Zukunftsschau in der Wüste:CES 2026: Wenn der Lego-Stein mit KI denkt
von David Sauer, Las Vegas
In Las Vegas verschmelzen Industrie-Power und Alltagshilfe: Siemens setzt auf Nvidia, Lego erfindet den Baustein neu und Brillen mit deutscher Technik fordern das Smartphone heraus.
In Las Vegas startet die renommierte Messe "Consumer Electronics Show". Auch deutsche Unternehmer reisen an, um einen Blick in die Zukunft der digitalen Welt zu werfen.
06.01.2026 | 1:39 minDas grelle Licht der Leuchtreklamen am Las Vegas Strip konkurriert diese Woche mit dem technologischen Feuerwerk, das in den Messehallen der CES gezündet wird. Die "Consumer Electronics Show" hat sich längst von einer reinen Gadget-Messe zu einem globalen Schauplatz für die Neuerfindung der Welt entwickelt.
Zwischen blinkenden Displays und surrenden Robotern wird eines klar: 2026 ist das Jahr, in dem die Künstliche Intelligenz ihre Kinderschuhe endgültig verlässt.
Siemens und der digitale Turbo
Mitten im Trubel steht ein echtes deutsches Industrie-Schwergewicht: Siemens. Wer glaubt, die CES sei nur etwas für Spielereien, wird von den Münchnern eines Besseren belehrt. Siemens-CEO Roland Busch ist mit einer klaren Mission angereist. Er sieht die Wirtschaftswelt vor einem Umbruch, der in seiner Geschwindigkeit alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt.
ZDF-Korrespondent David Sauer berichtet aus Las Vegas von der "Consumer Electronics Show". Auch deutsche Unternehmen sind vertreten - doch große deutsche Autohersteller sucht man vergebens.
06.01.2026 | 3:34 min"Es hat 60 Jahre gedauert, bis der Dampf sich durchgesetzt hat, 30 Jahre Elektrizität, 15 Jahre die Computer und das Internet. Wir reden jetzt von fünf bis sieben Jahren für KI", sagt Busch zum Tempo der Transformation.
In den nächsten Jahren wird sich ganz, ganz viel entscheiden - und wir müssen vorne sein.
Roland Busch, CEO bei Siemens
Um das zu sichern, verkündet Busch eine strategische Allianz, die in der Branche als Paukenschlag gilt: Eine enge Kooperation mit dem Chip-Giganten Nvidia. Gemeinsam wollen sie ein KI-basiertes Betriebssystem für die Fertigung und Entwicklung bauen.
Die Vision: Eine Welt, in der Fabriken erst komplett digital simuliert werden, bevor der erste echte Stein gesetzt wird. "Wir wollen unsere Partnerschaft auf das nächste Niveau heben und das möglichst schnell in all die Märkte skalieren, die wir bedienen", betont Busch.
Innovation im Kinderzimmer: Der schlaue Stein
Doch die CES wäre nicht die CES, wenn es nicht auch die kleinen Dinge gäbe, die Staunen auslösen. Selbst der dänische Kult-Hersteller Lego nutzt das Scheinwerferlicht von Las Vegas für eine kleine Sensation. Mit "Smart Play" präsentiert das Unternehmen den "Smart Brick".
Lego stellt auf der CES seinen neuartigen interaktiven Baustein vor, der im März auf den Markt kommen soll.
Quelle: dpaAuf den ersten Blick sieht er aus wie ein gewöhnlicher 2x4-Baustein, doch in seinem Inneren steckt Hightech. Sensoren sorgen dafür, dass der Stein Farben erkennt, Geräusche macht und unmittelbar auf seine Umgebung reagiert.
Wenn ein Kind ein Flugzeug aus Lego baut und der Smart Brick erkennt, dass es "abhebt", ertönt ein Motorengeräusch. Setzt man ihn auf eine blaue Platte, "weiß" der Stein, dass er sich im Wasser befindet. Es ist der Versuch, das klassische haptische Spiel mit der digitalen Welt zu verschmelzen, ohne dass die Kinder nur noch auf Bildschirme starren.
Auch beim Chaos Communication Congress drehte sich viel um KI: In Hamburg zeigten Entwickler, wie KI-Tools Nutzerdaten schützen können.
27.12.2025 | 2:01 minGesundheit in der Hosentasche und auf der Nase
Für Menschen mit Lebensmittelallergien könnte ein neues, handliches Gerät zum Lebensretter werden. Es scannt Mahlzeiten in Sekunden auf Allergene wie Nüsse, Gluten oder Eier und warnt.
Auch prominent vertreten sind smarte Brillen. Die entscheidende Technik für die neueste Generation stammt aus Deutschland. Die Firma Schott liefert die speziellen Gläser mit sogenannten Wellenleitern. "Das heißt, es verschmilzt die digitale Welt mit dem, was ich sehe", erklärt Schott-Sprecher Michael Müller. Die Informationen werden direkt in das Sichtfeld eingeblendet.
Wie ist Europa bei Künstlicher Intelligenz aufgestellt? Das analysierte ZDFheute live im vergangenen August.
02.08.2025 | 22:34 minSchott ist weltweit das einzige Unternehmen, das diese hochkomplexen Komponenten in Serie produzieren kann. In den USA gibt es die Brillen zu kaufen. Die Kreativität kenne hier keine Grenzen mehr - das könnte sogar dem Smartphone den Rang ablaufen, sagt Müller.
Die Wette ist eigentlich, dass viele Anwendungen, die du heute auf dem Handy hast, sich dann in deinem Sichtfeld abspielen.
Michael Müller, Schott
Luxus für den Blick in die Sterne
Ein Highlight für Hobby-Astronomen: Ein französischer Hersteller zeigt ein vollautomatisches High-Tech-Teleskop. Per App steuert das Gerät selbstständig Galaxien und Planeten am Nachthimmel an.
Das Ergebnis lässt sich in einer Auflösung bewundern, die früher Sternwarten vorbehalten war. Der Preis für den privaten Blick in die Unendlichkeit liegt bei schlappen 99.000 Dollar (rund 85.000 Euro).
David Sauer ist ZDF-Korrespondent im ZDF-Studio Washington D.C.
Mehr zu Innovationen und Technik
- Interview
Ausstellung "Robotic Worlds":Roboter mit Gefühlen? Daran arbeitet die Forschung
Robotik in der Raumfahrt:Nachhaltigere Missionen dank "Lego im Weltall"?
von David Römhildmit Video2:51- Interview
Treffen der Gründerszene:Firmen der Zukunft: "Start-ups sind absolut systemrelevant"
mit Video2:30