Andrang auf E-Autos:Die E-Auto-Kaufprämie wirkt. Doch wer profitiert wirklich?
von Frank Bethmann und Florian Neuhann
Neue Daten zeigen: Die Kaufprämie motiviert offenbar viele Verbraucher zum Umstieg vom Verbrenner auf das E-Auto. Vom Anstieg profitieren vor allem ausländische Hersteller.
Die Kaufprämie wirkt - es gibt einen Andrang auf E-Autos.
Quelle: dpaAn der Zapfsäule entscheidet sich gerade, was in den Autohäusern läuft. Zwei Euro der Liter; Super E10 kostete zuletzt im Tagesdurchschnitt knapp unter zwei Euro, Diesel sogar noch etwas mehr. Nach den Preisausschlägen des Frühjahrs, als der Dieselpreis nach dem Irankonflikt an sechs aufeinanderfolgenden Tagen Allzeithöchststände markierte, hat sich bei vielen Autofahrern eine einfache Kalkulation durchgesetzt: Das E-Auto kostet an der Steckdose deutlich weniger.
Doch der Spritpreis ist nicht der einzige Treiber. Die für dieses Jahr beschlossene Wiederaufnahme der staatlichen Förderung von Elektroautos sei "ein psychologisch wichtiges Signal", sagt Simon Rosenberger, der in Frankfurt Autos der Marken Seat und Cupra verkauft.
Neue Zuschüsse sollen den Kauf von E-Autos attraktiver machen. Wie hoch die Förderung ausfällt, wer die Kaufprämie beantragen kann und welche Rolle Einkommen und Kinder dabei spielen.
07.05.2026 | 0:40 minDaten zeigen: Prämie wirkt offenbar
Tatsächlich zeigen aktuelle Daten des Marktführers bei privaten Autoversicherungen, der HUK Coburg, dass die staatliche Kaufprämie offenbar Wirkung hat. Nach einer Auswertung von HUK Coburg sind im ersten Quartal 2026 so viele Deutsche privat von einem Verbrennermotor auf ein Elektroauto gewechselt wie nie zuvor.
Vor allem im März sei diese "Umstiegsquote", so die Auswertung, sprunghaft angestiegen - von 5,5 auf 8,9 Prozent der gesamten Fahrzeugwechsel. Umgerechnet ein Anstieg um 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Seit Mitte Mai kann die staatliche Kaufprämie für E-Autos beantragt werden. Was gefördert wird und wer in welcher Höhe profitiert, erklärt Valerie Haller vom ZDF-Wirtschaftsteam.
19.05.2026 | 1:32 minHat dieser große Anstieg derjenigen, die von einem Verbrenner- auf ein E-Auto umsteigen, tatsächlich etwas mit der staatlichen Kaufprämie zu tun? Um das herauszufinden, ließ die HUK Coburg zusätzlich eine repräsentative Umfrage erstellen. Ergebnis: 18 Prozent der befragten Bundesbürger gaben an, durch die staatliche Kaufprämie entweder "erstmals über den Kauf eines Elektroautos nachzudenken" oder diesen Kauf "wahrscheinlich vorzuziehen."
Grafik zur sozialen Staffelung und E-Autoförderung
Quelle: ZDFWelche Marken profitieren
Interessant wird die Auswertung der HUK Coburg dann beim Blick auf die Frage, welche Marken von dem Umstieg von Verbrenner- auf Elektrofahrzeuge profitieren - und zwar stärker als im vergangenen Jahr. Eindeutige Gewinner demnach: die Marken aus dem Ausland - ob französische oder chinesische Hersteller.
Lag der Anteil von Citroen bei den Umstiegen 2025 noch bei 1,6 Prozent, so stieg er im ersten Quartal 2026 auf 4,2 Prozent. Ähnlich bemerkenswert die Anstiege bei den chinesischen Herstellern BYD (von 0,8 Prozent 2025 auf 2,0 Prozent im ersten Quartal 2026) und Leapmotor (von 1,8 Prozent auf 3,6 Prozent).
Auch Tesla profitierte stark: 2025 lag der Anteil des US-Herstellers an den Umstiegen bei 5,6 Prozent - im ersten Quartal 2026 bei satten 13,6 Prozent. Zu den großen Umstiegs-Verlierern zählten der HUK-Auswertung zufolge ausgerechnet die beiden deutschen Hersteller BMW und VW, die jeweils mehrere Prozentpunkte Marktanteil bei den Umsteigern einbüßten.
Für neu zugelassene Elektroautos gibt es staatliche Zuschüsse – auch rückwirkend ab Januar. Die Höhe des Fördergeldes hängt von Fahrzeug, Einkommen und Familiengröße ab und wird online beantragt.
21.05.2026 | 0:46 minExperte: Es fehlt an günstigen Angeboten der deutschen Hersteller
Der Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler Prof. Moritz Kuhn, der E-Auto-Kaufprämien wissenschaftlich untersucht, findet das wenig überraschend. "Wenn man mit einer Kaufprämie gezielt Haushalte mit niedrigeren Einkommen fördert, kaufen diese eben vor allem kleinere E-Autos", so Kuhn zu ZDFheute. Und da deutsche Hersteller dieses Segment nur wenig bedienen, würden von der staatlichen Kaufförderung vor allem ausländische Anbieter profitieren, die günstigere E-Autos anbieten.
Chinesische E-Autos werden rasant besser und günstiger und verändern den Markt. Marken drängen nach Europa. Können deutsche Hersteller mithalten? Alle Highlights der Automesse.
28.04.2026 | 11:21 minEin Dilemma
Kuhn spricht von einem Zielkonflikt: Eine sozial gestaffelte Kaufprämie sei eben kein Subventionsprogramm für deutsche Autohersteller - sondern helfe den Haushalten, die kleinere und für sie bezahlbarere E-Autos kaufen. Im Ergebnis könne man aber immerhin ein Ziel erreichen: mehr Elektro-Autos auf deutschen Straßen.
Dazu beitragen dürfte laut Autoverkäufer Rosenberger noch eine andere wichtige Gruppe: die Wiederholungskäufer. Wer bereits ein Elektroauto fährt, kennt die Ladekurven, hat die Reichweitenangst überwunden, weiß, wo die Wallbox hängt. "Diese Käufer brauchen nicht mehr überzeugt werden", so Rosenberger. Die entscheiden sich beim nächsten Autokauf von vornherein für ein Fahrzeug mit Elektroantrieb.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zu E-Mobilität
Bis zu 6.000 Euro Zuschuss:Zuschüsse für E-Autos: So kommen Sie an die Förderung
von Frank Gollenbeckmit Video0:40- FAQ
Staatliche Prämie:Portal für E-Auto-Förderung: Was man zum Antrag wissen muss
mit Video1:52 - Analyse
Ausbau der Ladeinfrastruktur:E-Autos laden: Woran es hakt und was sich ändern soll
von Lothar Beckermit Video2:28 Zulassungen im April 2026:Jeder vierte Wagen ist ein E-Auto, Benziner im Sinkflug
mit Video1:54