EZB baut die Brücke zur "Börse für alle":EZB-Plattform Pontes: Digitales Wertpapier trifft auf Geld
von Frank Bethmann
Tokenisierung macht aus Vermögenswerten digitale Wertpapiere. Nun schafft die EZB mit "Pontes" die Verbindung zum klassischen Zentralbankgeld. Ein wichtiger Schritt.
Wertpapiere digital erstellen und handeln - das ist über Token und Blockchain möglich. Nun hat die Europäische Zentralbank das fehlende Glied zwischen Blockchain und Zentralbankgeld hergestellt.
09.10.2026 | 0:32 minEs ist ein kleiner Name für einen großen Schritt: Pontes. Ende September hat die Europäische Zentralbank (EZB) eine neue Plattform an den Start gebracht. Der lateinische Begriff bedeutet "Brücken" - und genau diese Funktion soll das neue System übernehmen: Pontes verbindet die Welt der Blockchain und tokenisierten Finanzinstrumente mit dem klassischen ausfallsicheren Zentralbankgeld des Eurosystems.
Bei einer Blockchain werden Transaktionen beziehungsweise Daten in Blöcken zusammengefasst. Diese Blöcke werden chronologisch miteinander verbunden - daher "Block-Chain". Es handelt sich dabei um eine dezentrale Datenbank-Technologie.
Digitales Wertpapier trifft auf echtes Geld
Damit ist ein Baustein hinzugekommen, der für die Entwicklung eines digitalen Kapitalmarkts bislang fehlte. Denn ein Wertpapier kann zwar digital auf einer Blockchain ausgegeben und gehandelt werden. Doch irgendwann muss auch das Geld fließen.
Genau dort setzt Pontes an. Unternehmen können Finanzprodukte digitalisieren, Anleger können sich leichter an solchen Anlagen beteiligen - und die Geldseite der Transaktionen kann an die Infrastruktur des Eurosystems angebunden werden.
Rund 12,8 Prozent der Erwachsenen besitzen Kryptowährungen. Vor allem Jüngere und Männer halten digitale Coins im Depot. Dennoch: Die Mehrheit sieht Kryptowährungen weiterhin skeptisch.
04.08.2026 | 0:52 minFinanzierung über Tokens statt Bankkredit
Wie das funktionieren kann, zeigt ein einfaches Beispiel. Ein mittelständischer Maschinenbauer erhält einen Großauftrag. Um die dafür notwendige Produktionsanlage zu bauen, benötigt das Unternehmen zwei Millionen Euro. Statt die Summe ausschließlich über einen klassischen Bankkredit zu finanzieren, könnte es Anleihen ausgeben. 4.000 Einheiten zu jeweils 500 Euro. Ein Anleger kauft eine davon, ein anderer zehn.
Durch die Tokenisierung wäre es möglich, Wertpapiere digital abzubilden, zu handeln und automatisiert abzuwickeln. Eine Börse für alle könnte sich entwickeln, an der sich Unternehmen einfacher finanzieren und Anleger mit kleineren Beträgen beteiligen können.
Tokenisierung bedeutet vereinfacht: Ein Vermögenswert oder ein Recht wird digital dargestellt. Bei einer Anleihe repräsentiert der Token beispielsweise den Anspruch des Anlegers auf Zins und Rückzahlung. Der Vorteil: Digitale Wertpapiere können leichter in kleinere Einheiten aufgeteilt, übertragen und mit automatisierten Prozessen verbunden werden.
Doch damit ein solcher digitaler Kapitalmarkt funktioniert, braucht es mehr als nur einen Token. Denn irgendjemand muss das digitale Wertpapier zunächst erzeugen und rechtssicher abbilden. Ein anderer Anbieter muss dafür sorgen, dass es gehandelt werden kann.
Ob Social Media, Hausbank, unabhängige Finanzberatung oder KI: Wer Geld anlegen will, stößt auf unterschiedliche Informationsquellen. Wie zuverlässig sie sind, erklärt Finanzexperte Thomas Lang.
05.02.2026 | 4:18 minDeutsche Unternehmen in den Startlöchern
Genau hier kommen Unternehmen wie Tokenforge ins Spiel. Die Firma kann man sich vereinfacht als eine Art Werkbank der Tokenisierung vorstellen. Die Hamburger entwickeln die technische Infrastruktur, mit der sich Vermögenswerte und Finanzprodukte digital als Token abbilden lassen - etwa Anleihen, Unternehmensanteile oder Fonds.
Für den Maschinenbauer könnte das bedeuten: Aus seiner Finanzierungsidee wird mithilfe einer solchen Infrastruktur ein digitales Finanzinstrument. Damit ist die Arbeit allerdings noch nicht getan. Denn ein Wertpapier muss nicht nur ausgegeben, sondern auch gehandelt werden können.
Hier setzt 21X an. Das Frankfurter Unternehmen betreibt einen regulierten Handels- und Abwicklungsplatz für tokenisierte Finanzinstrumente. Vereinfacht gesagt: Der Token kann dort nicht nur digital existieren, sondern auch den Besitzer wechseln.
Mit App oder Karte zahlen - ohne Visa oder Mastercard, dafür mit EZB-Logo. Das könnte bald Realität werden. Die EU hat für den digitalen Euro gestimmt. Der könnte nun ab 2029 kommen.
25.06.2026 | 43:57 minEZB baut Brücke zwischen Token und Euro
Damit ist allerdings eine entscheidende Frage noch offen: Was passiert mit dem Geld? Denn Token und Euro sind zunächst zwei verschiedene Welten. Das Wertpapier kann auf einer Blockchain übertragen werden. Das bedeutet aber noch nicht, dass auch die dazugehörige Zahlung über dieselbe Infrastruktur läuft.
Für einen funktionierenden Kapitalmarkt ist genau diese Verbindung entscheidend. Die EZB stellt mit Pontes eine öffentliche Infrastruktur bereit, über die die Geldseite von Transaktionen mit tokenisierten Finanzinstrumenten an das Zentralbankgeld des Eurosystems angebunden werden kann.
"Börse für alle" entsteht aus vielen einzelnen Bauteilen
Der entscheidende Punkt ist dabei nicht, dass Blockchain-Technologie plötzlich neu wäre. Die technischen Möglichkeiten gibt es seit Jahren. Die Herausforderung bestand vielmehr darin, die verschiedenen Bestandteile eines Kapitalmarkts miteinander zu verbinden. Die "Börse für alle" entsteht also nicht mit einem einzigen großen Schritt. Sie entsteht aus vielen einzelnen Bausteinen.
Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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