Hitze und Trockenheit:Wie die Wirtschaft mit Wassermangel umgeht
von Frederick Dustmann und Florian Neuhann
Flüsse trocknen aus, Wasser wird knapp: Die über Wochen anhaltende Trockenheit wird zum Standortfaktor in Deutschland. Worauf sich Betriebe einstellen müssen.
Wassermangel wird zum Risiko für ganze Wirtschaftsbranchen. Nicht nur, weil niedrige Pegelstände Logistikketten unterbrechen. Auch wegen des Klimawandels fehlt insgesamt Wasser.
26.08.2026 | 2:49 minEine Betonplatte gleitet über das Produktionsband der Firma Rinn in Heuchelheim an der Lahn. Ein konstanter Wasserstrom entfernt den Betonstaub, der beim Schleifen der Platte entsteht.
Pro Stunde fließen hier mehrere Tausend Liter Wasser durch die Anlage. Das Schleifen ist nur einer von vielen wasserintensiven Produktionsschritten bei Rinn.
Mittelständisches Unternehmen spart Wasser
Rinn Beton, das ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit langer Geschichte, rund 500 Beschäftigten und einem großen Thema: Wasser. Für ihr Unternehmen benötigen sie hier jährlich so viel Wasser wie eine Kleinstadt mit einigen tausend Einwohnern.
Wegen des Rhein-Niedrigwassers verlagert sich der Güterverkehr auf Schiene und Straße. "Alles auf die Straße zu bringen, wäre ein enormer Kraftakt“, so ZDF-Reporter Christopher Heinze.
10.08.2026 | 2:52 minZum Beispiel für das Schleifen der Betonplatten, die sie herstellen: "Das sind Industriediamanten, bei denen wir die oberste Schicht von dem Betonstein entfernen, um die charakteristische Oberfläche zu generieren", beschreibt Geschäftsführer Johannes Schramm die Produktion.
Dafür setzen sie bei Rinn aber nur wenig Frischwasser ein: Zwei Wasseraufbereitungsanlagen sorgen dafür, dass sie einen Großteil ihres Wassers wiederverwenden können. Nach eigenen Angaben decken sie damit 91 Prozent des gesamten Bedarfs.
Für die Landwirtschaft wird Wassermangel durch Hitze und Trockenheit zunehmend zum Problem. Vor allem im Südwesten Deutschlands hat sich die Trockenheit in den vergangenen Tagen verschärft.
13.08.2026 | 2:54 minWasser als Wirtschaftsfaktor
Der Klimawandel sorgt dafür, dass Hitzeperioden und Trockenheit in Deutschland wahrscheinlich zunehmen. Die Folge: Wasser wird knapper.
"Das Thema ist mittlerweile zur Wettbewerbs- und auch zur Standortfrage geworden", sagt Martin Weyand vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gegenüber ZDFheute.
In Deutschland sinken seit Jahren die Wasserbestände in Seen, auch in Brandenburg verlieren Seen immer mehr Wasser oder trocknen sogar komplett aus. Wie wirkt der Wassermangel auf die Kommunen?
27.08.2026 | 1:53 minZwar geht der Wasserbedarf der Industrie laut Statistischem Bundesamt seit Jahren kontinuierlich zurück, zuletzt vor allem auch durch die Abschaltung von Kernkraftwerken, für die entsprechend kein Kühlwasser mehr eingesetzt wird.
Prof. Bernd Hansjürgens, Umweltökonom am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig sieht aber noch einen Grund. So habe die Industrie die Effizienz gesteigert, zum Beispiel durch bessere Wiederverwendung des Wassers. Auch dadurch sei der Bedarf gesunken.
Die derzeitige Hitzewelle mit Trockenheit stellt Wirtschaft und Landwirtschaft in Deutschland vor erhebliche Herausforderungen.
11.08.2026 | 1:43 minHoher Bedarf vor allem für Chemie und Energie
Nichtsdestotrotz sind viele Firmen auf große Mengen Wasser angewiesen - nicht nur beim Transport auf Flüssen, bei denen niedrige Pegelstände Logistikketten unterbrechen. Sondern auch bei der Produktion: Besonders Chemieindustrie und Energieversorgung benötigen große Wassermengen, vor allem, um ihre Anlagen zu kühlen.
Der Sommer 2026 ist in Deutschland besonders trocken. Allein im Juli lag die Regenmenge laut Deutschem Wetterdienst nur bei der Hälfte des Durchschnittswerts des Vergleichsmonats zwischen 1991 und 2020. Der Rhein, wichtigster Wasserweg in Deutschland für Güterverkehr und Binnenschifffahrt, verzeichnet außergewöhnlich niedrige Pegelstände. In Städten und Landkreisen fast aller deutschen Bundesländer wurden die Menschen zum Wassersparen aufgefordert.
Konflikte um Wasser drohen
Wenn das Wasser knapper wird und nicht mehr gleichzeitig für Industrie, Landwirtschaft und Trinkwasser ausreicht, könnte es in der Zukunft zu Entnahmekonflikten kommen, sagt Weyand.
Die wochenlange Trockenheit führt bei vielen Landwirten zu massiven Ernteausfällen. Was das für den Verbraucher bedeutet, berichtet ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann.
18.08.2026 | 1:08 minDas Wasser für die Industrie stammt zum erheblichen Teil aus Flüssen, Seen oder Talsperren, geringere Mengen entnehmen die Unternehmen aus dem Grundwasser. Doch die meisten Unternehmen erfassen und veröffentlichen ihren Wasserverbrauch nicht systematisch.
Wir brauchen mehr Transparenz bei der Wasserentnahme, zum Beispiel im Rahmen eines Wasserregisters.
Martin Weyand, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft
Über Entnahmerechte sei nur bekannt, wie viel Wasser die Unternehmen höchstens beziehen dürfen.
Greenpeace schätzt die Schäden durch die Hitzewellen dieses Sommers auf rund 36 Milliarden Euro. Besonders teuer seien demnach Ernteausfälle, Waldbrände, Gesundheitskosten und Arbeitsausfälle.
24.08.2026 | 0:27 minGrundwasser kostenlos - aber nicht überall
Bislang haben Unternehmen ohnehin nur wenige Anreize, auf Grundwasser zu verzichten, wenn beispielsweise schon ein Brunnen besteht. Das müsse sich ändern, fordert Umweltökonom Hansjürgens. "Wasser wird knapp - und Ökonomen fordern schon immer, dass knappe Güter einen Preis brauchen", sagt er.
In vielen Bundesländern gibt es bereits ein Wasserentnahmeentgelt. Wie hoch es ist und für welche Entnahmen es gilt, entscheiden die Länder selbst. Die Unterschiede sind erheblich: In Nordrhein-Westfalen sind es derzeit fünf Cent pro Kubikmeter, wobei für Kühlwasser nur 3,5 Cent fällig werden. In Berlin beträgt die reguläre Abgabe 31 Cent. Hessen und Thüringen erheben bislang kein Wasserentnahmeentgelte.
Bei Rinn in Hessen benötigen sie durch die Wasseraufbereitung mittlerweile nur noch sehr wenig Frischwasser - und arbeiten daran, dass es immer weniger wird. So sammelt man nach eigenen Angaben dort inzwischen auch das Regenwasser von den Dächern und nutzt das Oberflächenwasser.
Florian Neuhann ist Leiter des ZDF-Teams Wirtschaft und Finanzen.
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