Armut in Deutschland steigt: 13,3 Millionen Menschen gefährdet

Zahlen des Statistischen Bundesamtes :Mehr als 13 Millionen Menschen von Armut bedroht

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Armut nimmt in Deutschland zu: 13,3 Millionen Menschen galten im Jahr 2025 als armutsgefährdet. Besonders betroffen sind unter anderem Alleinerziehende.

Ein Mann erhält eine Geldspende

Rund 13,3 Millionen Menschen in Deutschland sind 2025 armutsgefährdet gewesen. Das waren rund 200.000 mehr als ein Jahr zuvor, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen.

03.02.2026 | 0:27 min

In Deutschland gelten 13,3 Millionen Menschen als armutsgefährdet. Das sind 16,1 Prozent der Bevölkerung, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag unter Berufung auf Daten zu Einkommen und Lebensbedingungen im Jahr 2025 mitteilte. Dieser Anteil war damit höher als im Jahr zuvor. 2024 hatten 15,5 Prozent der Bürgerinnen und Bürger ein Einkommen unterhalb der sogenannten Armutsgefährdungsgrenze.

Als armutsgefährdet gilt jemand, dessen Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung beträgt. Im Jahr 2025 lag dieser Schwellenwert für einen alleinlebenden Menschen in Deutschland netto, also nach Steuern und Sozialabgaben, bei 1.446 Euro im Monat und für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 3.036 Euro im Monat.

Besonders von Armut betroffene Gruppen

Alleinlebende, Alleinerziehende und Nichterwerbstätige waren der Statistik zufolge besonders häufig armutsgefährdet. 30,9 Prozent der Alleinlebenden und 28,7 Prozent der Alleinerziehenden-Haushalte hatten zuletzt ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze und zugleich eine überdurchschnittlich hohe Quote.

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17.11.2025 | 1:41 min

Am meisten armutsgefährdet sind Arbeitslose mit einer Quote von 64,9 Prozent. Aber auch andere Nichterwerbstätige (33,8 Prozent) sowie Menschen im Ruhestand (19,1 Prozent) sind überdurchschnittlich stark durch Armut gefährdet.

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben eingeschränkt

Wird neben der Einkommenssituation auch die Möglichkeiten der Menschen zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben - zum Beispiel in den Bereichen Bildung, Kultur oder Wohnen - berücksichtigt, dann waren im vergangenen Jahr sogar 17,6 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das entsprach mehr als einem Fünftel (21,2 Prozent) der Bevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Anteil nahezu unverändert.

Das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) zeigte sich von der Entwicklung nicht überrascht. Die eigene Forschung belege eine nachlassende Verteilungswirkung des Sozialstaates sowie eine steigende Einkommensungleichheit. Verwunderlich sei jedoch, dass dieses Problem in der politischen Debatte kaum eine Rolle spiele.

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Die beiden WSI-Experten Bettina Kohlrausch und Sebastian Dullien erklärten:

Dabei ist es ein offenkundiges Versagen sozialstaatlicher Institutionen, wenn die Armut in einem eigentlich reichen Land steigt.

Bettina Kohlrausch und Sebastian Dullien, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI)

Sie warnten, Armut destabilisiere die Gesellschaft und erschüttere das Vertrauen in die Demokratie.

Kipping fordert "Armutsvermeidungs-Check"

Die Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbands und ehemalige Linken-Vorsitzende Katja Kipping sieht in den Zahlen einen Handlungsauftrag für die Bundesregierung. Sie fordert:

"Jede sozialpolitische Reform muss einem Armutsvermeidungs-Check unterzogen werden. Heißt: Jede geplante Maßnahme, die droht Armut zu verschärfen, ist zu unterlassen." Kipping kritisiert, dass vor allem Alleinerziehende von Armut betroffen seien. Armut sei dabei nicht nur eine abstrakte Zahl.

Für die Betroffenen bedeutet Armut: Kinder ohne Winterjacke, Familien, die bei der Heizung sparen müssen, Menschen, die den Zahnarztbesuch aufschieben.

Katja Kipping, Paritätischer Gesamtverband

Quelle: AFP, Reuters
Über das Thema berichtete die ZDFheute Xpress am 03.02.2026 ab 9:00 Uhr.

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