Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöht:Was die Zinserhöhung der EZB bedeutet
von Klaus Weber
Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Das soll die Inflation bremsen, hat aber Nebenwirkungen - für Unternehmen, Verbraucher und Konjunktur.
Der Iran-Krieg hat Energiekosten und die Inflation angetrieben. Eine Erhöhung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank soll dem Kaufkraftverlust entgegenwirken.
11.06.2026 | 0:47 minDie Europäische Zentralbank (EZB) erhöht ihren Leitzins wegen der stark gestiegenen Inflation erstmals seit fast drei Jahren. Sie setzte den Einlagensatz am Donnerstag von 2,0 auf 2,25 Prozent herauf. Über ihn steuert der EZB-Rat maßgeblich seine Geldpolitik, auch die Tages- und Festgeldzinsen für Sparer orientieren sich daran.
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Auswirkungen auf Wirtschaft und Aktienmärkte
Zinserhöhungen sind ja so was wie der Beelzebub für Wirtschaft und Aktienmärkte. Sie drohen die Wirtschaft abzuwürgen, weil Kredite teurer werden. Unternehmen verschieben Investitionen in die Zukunft oder blasen sie ganz ab. In diesen Zeiten, in denen wir gerade in Deutschland nur noch eine Art Restwachstum haben, ist eine Zinserhöhung also quasi eine Art Konjunkturkiller. Für den Aktienmarkt sind Zinserhöhungen auch keine gute Nachricht, weil die Märkte empfindlich reagieren. Anleger verkaufen dann Aktien und schichten lieber in festverzinsliche Geldanlagen, wie etwa Anleihen, um.
Verbraucher spüren Zinserhöhungen
Für Verbraucher gibt es auch Konsequenzen. Möglicherweise wird der Alltag etwas billiger und das Benzin an der Zapfsäule etwas weniger teuer, wenn die Inflation gebremst wird. Auch wenn Banken steigende Zinsen häufig nicht sofort an ihre Kunden weitergeben, können sie mittelfristig bei Fest- oder Tagesgeld durchaus zu attraktiveren Guthabenzinsen führen. Für Sparer, die solche Angebote natürlich vergleichen müssen, ist das also eine positive Nachricht.
Mit dem Leitzins versucht die EZB indirekt, die Inflation zu beeinflussen. Er gilt für Banken, wirkt sich aber auch auf Verbraucher und Unternehmen aus.
30.04.2026 | 1:32 min"Auf der anderen Seite stehen jedoch höhere Belastungen. Hypotheken und Immobilienfinanzierungen werden teurer, ebenso wie Konsumentenkredite", sagt Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ Bank. Bei Verteuerungen von Finanzierungen und Krediten agieren Banken übrigens häufig viel schneller. Zinserhöhungen sind also in vielerlei Hinsicht ein zweischneidiges Schwert für Verbraucher und Wirtschaft.
EZB musste reagieren
Die Europäische Zentralbank hatte allerdings kaum eine andere Wahl, als nun die Zinsen zu erhöhen. Der Iran-Krieg hatte im Mai voll auf die Preise durchgeschlagen. Verbraucher zahlten im Vergleich zum Vorjahr 3,2 Prozent mehr für Waren und Dienstleistungen. Die Inflation schien in einen Galopp-Modus überzugehen. Das wollte die EZB unbedingt stoppen.
Die Inflation im Euroraum ist im Mai erneut gestiegen. Dazu ein Gespräch mit ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann.
02.06.2026 | 1:27 minAuch, weil sie sich nicht ein weiteres Mal dem Vorwurf aussetzen wollte, zu spät reagiert zu haben. Die harsche Kritik, als sie während der Corona-Krise monatelang zögerte, bevor sie eine Zinserhöhung einleitete, wirkt heute noch in den Türmen der Zentralbank im Frankfurter Osten nach. Für Ökonomin Marten kam der Schritt der EZB diesmal zum richtigen Zeitpunkt.
Man kann der EZB in diesem Fall nicht den Vorwurf machen, zu spät gehandelt zu haben. Auch sie musste in den vergangenen Monaten abwarten, wie sich die Lage entwickelt.
Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ Bank
Folgen weitere Zinsschritte?
Trotzdem ist es zunächst nur ein kleiner Zinsschritt von 2,00 auf 2,25 Prozent. Damit wird die Inflation nicht auf einen Schlag verschwinden, denn Inflationsbekämpfung ist eher ein Marathonlauf. Eine weitere Zinserhöhung im September wird deshalb von vielen Experten erwartet.
Die Gretchenfrage dabei bleibt der Iran-Krieg. Das sieht auch Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank, so: "Ob 25 Basispunkte jetzt und eine weitere Anhebung im September genügen, um einen Effekt zu haben, wird sehr stark von dem weiteren Verlauf des Iran-Konflikts und der Frage abhängen, wann die Straße von Hormus wieder für den Seeverkehr frei passierbar sein wird." Eine zu späte Öffnung der Straße von Hormus könne zu neuen Ölpreissteigerungen führen. Dadurch würde die Dringlichkeit weiterer Zinsanhebungen erhöht, glaubt Stanzl.
Die sogenannten Wirtschaftsweisen erwarten aufgrund des Iran-Kriegs für dieses Jahr nur noch 0,5 Prozent Wachstum. Sie warnen zudem vor hohen Sozialabgaben und einer steigenden Inflation.
27.05.2026 | 1:42 minDie EZB wird weiter unter Zugzwang bleiben. Denn selbst wenn die Straße von Hormus schnell wieder geöffnet wird, heißt das nicht, dass schnell alles billiger wird. Lieferketten bleiben länger gestört. Zudem sind bereits Zusatzkosten entstanden, die zunächst an Kunden und Verbraucher weitergegeben werden. Der Auftrag für die EZB lautet deshalb nach wie vor: Inflation weiter entschlossen bekämpfen, ohne dabei die Konjunktur abzuwürgen. Ein Drahtseilakt, bei dem sie Fingerspitzen- oder vielmehr Fußspitzengefühl brauchen wird.
Klaus Weber ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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