Wellness-Hype einer neuen Generation:Wie aus Fasten ein Milliardengeschäft wird
von Manuela Christ
Fasten boomt, vor allem bei jungen Menschen. Ein ganzer Wirtschaftszweig entsteht rund um den Trend, an dem Hotels und Apps verdienen. Es geht um Milliarden.
Fasten ist zu einem Wellness-Trend geworden. Vor allem jüngere Menschen sehen es als "Reset" für ihr Leben: innehalten, verzichten, rückbesinnen. Der Trend beschert der Industrie saftige Gewinne.
17.02.2026 | 0:47 minFasten hat sich vom traditionellen Gesundheitsritual zum Milliardenbusiness entwickelt. Was früher nach Kurklinik und Suppentagen klang, ist heute Teil einer neuen Wellness-Ökonomie, die Food, Health und Beauty verschmelzen lässt.
Das beobachtet Trendforscherin Christine Schäfer vom Gottlieb Duttweiler Institute in der Schweiz. Der Markt zähle zu den am schnellsten wachsenden weltweit und soll von etwa 5,7 Billionen Euro im Jahr 2024 auf über acht Billionen Euro im Jahr 2029 anwachsen, so die Schätzung des Global Wellness Economy Monitors 2025.
Gesundheit ist längst kein Randthema mehr, sondern ein Leitmotiv moderner Konsumkultur.
Christine Schäfer, Trendforscherin am Gottlieb Duttweiler Institute
Immer mehr Menschen versuchen, sich im stressigen Alltag kleine Inseln der Selbstoptimierung zu schaffen. Fasten passt perfekt in dieses Mindset. Schäfer erklärt, dass Fasten deshalb so attraktiv sei, weil es sich leicht integrieren lasse: ein klarer Rahmen, wenig Aufwand, spürbare Effekte.
"Heilfasten" ist gesund, bringt Ordnung in den Darm und macht, zumindest nach den ersten schweren Tagen, ausgesprochen munter - was ist dran an diesen Fasten-Versprechen?
21.02.2024 | 3:01 minJunge Zielgruppen pushen den Trend zum Fasten
Fasten wird dabei immer mehr zum Trend für Junge. Laut einer aktuellen Forsa-Erhebung im Auftrag der DAK-Gesundheit finden 85 Prozent der unter 30-Jährigen bewussten Verzicht sinnvoll. Ob Alkohol, Snacks oder digitale Konsumgewohnheiten: Die Mehrheit dieser Altersgruppe sieht Fasten als Chance, sich selbst eine Pause zu gönnen und die eigene Gesundheit aktiver zu steuern.
Insgesamt halten 70 Prozent aller Befragten Fasten für gesundheitlich sinnvoll. Jeder zweite gab an, schon mehr als einmal im Leben gefastet zu haben.
Warum Fasten neue Märkte schafft
Ökonomisch betrachtet entsteht ein neuer Wirtschaftszweig rund um den Trend, so Gesundheitsökonom Reinhard Strametz. Er sieht drei besonders profitable Bereiche: Wellness- und Gesundheitstourismus, digitale Coaching-Angebote und weitere Dienstleistungen rund um Ernährung und Lifestyle-Medizin. Gerade im Tourismusbereich könne man mit Fastenangeboten Pakete schnüren, die gute Gewinne versprächen.
Unterkunft, Betreuung, Programm - die Zahlungsbereitschaft im Wellnesssegment ist hoch.
Prof. Reinhard Strametz, Leiter Wiesbaden Institute for Healthcare Economics and Patient Safety
Retreats, Detox-Hotels, Medical Spas - sie alle profitieren vom Wunsch nach einem "Reset". Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) beobachtet seit einiger Zeit eine deutliche Zunahme an Hotelangeboten, die Wellness, Gesundheit und Langlebigkeit wie sportliche Aktivitäten in den Mittelpunkt stellen.
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29.01.2025 | 3:28 minAuch digitale Angebote boomen: Fasten-Apps, Tracking-Tools, Communities. Viele Nutzer zahlen für Premiumfunktionen, personalisierte Pläne oder Challenges - und alles wird digital dokumentiert.
Dadurch wird Fasten nicht nur ein Ritual, sondern ein messbares Projekt.
Christine Schäfer, Trendforscherin am Gottlieb Duttweiler Institute
Der Kern des Fastens sei zwar Verzicht, der Profit liege aber eher im "Drumherum", betont Reinhard Strametz - etwa bei fastenkompatiblen Getränken oder Nahrungsergänzungsmitteln.
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10.01.2025 | 2:08 minTrend ja - Wundermittel nein
Viele Menschen sehen im bewussten Verzicht einen sinnvollen Gesundheitsimpuls. Doch kann auch das angeschlagene Gesundheitssystem langfristig vom Fasten-Trend profitieren, gar entlastet werden? Die ernüchternde Antwort lautet: Nein.
Fasten kann ein Türöffner für Verhaltensmodifikationen sein.
Prof. Reinhard Strametz, Gesundheitsökonom
Als einzelner Baustein aber werde es die Kostenkurve im Gesundheitssystem nicht drehen. Die großen Hebel lägen bei chronischen Krankheiten wie Adipositas oder Diabetes, deren Folgekosten in Deutschland jährlich über 60 Milliarden Euro ausmachen.
Trotzdem nutzen Krankenkassen das Thema als Kampagneninstrument. Fasten sei, so Reinhard Strametz, leicht zu kommunizieren: klarer Zeitraum, klare Botschaft. Entscheidend sei aber, dass aus einem einmaligen Detox eine langfristige Routine werde. Sonst bliebe es bei einem kurzen Effekt.
Manuela Christ ist Redakteurin im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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