Kann "alkoholfrei" den Absturz stoppen?:Warum immer mehr Brauereien schließen müssen
von Helge Hoffmeister
Deutsche Brauereien stehen unter Druck: Der Absatz sinkt, die Kosten steigen und selbst große Namen wanken. Kann "alkoholfrei" den Absturz stoppen oder droht ein Brauerei-Sterben?
"Die Leute gehen weniger aus, sie trinken weniger", sagt Frank Höhler von Früh Kölsch. Der rückläufige Konsum trifft immer mehr Brauereien. Alkoholfreies Bier wird dagegen immer beliebter.
22.07.2026 | 2:33 minAuch Wasser wird zum edlen Tropfen, mischt man es mit Malz und Hopfen: An geistreichen Sprichwörtern rund ums Bier mangelt es im Deutschen nicht. Doch mit einem Blick auf die Lage der Brauereien in Deutschland scheinen Hopfen und Malz zurzeit eher verloren.
Denn der Bierkonsum sinkt: 2025 verzeichneten deutsche Brauereien laut Statistischem Bundesamt ihren stärksten Absatzrückgang seit Beginn der Erhebungen 1993. Er sank im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter.
Deutschlands Brauereien stehen vor Herausforderungen: Der Bierkonsum geht zurück und die Produktionskosten steigen. Die Glückauf-Brauerei setzt auf Qualität und so manch originelle Idee.
23.04.2026 | 1:55 minAuch große Brauereien verzeichnen Verluste
Der Absatzeinbruch trifft nicht nur kleine und mittelgroße Unternehmen. Selbst große Brauereien wie etwa Veltins haben zu kämpfen. Die Großbrauerei konnte ihren Getränkeabsatz im ersten Halbjahr 2026 nur durch den Zukauf der Marke Karamalz erhöhen. Bei der eigenen Hauptmarke Veltins Pils sank der Absatz hingegen nach Angaben des Unternehmens um rund 4,3 Prozent.
Ein weiteres prominentes Beispiel ist die Warsteiner Gruppe in Nordrhein-Westfalen. Sie gab im Mai bekannt, ihre Brauerei in Herford zu schließen und eine weitere Produktionsstätte in Paderborn zu verkaufen. Rund 220 Arbeitsplätze sind betroffen.
Künstliche Intelligenz verändert die Bierbranche: Von einer traditionsreichen Brauerei, die KI in die Planung integriert, bis zum jungen Bier-Startup, das mit KI im Marketing durchstartet.
30.01.2026 | 17:16 minDie Konzerne stehen sinnbildlich für die ganze Branche. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes wurden seit Ende 2019 100 Betriebe stillgelegt.
Allein in den letzten 14 Tagen mussten drei namhafte Brauereien schließen.
Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes
Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes befürchtet, dass noch weitere Betriebe folgen könnten. Denn die Bierbrauereien stecken gleich zweifach in der Krise. Auf der einen Seite steigen - teilweise bedingt durch internationale Krisen - die Kosten für Energie, Personal und Produktion sowie Transport und Verpackung.
Auf der anderen Seite zeigen sich in wirtschaftlich unsicheren Zeiten auch die Verbraucher zurückhaltend. Hinzu kommt, dass viele Deutsche - gerade jüngere - inzwischen bewusst generell auf Alkohol verzichten.
Die Brauereien in Deutschland haben im letzten Jahr 7,8 Milliarden Liter Bier verkauft. Das sind sechs Prozent weniger als noch 2024 und die geringste Menge seit Beginn der Datenerfassung 1993.
02.02.2026 | 0:35 minBrauereien erforschen neue Märkte
Um den Rückgang im Bierabsatz auszugleichen, setzen immer mehr Brauereien auf nichtalkoholische Getränke. Das Angebot hat sich hier in den vergangenen Jahrzehnten vervielfacht. Fruchtsaftschorlen, Limonaden, Energy Drinks, Kombucha, Wasser mit Geschmack - viele Unternehmen möchten mehr alkoholfreie Getränke verkaufen, um Menschen zu erreichen, denen Bier nicht schmeckt, und gleichzeitig ihre Traditionsmarken erhalten. Doch Branchenexperte Mario Brück warnt, dass dieser Weg nicht für alle Unternehmen erfolgreich sein wird.
Für einige kann das funktionieren, aber nicht für alle. Kein Mensch wartet auf die 17. Variante einer Limonade.
Mario Brück, Branchenexperte für die Getränkeindustrie bei der "Lebensmittel Zeitung"
Der Markt sei derzeit übersättigt und müsse insgesamt schrumpfen, meint Brück. Zwar gebe es auch erfolgreiche Beispiele, wie etwa die Spezi von Paulaner. An anderen Stellen könnten kleine Betriebe etwa mit einem starken lokalen Fokus weiter durchhalten. Aber realistisch würden weitere Brauereien schließen müssen. "Und es ist zu erwarten, dass das auch das ein oder andere große Unternehmen trifft", so Brück.
Zum Fußball gehört für viele ein Bier - immer öfter alkoholfrei. Doch wie wird es gebraut, und stimmt "ohne Alkohol" wirklich? Ein Blick auf den Boom eines wachsenden Trends.
18.06.2026 | 2:44 minAlkoholfreie Biere nehmen Fahrt auf
Neben Sprudel und Säften haben auch alkoholfreie Biere an Bedeutung zugenommen. Sie haben laut Deutschem Brauer-Bund mittlerweile einen Marktanteil von über zehn Prozent. Deutschland sei hier anderen Ländern deutlich voraus.
Wir sind Europameister im Brauen von alkoholfreien Bieren.
Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes
Apropos Meisterschaft: Für die Fußball-WM starteten Brauerei-Konzerne Rabattaktionen von bis zu 40 Prozent, um die Menschen doch noch vom Kauf ihrer Biere zu überzeugen. Großer Gewinner war Bitburger als offizieller Partner der Nationalmannschaft. Das Unternehmen gab bekannt, im ersten Halbjahr 2026 seinen Absatz um 0,4 Prozent gesteigert zu haben, während der allgemeine Biermarkt im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 5,1 Prozent zurückging. Um den Absatztrend in der Bierbranche generell aufzuhalten, reichte also selbst das größte Sportereignis der Welt nicht aus.
Helge Hoffmeister ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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