Teure Medikamente: Kasse sieht Sparpotenzial in Milliardenhöhe

Preise im internationalen Vergleich:Teure Medikamente: Kasse sieht Milliarden-Sparpotenzial

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Im Vergleich zu anderen Ländern müssen Patienten in Deutschland für Medikamente aus Sicht der Techniker Krankenkasse viel zu viel bezahlen. Es gebe ein großes Sparpotenzial.

Symbolbild:  In der Nordring Apotheke in Prenzlauer Berg liegen Medikamente und Arzneimittel in einem Medikamentenlager bereit.

Medikamente in Deutschland seien im internationalen Vergleich viel zu teuer, kritisiert die TK. Der Gesetzgeber müsse hier handeln.

14.01.2026 | 0:23 min

Die Menschen in Deutschland zahlen aus Sicht der Techniker Krankenkasse (TK) im internationalen Vergleich viel zu hohe Preise für Medikamente. Hier gebe es ein großes Sparpotenzial.

Einige Medikamente anderswo bis zu 76 Prozent günstiger

Allein bei den 30 umsatzstärksten Medikamenten ließen sich durch Angleichungen an das internationale Preisniveau jährlich rund 4,37 Milliarden Euro Arzneimittelausgaben für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) einsparen, teilte die Krankenkasse in Hamburg mit.

Verglichen mit den Arzneimittelpreisen in Norwegen, Südkorea oder Japan beispielsweise zahlen wir in Deutschland eindeutig zu viel für dieselben Produkte.

Jens Baas, Vorstandsvorsitzender Techniker Krankenkasse

Einzelne Medikamente sind in anderen Ländern bis zu 76 Prozent günstiger, teilte der TK-Vorstandsvorsitzende, Jens Baas, mit. "Hier muss der Gesetzgeber handeln und dringend Maßnahmen zur Ausgabensenkung ergreifen, insbesondere im Bereich der patentgeschützten Arzneimittel."

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Ausgaben für Arzneimittel 2024 auf Rekordhöhe

2024 betrugen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel laut Baas mehr als 55 Milliarden Euro - ein Rekordwert. Vor allem neue Patent-Arzneimittel trieben die Kosten weiter in die Höhe. Obwohl diese nur knapp sieben Prozent der abgegebenen Packungen ausmachten, verursachten sie fast 54 Prozent der Ausgaben.

Baas betonte, hohe Arzneimittelpreise sicherten keinen Produktionsstandort, gefährdeten aber das Solidarsystem. Die Pharmaindustrie erwirtschafte in Deutschland circa 0,8 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung. Damit liege sie im europäischen Vergleich lediglich auf Platz 7, obwohl Deutschland gleichzeitig die höchsten Arzneimittelausgaben pro Kopf in Europa verzeichne.

Hohe Listenpreise in der gesetzlichen Krankenversicherung garantieren uns keine Arzneimittelproduktion in Deutschland und Europa. Sie erhöhen nur die Margen für die pharmazeutischen Unternehmen und belasten die Beitragszahlenden.

Jens Baas, Vorstandsvorsitzender Techniker Krankenkasse

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TK sieht Sparpotenzial von elf Milliarden Euro

Schon drei kurzfristige Maßnahmen würden die gesetzlichen Kassen jährlich um bis zu elf Milliarden Euro entlasten, sagte der TK-Chef: Ein Absenken der Umsatzsteuer auf Arzneimittel von derzeit 19 Prozent auf den ermäßigten Satz von sieben Prozent könnte bis zu sieben Milliarden Euro einsparen.

Den Herstellerabschlag für Patent-Arzneimittel auf 17 Prozent zu erhöhen, würde bis zu drei Milliarden Euro jährlich einbringen. Eine weitere Milliarde Euro könnte durch die Einführung von sogenannten Arzneimittel-Fokuslisten eingespart werden. Diese würden Krankenkassen ermöglichen, unter pharmakologisch-therapeutisch vergleichbaren Arzneimitteln eine wirtschaftliche Auswahl zu treffen.

Mehrere Schläuche, Infusionsbeutel und zwei Monitore sind neben einem Krankenbett angebracht.

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Quelle: AFP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Kasse: Medikamente zu teuer in Deutschland" am 14.01.2026 um 12:21 Uhr.

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