Sinkender Bierkonsum:Durststrecke: Wie deutsche Brauereien ums Überleben kämpfen
von Anja Charlet
Der Bierkonsum geht zurück, Energie- und Rohstoffpreise steigen. Immer mehr Traditionsunternehmen melden Insolvenz an. Eine kleine Brauerei in Sachsen stemmt sich gegen die Krise.
Deutschlands Brauereien stehen vor Herausforderungen: Der Bierkonsum geht zurück und die Produktionskosten steigen. Die Glückauf-Brauerei setzt auf Qualität und so manch originelle Idee.
23.04.2026 | 1:55 minWeniger Konsum und steigende Energiepreise - keine Entspannung auf dem deutschen Biermarkt. Was hilft gegen die Krise und wie behaupten sich kleine Betriebe? Für die Glückauf-Brauerei in Sachsen zählt vor allem:
Wir können uns nur abheben gegenüber den Großen mit der Qualität. Und das machen wir ja. Das sehen Sie anhand der Preise und anhand des Sortiments.
Astrid Peiker-Holzmüller, Glückauf-Brauerei
Auszeichnungen, Ideen und weniger Alkohol
Die Glückauf-Brauerei in Gersdorf am Fuße des Erzgebirges gibt es seit 1880. Zu DDR-Zeiten verstaatlicht, ist sie heute eine Privatbrauerei mit 23 Mitarbeitern. Ein mittelständisches Unternehmen, wie die meisten Brauereien hierzulande.
Ihre Biere wurden mehrfach ausgezeichnet - etwa mit dem European Bier Star für das dunkle Bock und dem Craftbier-Award für das Gersdorfer Ale. Und der große Renner jetzt im Frühjahr/Sommer ist der Hopfenflirt - das Halbstarke. Mit nur 2,9 Prozent Alkohol. Der Name entstand mit der Kundschaft vor einem Jahr zum Tag des Deutschen Bieres.
Beim Hopfen und Malz machen sie keine Abstriche, sagt Astrid Peiker-Holzmüller. Sie haben Hopfen aus Deutschland, aber auch aus den USA. Mit Ideen will Peiker-Holzmüller punkten und mit Regionalität. Insgesamt umfasst das Getränke-Sortiment 21 Produkte. 13 Biersorten, drei Biermisch-Getränke, vier Limonaden. Das "Bubi-Helle" ist in der Region genauso ein Begriff wie die "Kooks Cola". Geliefert wird in einen Umkreis von 50 Kilometern sowie nach Dresden und Leipzig.
Rekordtief beim Bierabsatz
Der Trend gehe allgemein immer stärker zum alkoholfreien Bier, erklärt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Brauer-Bund. Der Bierkonsum ist seit Jahren rückläufig.
Das liege auch am demografischen Wandel, veränderten Trinkgewohnheiten, der Krise in der Gastronomie, dem Konsumklima. Alles trage dazu bei, dass in vielen Ländern Europas weniger Bier getrunken werde.
Der Bierabsatz der deutschen Brauereien ist laut Statistischem Bundesamt 2025 gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent oder 497,1 Millionen Liter auf rund 7,8 Milliarden Liter gesunken. Eine ernüchternde Bilanz. Ein Rekordtief.
Die Brauereien in Deutschland haben im letzten Jahr 7,8 Milliarden Liter Bier verkauft. Das sind sechs Prozent weniger als noch 2024 und die geringste Menge seit Beginn der Datenerfassung 1993.
02.02.2026 | 0:35 minDeutschland ist größter Markt für alkoholfreies Bier
Dass die Zahl der alkoholfreien Biere steige, sei eine gute Nachricht, sagt Eichele. Beim Umsatz habe man die Zehn-Prozent-Marke geknackt. Deutschland ist größter Markt für alkoholfreies Bier europaweit.
Heute würden junge Leute bewusster, gesundheitsorientierter leben. Viele seien abstinent, weiß Holger Eichele. Darauf reagieren die Brauereien, indem sie nichtalkoholische Getränke mit ins Sortiment aufnehmen. Trotzdem bleibt manches Traditionsunternehmen auf der Strecke.
"Eine Brauerei braucht viel Energie. Wärme, aber auch Kälte" sagt Holger Eichele. Um Bier zu brauen und zu lagern. Die steigenden Preise für Logistik und Benzin seien eine zusätzliche Belastung. Einige Brauereien mussten zuletzt Insolvenz anmelden - darunter die Gambrinus-Brauerei und die Mauritius-Brauerei in Zwickau. Die Oettinger-Brauerei stellte die Produktion in Braunschweig ein. Die Liste dürfte wohl noch länger werden, fürchtet der Deutsche Brauer-Bund.
Der Umgang mit Alkohol verändert sich in Deutschland. Viele - gerade Jüngere - verzichten einer Umfrage zufolge ganz oder teilweise darauf. Hoch im Kurs sind alkoholfreier Sekt und Wein.
21.01.2026 | 2:01 minNeue Brauereien in Sachsen
1.415 Brauereien gab es laut Statistischem Bundesamt 2025 in Deutschland. Die meisten in Bayern (588), Baden-Württemberg (190), NRW (131) und Sachsen mit aktuell 84 Brauereien. Da sind große Marken wie Radeberger oder Ur-Krostitzer mit dabei. Aber gegen den Bundestrend kamen in Sachsen von 2019 bis 2024 sogar sieben neue Brauereien dazu. Auch kleine, sogenannte Mikrobrauereien.
Solche Haus- und Gaststättenbrauereien haben mal einen Sud oder auch zwei von einer Spezialsorte, sagt Astrid Peiker-Holzmüller. Wenn's läuft, geht die Rechnung auf. Ein alkoholfreies Bier haben sie in Gersdorf übrigens nicht im Angebot. Wer das möchte, könne Wasser trinken, sagt die Brauerei-Chefin.
Und tatsächlich wird Mineralwasser ja auch schon von mehreren Brauereien angeboten.
Anja Charlet berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Sachsen.
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