WM-Außenseiter Neuseeland: Unentschieden als einzige Chance?

Interview

Interview mit Ex-Bremer Wynton Rufer:WM-Außenseiter Neuseeland: Unentschieden als einzige Chance?

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Vor Neuseelands WM-Auftakt gegen Iran spricht der Ex-Bremer Wynton Rufer über die Aussichten der Kiwis, eine verpasste Begegnung mit Pelé und seinen Weltmeister-Tipp Brasilien.

Fußballer Chris Wood (rechts) aus Neuseeland, im internationalen Fußball-Freundschaftsspiel zwischen England und Neuseeland, im Raymond James Stadium, Tampa, Florida, USA, am 06.06.2026.

Für Ex-Profi Rufer ist Chris Wood (rechts) der größte Star der Mannschaft Neuseelands - hier bei einem Freundschaftsspiel gegen England.

Quelle: Imago

Einst wurde er von Otto Rehhagel nach Deutschland geholt, dann entwickelte sich der Neuseeländer Wynton Rufer zu einem der besten Stürmer der Bundesliga. Der zweifache Fußballer des Jahres in Ozeanien spielte in Kaiserslautern und Bremen, später wurde er unter anderem Nationaltrainer von Papua-Neuguinea.

Im Interview mit ZDFheute spricht Rufer über die neuseeländische Nationalmannschaft und seine Erwartungen für die Fußball-WM 2026.

ZDFheute: Herr Rufer, bei seinen bislang zwei WM-Teilnahmen hat Neuseeland noch nie gewonnen, 2010 in Südafrika aber immerhin drei Mal remis gespielt. Wie schätzen Sie die Chancen der Kiwis gegen Iran, Ägypten und Belgien diesmal ein?

Wynton Rufer: Die einzige Chance, die wir haben, sind vielleicht wieder ein paar Unentschieden.

Wynton Rufer: Ex-Fußballer und Trainer aus Neuseeland
Quelle: Jens Wolf / dpa / lsn

Geboren am 29. Dezember 1962 in Wellington als Sohn einer Māori und eines Schweizers. Er wechselte 1989 von Grasshoppers Zürich nach Bremen, mit Werder wurde er 1993 Deutscher Meister, holte zwei Mal den DFB-Pokal (1991, 1994) und gewann mit den Hanseaten 1992 gegen die AS Monaco den Europapokal der Pokalsieger.

Von 1980 bis 1997 spielte der gelernte Stürmer für die All Whites in der Nationalmannschaft, kam - in erster Linie wegen Dauerquerelen mit dem neuseeländischen Fußballverband über die Erstattung von Reisekosten - aber nur auf 23 Länderspiele (12 Tore). 1999 wurde Rufer von der FIFA und der Ozeanischen Fußball-Konföderation zu Ozeaniens Fußballer des Jahrhunderts gekürt.


ZDFheute: Welche Spieler Neuseelands können bei der WM Ihrer Meinung nach am ehesten auf sich aufmerksam machen?

Rufer: Man muss da schon richtig suchen, weil es überhaupt keine Talente gibt. Wir haben nur Chris Wood, der von meiner Akademie kam. Neuseeländische Fußballer sind von Grund auf athletisch schwach. Auch unter meinen Kids muss ich nach athletischen Spielern richtig suchen.

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ZDFheute: Wenn man den Kids in Ihrer Fußballschule in Auckland beim Training zusieht - das sieht alles sehr entspannt und spielerisch aus.

Rufer: Neuseeländer sind generell so, da geht das nicht anders. Man muss locker bleiben. Das ist nicht wie in Deutschland oder Europa.

ZDFheute: Deswegen haben Sie mal laut überlegt, passt Fußball womöglich gar nicht so gut zur Mentalität der Kiwis.

Rufer: Na ja, im Sport haben wir schon eine super Mentalität. Bei Olympischen Sommerspielen sind wir immer ganz oben dabei, was die Anzahl der Medaillen pro Einwohner betrifft. Die holen wir meistens in Individualsportarten. Aber in Sachen Fußball ist leider nichts los.

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ZDFheute: Woran liegt das?

Rufer: Im Fußball hätten wir viel mehr erreichen können. Ich bin 1997 hierher zurückgekehrt, habe meine kleine Akademie, wollte das zusammen mit dem neuseeländischen Fußballverband machen. Aber wer hier Chef wird oder nicht, ist alles nur Zufall. Das hat viel mit Egos zu tun.

ZDFheute: Haben die Fußballfunktionäre Sie denn als Konkurrenz empfunden?

Rufer: Neuseeland ist ein kleines Land, und das Tall-Poppy-Syndrom (das Phänomen, besonders erfolgreiche Menschen zu kritisieren oder herabzuwürdigen, Anm. d. Red.) ist hier sehr präsent. Das ist wie mit den Tulpen in den Niederlanden: Wenn eine zu groß wird, muss man sie abschneiden.

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ZDFheute: Immerhin: Neuseeland ist zum dritten Mal bei einer WM dabei. Wie läuft das jetzt in der Heimat ab: Gehen die Menschen zum Fußballgucken auf die Straßen, gibt es Public Viewing?

Rufer: Das kann man nicht mit anderen Ländern vergleichen. Wir haben nicht diese Begeisterung. Wenn bei uns 15.000 Zuschauer zu einem Fußballspiel kommen, ist das viel.

ZDFheute: Mit viel Glück reicht es für Neuseeland Ihrer Meinung nach fürs Sechzehntelfinale. Welches Team sehen Sie am Ende denn ganz oben?

Rufer: Es sind immer die gleichen Nationen: Deutschland, Spanien, Frankreich, Brasilien, England. Normalerweise gewinnt wieder eines dieser Länder. Ich denke, Brasilien wird Weltmeister. Zum ersten Mal seit 2002. Das würde mich freuen.

ZDFheute: Wie beurteilen Sie das Niveau des deutschen Fußballs im internationalen Vergleich?

Rufer: Eigentlich wird alles gemessen am Abschneiden in der Champions League und bei Weltmeisterschaften. Das einzige Team, das da wirklich gut ist, sind die Bayern. Auch bei der WM ist es nicht einfach, die Konkurrenz ist riesig.

ZDFheute: Bei Neuseelands WM-Premiere, 1982 in Spanien, haben Sie selbst mitgespielt. Mit 19.

Rufer: Die Brasilianer hatten damals eine unglaubliche Mannschaft. Zico, Socrates, Falcao, Eder, Toninho Cerezo, Junior … Wahnsinn!

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ZDFheute: Und es gab die Geschichte mit Pelé, Ihrem großen Vorbild.

Rufer: Oh Gott ja. Vor dem Spiel gegen Brasilien kam Pelé zu uns in die Kabine - und ich war nicht da. Ich hab diesen unglaublich besonderen Moment verpasst.

ZDFheute: Weil Sie draußen auf dem Platz Fotos gemacht haben "wie ein Tourist", sagten Sie mal. Was haben Sie von 2010, als Neuseeland zum zweiten Mal dabei war, in Erinnerung?

Rufer: Damals war ich mit meinen Jungs in Südafrika. Wir haben Safari gemacht, die Spiele von Neuseeland verfolgt. Das waren tolle Erfahrungen. Und wir haben Otto Rehhagel besucht, beim Spiel seiner Griechen gegen Argentinien.

Das Interview führte Andreas Morbach.

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