Krypto-Retter Joe Grand:Warum ein Hacker Bitcoin rettet, aber selbst keine besitzt
von Benjamin Arcioli und Krissi Kowsky
Für manche Menschen ist Hacker Joe Grand die letzte Rettung: Wenn ihnen der Zugriff auf ein Krypto-Wallet verloren gegangen ist.
Krypto-Gurus versprechen Reichtum, Hacker jagen Wallet-Passwörter, Anleger zittern vor dem nächsten Crash. Die Doku zeigt, warum Krypto fasziniert, die Finanzwelt aufwirbelt und riskant bleibt.
05.01.2026 | 43:30 minGeschichten von Menschen, die den Zugang zu ihrem Kryptogeld verlieren, gibt es viele. Dass man bei der digitalen Währung selbst für die Verwahrung des Vermögens verantwortlich ist und keine Bank dazwischen steht, finden viele Kryptofans toll.
Bis zu 3,7 Millionen Bitcoin sollen unzugänglich sein
Hardware-Wallets, oft kaum größer als ein USB-Stick, sollen Sicherheit bieten. Doch wer seine Zugangsdaten verliert, steht allein da. Es gibt keinen Kundendienst. Und die Folgen sind drastisch: So sind etwa von den maximal 21 Millionen Bitcoin, die es als feste Obergrenze geben wird, Schätzungen zufolge zwischen 2,3 und 3,7 Millionen Bitcoin dauerhaft unzugänglich.
Wer 2010 nur 25 Dollar in Bitcoin angelegt hätte, hätte 15 Jahre später mehr als 44 Millionen Dollar. So ähnlich erging es Erik Finman, dem "jüngsten Bitcoin-Millionär der Welt".
29.12.2025 | 0:44 minDie Ursachen reichen von vergessenen Passwörtern über verlorene Geräte bis zu Hacks oder Todesfällen, bei denen niemand mehr die Zugangsdaten kennt. Selbst wer alles richtig macht, ist nicht vor Hardware-Defekten oder Sabotage geschützt.
Die Täter haben es auf Angehörige von Bitcoin-Investoren abgesehen. Interessant machen sie die großen Summen, die sie umsetzen und die leichte Auffindbarkeit ihrer Daten.
30.05.2025 | 1:50 minKrypto-Wallets im Auftrag von Kunden hacken
Ist der Zugang zum Kryptogeld versperrt, ist er oft die letzte Hoffnung: Joe Grand. Der US-amerikanische Hardware-Hacker - in der Szene bekannt als "Kingpin" - zerlegt Geräte, analysiert Chips, baut Schaltungen nach und rekonstruiert digitale Schlüssel, die andere längst abgeschrieben haben.
Grand entdeckte seine Leidenschaft früh: Er begann bereits im Alter von sieben Jahren, sich für Computer und Elektronik zu interessieren und entwickelte eine Leidenschaft dafür, Systeme zu verstehen - und zu manipulieren. Inzwischen hat er es zu seinem Job gemacht, im Auftrag seiner Kundschaft deren Krypto-Wallets zu hacken.
Nicht alle Fälle enden erfolgreich
Heute führt er ein eigenes Labor in Portland und veröffentlicht spektakuläre Fälle auf YouTube. Millionen Menschen schauen zu, wenn Grand winzige Chips freilegt, chemische Schichten ablöst oder beschädigte Platinen repariert.
Mir geht es darum, ein interessantes technisches Problem zu lösen und der Nebeneffekt ist, dass ich Menschen helfen kann.
Joe Grand, Hacker für Krypto-Wallets
Dass seine Fähigkeiten gefragt sind, zeigte etwa ein Fall aus dem Jahr 2022: Grand rettete Bitcoin im Wert von rund zwei Millionen US-Dollar aus einer defekten Hardware-Wallet. 2024 gelang ihm die Wiederherstellung eines Passworts, mit dem ein Nutzer seit 2013 Kryptowährungen im Wert von rund drei Millionen Dollar gesichert hatte.
Viele andere Fälle enden dagegen erfolglos. Oft, weil Geräte vollständig gelöscht oder zu stark beschädigt sind.
Anton wurde Opfer von Krypto-Scam - eine Form des Online-Anlage-Betrugs. Er hat 700.000 Euro verloren. Es ist eine weit verbreitete Betrugsmasche. So gehen die Täter vor.
22.06.2024 | 1:29 minBezahlung nur in US-Dollar, nie in Bitcoin
Das Skurrile: Grand rettet Schätze, die er selbst gar nicht haben will. Denn Grand besitzt keine eigenen Kryptowährungen. "Kryptowährung - allein schon zu wissen, wie man sie verwendet, ist kompliziert. Zu wissen, wie man seine Wallet sicher aufbewahrt, ist kompliziert, und es führt einfach zu so vielen weiteren Problemen, dass meiner Meinung nach die positiven Vorteile in den Hintergrund treten", sagt er. Deshalb lässt er sich seine Provision in Form von einem prozentualen Anteil am geretteten Kryptowert immer sofort in US-Dollar auszahlen.
Besonders deutlich wird das Risiko bei der sogenannten Selbstverwahrung. Hot Wallets, die mit dem Internet verbunden sind, sind komfortabel, aber anfällig für Angriffe. Cold Wallets wie Hardware-Sticks gelten als sicherer, können aber physisch beschädigt werden oder verloren gehen. Beide Systeme verlangen ein hohes Maß an Eigenverantwortung und sind fehleranfällig.
Die Kryptowährung Bitcoin erlebt erneut einen Hype und elektrisiert die Finanzwelt. Doch die Risiken, beim Investment auf Betrüger reinzufallen, sind enorm.
28.05.2024 | 10:06 minFreiheit mit Risiko behaftet
In der WISO-Doku "Die Welt in Geld - Kryptowährungen" erklärt Grand beim Blick auf ein beschädigtes Gerät, er fühle sich "wie ein Chirurg", der alles gebe - doch nicht jede Operation gelinge.
Seine Arbeit zeigt damit auch: Die Freiheit der Selbstverwahrung ist zugleich ihr größtes Risiko. Wer die Kontrolle über seine Wallet behält, hat maximale Unabhängigkeit. Doch wer sie verliert, verliert alles.
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