FIFA-WM 2026: Ein Turnier voller Widersprüche

"Lanz"-Talk über die Weltmeisterschaft:WM 2026: Ein Turnier voller Widersprüche

von Felix Rappsilber

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Demonstrierende schimpfen, Fans jubeln: Inmitten politischer Konflikte läuft die Fußball-WM in Nordamerika. Kann man die WM noch schauen wie früher? Die Debatte bei "Markus Lanz".

Lucas Vogelsang zu Gast bei "Markus Lanz".

Autor Lucas Vogelsang spricht bei "Markus Lanz" über die Ambivalenz der Fußball-WM 2026.

Quelle: Markus Hertrich

"Der Elfjährige in mir will Fußball schauen (...) und der Realist und der Journalist in mir sagt natürlich: Du kannst dieses Turnier nicht einfach so schauen wie früher." - Autor Lucas Vogelsang verdeutlichte am Mittwochabend bei "Markus Lanz" die Ambivalenz der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada.

Vogelsang: WM in den USA hat sich verändert

Mit Blick auf die letzte Fußball-WM in den USA im Jahr 1994 sagte er:

Dem Fußball ist die Unschuld verloren gegangen in diesen Jahrzehnten.

Lucas Vogelsang, Autor

Deswegen sei die WM in den USA jetzt eine andere, als sie es vor 32 Jahren war, mit all den Neben- und Störgeräuschen, so Vogelsang.

Journalist Jürgen Schmieder stimmte zu: "Hier im Cluster Südkalifornien, Westmexiko wird die komplette Ambivalenz dieser WM spürbar." Zum einen hätten die Amerikaner ihre "Patriotism Party" in Los Angeles gefeiert. Zum anderen hätten sich in Los Angeles lebende Mexikaner über ihren guten WM-Auftakt gefreut.

Schaltgespräch zwischen Elmar Theveßen und Sara Bildau

Diese Public Viewings seien sehr wichtig, weil die meisten Mexikaner sich diese teuren Tickets nicht leisten können, sagt ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.

12.06.2026 | 1:42 min

Schmieder: Exil-Iraner beschimpfen iranische Mannschaft als Terroristen

Am Montag habe zwischen Iran und Neuseeland die "vielleicht heikelste Partie bisher" stattgefunden. Schon während des Trainings, so Schmieder, hätten Exil-Iraner gegen die Spieler der iranischen Nationalmannschaft protestiert: "Plötzlich hörst du Rufe von draußen: 'Ihr seid Terroristen. Ihr gehört nicht hierher. Ihr repräsentiert nicht dieses Land.'"

Vor dem Stadion hätten sich Leute in grün-weiß-roter Kleidung gegenübergestanden, die auf den ersten Blick alle wie iranische Fußballfans ausgesehen hätten - "und plötzlich brüllen die aufeinander ein":

Die Fußballer, die hier sind, repräsentieren das Regime, das sich noch immer im Krieg mit den USA befindet, und die anderen repräsentieren die Flagge, wo der Löwe und die Sonne drauf sind.

Jürgen Schmieder, Journalist

Iranische Fans protestieren während der Nationalhymne vor dem WM-Spiel gegen Neuseeland in Los Angeles.

Das WM-Spiel zwischen Iran und Neuseeland sorgt für gemischte Reaktionen auf den Tribünen: Regimekritische Exil-Iraner protestieren, während andere ihr Team trotz der politischen Spannungen anfeuern.

16.06.2026 | 1:28 min

Die Löwe-und-Sonne-Flagge stammt aus der Zeit vor der Islamischen Revolution 1979. Weil die Gegner der iranischen Führung die iranischen Nationalspieler für Terroristen halten würden, hätten sie sich über die Tore der Neuseeländer gefreut.

Trotz dieser Spannungen war es beim Spiel zwischen Iran und Neuseeland zu einem besonderen Moment gekommen: "Wenn 70.000 gemeinsam plötzlich eine La Ola veranstalten, (...) ist genau das am Montag passiert: eine Minute Fröhlichkeit und Freude."

Protestanten am 15.06.26

Vor dem WM-Stadium in Los Angeles gab es Proteste zahlreicher iranischer Anhänger gegen das Regime in Teheran. Im kalifornischen Süden lebt die größte iranische Gemeinde außerhalb des Iran.

16.06.2026 | 3:09 min

Bachmann: Fußball WM als 1936-Moment der USA

Ökonom Rüdiger Bachmann betonte, dass die USA am Ende des Tages ein "unheimlich gastfreundliches Land" seien:

Mein Eindruck ist, dass die MAGA-Leute mal ein bisschen die Klappe halten müssen.

Rüdiger Bachmann, Ökonom

Man habe "nicht mehr so viel" von Aktivitäten der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE gehört. In Anspielung auf die Olympischen Spiele im Jahr 1936, die die Nationalsozialisten in Berlin ausgerichtet hatten, sagte Bachmann: "Zyniker würden sagen: Das ist so ein 1936-Moment."

Auf dem Bild sieht man rechts im Vordergrund Trump und im Hintergdung sieht man ein Fußballstadion. Auf mehreren Bildschirmen ist die Aufschrift "Los Angeles" zu sehen.

Trumps Einreiseverbote und der Fall des somalischen Schiedsrichters Omar Artan werfen die Frage auf: Wer darf überhaupt zur Fußball-WM 2026 in die USA - und wer nicht? ZDFheute live ordnet ein.

09.06.2026 | 28:19 min

Politologin Cathryn Clüver Ashbrook ergänzte:

Gerade jetzt, in diesem Moment, (...) werden in 27 Bundesstaaten Lagerhallen für 96.000 zu deportierende Flüchtlinge aufgekauft und angemietet.

Cathryn Clüver Ashbrook, Politologin

Seit Beginn des Jahres seien in den ICE-Gefängnissen 18 Menschen gestorben. Wie es in diesen Deportationslagern zugehe, hätten viele Europäer mitbekommen, "die sehr wohl darüber berichten": "Das hat viele abgeschreckt."

das kapitol (r) ist neben dem friedensdenkmal (l) zu sehen.

Der US-Kongress hat weitere 70 Milliarden Dollar für die Einwanderungsbehörde ICE freigegeben. US-Präsident Trump kann so seine Vorhaben bei der Immigrationspolitik fortsetzen.

10.06.2026 | 0:26 min

Vogelsang: Trumps Inszenierungen kommen noch

Vogelsang sagte, dass wir derzeit zwei parallele Turniere verfolgen würden: "Es gibt das eine Turnier in Kanada und Mexiko: sehr weltoffen, sehr bunt." Das andere sei das Turnier in Trumps Amerika.

Da gibt es so viel, was einem einfach den Spaß am Fußball verdirbt.

Lucas Vogelsang, Autor

Wieder hob er die Ambivalenz dieser Fußball-WM hervor: "Es wird immer die Völkerverständigung geben und das kann der Fußball leisten und das wird er auch bei diesem Turnier leisten." Dabei gebe es ein Dilemma: "Je schöner und je größer diese WM wird, desto größer wird auch die Bühne für Trump."

US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino mit dem WM-Pokal

Die größte WM aller Zeiten - mit drei sehr unterschiedlichen Gastgebern. Aber die große Party droht am Geltungsanspruch der USA unter Präsident Donald Trump zu ersticken.

11.06.2026 | 29:06 min

Es sei ein "großes Glück und gleichzeitig eine große Drohkulisse für dieses Turnier", dass Donald Trump darin noch gar nicht stattgefunden habe. Noch sei er der "Mann im Hintergrund". Der amerikanische Präsident habe sich bisher "zurückgenommen", weil er anlässlich seines 80. Geburtstages einen Cagefight auf dem Rasen des Weißen Hauses geplant hatte.

Vogelsang betonte: "Die Trump-Spiele kommen erst noch. (...) Trump hat schon gesagt: Am 4. Juli wird er im Stadion sein (...) und das werden die großen Inszenierungen."

Wo die Teams bei der Fußball-WM spielen (Fokus Eröffnung und Finale)

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