Zahl der Arbeitslosen:Mismatch am Arbeitsmarkt: Wenn Fachkräfte keinen Job finden
von Patrick Müthing
Die Chancen, aus der Arbeitslosigkeit in einen Job zu kommen, sind aktuell schlecht - trotz Fachkräftemangels. Der Arbeitsmarkt strukturiert sich neu und das scheint anzuhalten.
Die Zahl der Arbeitslosen ist im April leicht gesunken, die Frühjahrsbelebung bleibt schwach. Experten fordern Jobmobilität, um dem entgegenzuwirken und Beschäftigte an die neue Arbeitswelt anzupassen.
30.04.2026 | 1:47 minDer heute veröffentlichte Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit zeigt erneut: Die Chancen aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen, sind auf einem historisch niedrigen Niveau. Ein Problem: "Mismatch". Obwohl händeringend nach Arbeitskräften gesucht wird, suchen Arbeitskräfte händeringend nach Jobs.
Die Dauerkrise in der Industrie und der Ölpreisschock drücken auf die Beschäftigung.
Enzo Weber, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
Gut 640.000 offene Stellen sind der Arbeitsagentur derzeit gemeldet, während rund drei Millionen Menschen ohne Arbeit sind. Seit Monaten verändern sich diese Zahlen kaum. Auch die erwartete Frühjahrsbelebung fällt schwach aus.
Ein Masterabschluss galt lange als Jobgarantie. Heute suchen Uniabsolventen länger denn je. Umso wichtiger ist es da, persönlichen Kontakt zu Unternehmen aufzubauen.
14.04.2026 | 1:59 minWarum finden Fachkräfte nicht in neue Jobs?
Es ist eins der großen Paradoxe des derzeitigen Arbeitsmarkts. Während der Begriff "Fachkräftemangel" seit Jahren vorherrscht, finden qualifizierte Arbeitskräfte keine Stellen mehr. Drei Faktoren spielen beim Mismatch eine große Rolle:
- 1. Regionalität: Es gibt zwar Stellen, diese liegen jedoch in anderen Regionen und es fehlt die Bereitschaft für einen Umzug.
- 2. Qualifikation: Die Anforderungen an Stellen haben sich geändert und Kompetenzen reichen nicht mehr aus, beispielsweise durch Digitalisierung und Automatisierung.
- 3. Struktur: Berufe in anderen Branchen sind stärker gefragt, zum Beispiel eher offene Stellen in der Pflege als in der IT.
Schwierige Zeiten für die GenZ: Wegen der schwachen Wirtschaft finden viele junge Menschen trotz hunderter Bewerbungen keinen Job. Gleichzeitig klagen Unternehmen weiter über Fachkräftemangel.
14.03.2026 | 4:49 minMüssen sich die Deutschen mehr bewegen?
Neben der Konjunkturlage und den Qualifikationen spielen auch die Flexibilität von Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine entscheidende Rolle. Niklas Klapper ist Personalberater bei der Adecco Group, einem der weltweit führenden Personaldienstleister. Zwischen Arbeitgebern und Bewerbern die perfekte Lösung zu finden, sei anspruchsvoller geworden.
Dies liegt unter anderem an den Anforderungen. Während Arbeitgeber die Ansprüche nach oben schrauben und mehr nach dem "perfect Match" suchen würden, habe sich auch auf Seiten der Bewerber eine Anspruchshaltung entwickelt - etwa Homeoffice.
In den Augen von Peter Blersch, CEO der Adecco Group Deutschland, ist die Flexibilität, beispielsweise für den Arbeitsplatz umzuziehen, in Deutschland zwar eher gering. Dies sei aber keine Neuigkeit und spiele eine untergeordnete Rolle:
Das ist ein traditionelles Thema. Die übergeordnete Rolle ist die Qualifikation, an der es mangelt. Bundesweit.
Peter Blersch, CEO The Adecco Group Deutschland
Die Zahl der Arbeitslosen ist im März leicht gesunken: 3,021 Millionen Menschen waren laut Bundesagentur für Arbeit ohne Job - etwa 49.000 weniger als im Vormonat.
31.03.2026 | 0:23 minFortbildung als Schlüssel
Der Schlüssel ist für Blersch die Qualifizierung. Herausforderungen des Arbeitsmarkts, wie der demografische Wandel, seien - anders als die Konjunktur - berechenbar.
Wir wissen, wie viele Fachkräfte weggehen werden. Wir wissen, welche Fachkräfte weggehen werden. Und das können Unternehmen planen.
Peter Blersch, CEO The Adecco Group Deutschland
Weiterqualifizierung und Umqualifizierung spielen auch in den Augen von Silke Anger vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die entscheidende Rolle. Dies lasse sich jedoch nur gemeinsam stemmen, wenn Betriebe und Arbeitskräfte darin investieren. Aktuell sei die Weiterbildungsteilnahme deutlich geringer als man sich das wünschen würde. Vor allem in Beschäftigtengruppen, die stark von Automatisierung betroffen seien.
Das heißt, da könnte man tatsächlich sagen: Wir haben etwas verschlafen.
Prof. Dr. Silke Anger, IAB
Problem wird erst noch stärker werden
Mismatch sieht Anger als zunehmendes Problem auf dem Arbeitsmarkt und deshalb jetzt einen enormen Handlungsbedarf.
Tatsächlich wird kaum ein Beruf in drei Jahren noch so sein, wie er heute ist. Tätigkeiten verändern sich und wir müssen jetzt alle aufwachen und anfangen, in Bildung zu investieren.
Prof. Dr. Silke Anger, IAB
Aktuell stünden zwar noch die konjunkturellen Herausforderungen im Vordergrund. Erst wenn die Konjunktur wieder anzieht und Unternehmen wieder vermehrt nach Fachkräften suchen, wird das Mismatch besonders ins Gewicht fallen.
Patrick Müthing arbeitet im Team Wirtschaft und Finanzen im ZDF.
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