Commerzbank: Was im Streit mit Unicredit auf dem Spiel steht

Übernahmeschlacht um die Commerzbank:Der Bund sagt Nein - doch die Unicredit spielt auf Zeit

Frank Bethmann ist zu sehen.

von Frank Bethmann

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Der Bund erteilt der italienischen Großbank Unicredit eine Absage. Das laufende Übernahmeangebot für die Commerzbank sei zu unattraktiv. Der Ton wird schärfer, der Druck größer.

Commerzbank-Gebäude mit Commerzbank-Schild im Vordergrund

Die italienische Großbank Unicredit will die Commerzbank übernehmen. Jetzt geht der Streit in die nächste Runde.

Quelle: AP

Der Streit um die Übernahme der Commerzbank durch Unicredit geht in die nächste Runde. Anfang der Woche legte der Bund sein Veto ein. Schon allein wirtschaftlich käme das Angebot der Unicredit nicht in Frage. Es enthalte keine angemessene Prämie auf den aktuellen Kurs der Commerzbank-Aktie, teilte die Finanzagentur des Bundes mit.

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Doch es gibt noch einen anderen wichtigen Punkt: Als zweitgrößter Aktionär mit rund zwölf Prozent der Anteile ist der Bund weiterhin - ganz grundsätzlich - gegen eine Übernahme. Man unterstütze die Strategie der Eigenständigkeit und lehne das aggressive Vorgehen der Unicredit ab. Die Commerzbank spiele eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands, heißt es zur Begründung.

Unicredit verschärft den Ton

Bereits am Montag hatte Unicredit-Chef Andrea Orcel die Tonlage verschärft. Erstmals deutete der Italiener an, über genug Stimmen für einen Umbau der Führung zu verfügen: Man wäre in der Lage, auf der Hauptversammlung sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu wählen, der seinerseits den Vorstand bestellt.

Die Drohung, den gesamten Vorstand und damit auch Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp abzuberufen, könnte kaum klarer sein. Verdi-Gewerkschafter und Commerzbank-Aufsichtsratsmitglied Frederik Werning meint, damit lasse Andrea Orcel endgültig die Maske fallen.

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SGS Orlopp Commerzbank Einschränkungen

"Wir können das beeinflussen, was in unserer Macht steht und das ist eben unsere Strategie und die bringen wir sehr erfolgreich nach vorne", so Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp.

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Die Commerzbank geht aber auch juristisch gegen die Übernahme vor: Der Gesamtbetriebsrat erstattete Strafanzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte Vorermittlungen.

Der konkrete Anlass: Die Unicredit hatte gemeldet, dass ihr im Rahmen des Übernahmeangebots rund elf Prozent der Commerzbank-Aktien angeboten wurden; durchgehend unter dem aktuellen Börsenkurs.

Der Verdacht: Unicredit lässt befreundete Finanzinstitute Aktien ankaufen, um den Markt über die tatsächliche Unterstützung durch unabhängige Investoren zu täuschen. Damit würde sie Druck auf echte Aktionäre ausüben. So etwas, als vorsätzliche Marktmanipulation bezeichnet, kann in Deutschland mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden.

Trotz sehr starker Quartalsergebnisse will die Commerzbank weitere 3.000 Stellen abbauen.

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Während die Übernahmeschlacht also inzwischen die Justiz, aber auch die Bankenaufsicht Bafin beschäftigt, wird andernorts über mögliche Konsequenzen spekuliert. Was wäre, wenn ...?

Im Übernahmefall droht ein massiver Stellenabbau. Unicredit-Chef Orcel kündigte bereits 7.000 Stellenstreichungen bei der Commerzbank an. Gewerkschafter Frederik Werning warnt sogar vor über 15.000 wegfallenden Jobs.

Pikant: Auch die Commerzbank selbst baut Stellen ab, nur nennt sie es Digitalisierung. Zu den bereits 2025 angekündigten 3.900 Stellenstreichungen sollen weitere 3.000 hinzukommen, ein Großteil durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, als Teil der Strategie, die Bank eigenständig zu stärken.

GERMANY-ECONOMY-FINANCE-BANKING-RESULTS

Die Commerzbank will sich mit höheren Gewinnzielen und Stellenstreichungen gegen eine feindliche Übernahme durch die Unicredit wehren: Rund 3.000 weitere Stellen sollen wegfallen.

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Eine Übernahme wäre mehr als ein Eigentümerwechsel. Die Commerzbank ist nach der Deutschen Bank das bedeutendste Frankfurter Kreditinstitut - Hauptsitz, Entscheidungsstrukturen, Tausende qualifizierte Arbeitsplätze.

Rückt die strategische Führung faktisch nach Mailand, verliert Frankfurt Substanz als Bankenstandort. Das trifft die Mainmetropole, die seit dem Brexit mühsam Terrain als europäisches Finanzzentrum gewonnen hat.

Kurzfristige Übernahme unwahrscheinlich

Noch aber ist es längst nicht so weit. Kurzfristig ist die Übernahme unwahrscheinlich. Solange das Angebot wirtschaftlich unattraktiv ist, der Bund blockiert und kein institutioneller Investor mitzieht, kauft Andrea Orcel vor allem Zeit, nicht die Bank.

Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen

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Geheime Deals, komplexe Sprache, kaum Spuren: Wie Investigativjournalisten undurchsichtige CumCum‑Geschäfte entlarven. _frontal inside blickt hinter die Recherche.

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Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF am 20.05.2026 ab 12 Uhr.

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