge für die Bequemlichkeit zu bezahlen", konstatiert Hudetz.

Insbesondere deutsche Verbraucher achten bei Lebensmitteln und in Zeiten steigender Preise darauf, günstig einzukaufen.

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Große Potenziale auf dem Land

Viele Online-Supermärkte expandieren zunächst in Städten, wo sie allerdings mit einer Vielzahl an Supermärkten und Discountern konkurrieren.

In ländlicheren Regionen sind die Lieferdienste für Kundinnen und Kunden zwar besonders interessant, doch lohnt sich der Aufbau von Logistik-Infrastruktur für die Anbieter nur, wenn im Umkreis genügend potenzielle Kundschaft lebt.

Dennoch erwartet Handelsexperte Hudetz, dass sich der Onlinehandel mit Lebensmitteln auch auf dem Land entwickeln könnte:

Ich glaube, für die Versorgung des ländlichen Raums sind solche Modelle sehr interessant und haben auch ein großes Potenzial.

Kai Hudetz, Handelsexperte

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Ergänzung statt Ersatz

Egal ob Stadt oder Land: Schon jetzt schätzen viele die Möglichkeit, den Wocheneinkauf im Internet zu erledigen.

Auf der Tour von Lieferfahrerin Zoë Adomat freut sich eine Kundin, sich den anstrengenden Einkauf mit Kind erspart zu haben. Ein anderer konnte durch den Service seinen Einkauf während einer kurzen Pause im Homeoffice erledigen.

Perspektivisch sieht Kai Hudetz vom IFH Köln zwar weitere Zuwächse im Online-Lebensmittelhandel, "aber eher als Ergänzung für unseren Einkauf im Supermarkt, nicht als Ersatz".

Richard Luttke ist Redakteur beim ZDF-Magazin WISO.

Über dieses Thema berichtete die heute am 31.01.2026 ab 19 Uhr.

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