Kramer zu Balogun-Causa: "Infantino und Trump ist nichts peinlich"

Nach Rücknahme der Strafe für US-Stürmer:Kramer: "Infantino und Trump ist nichts peinlich"

von Jannik Schneider

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Die Aufhebung der Sperre für US-Stürmer Balogun sorgt weltweit für Unverständnis. Die ZDF-Experten in Berlin üben Kritik - vor allem an Donald Trump und Gianni Infantino.

Christoph Kramer gestikuliert.

Nach dem Platzverweis gegen Folarin Balogun ist seine Sperre aufgehoben worden. Die Reaktion der drei ZDF-WM-Experten ist klar.

06.07.2026 | 4:23 min

Christoph Kramer wirkte am Montagabend im ZDF-Studio konsterniert. "Wenn dieser Fall nicht so traurig wäre, wäre es fast lustig", sagte der Weltmeister von 2014 und erklärte anhand eines Vergleichs, wie abstrus die gesamte Situation ist.

Die Rücknahme dieser roten Karte sei ungefähr so, als würde Friedrich Merz beim Fifa-Präsidenten anrufen. Und dann hätte das deutsche zurückgenommene Tor in der Verlängerung gegen Paraguay doch gezählt.

Kramer: "Ich finde das heftig"

"Das macht von vorne bis hinten gar keinen Sinn. Ich finde das heftig. Den beiden (Infantino und Trump, Anm. d. Red.) ist nichts peinlich. Die stellen sich da hin und zeigen der gesamten Welt, dass sie alles entscheiden können und alle schauen dann irgendwie in die Röhre", so Kramer.

Das geht gar nicht. Als die ersten Meldungen im Internet aufploppten, dachte ich erst, das sei ein Scherz.

Christoph Kramer

Die Situation um den amerikanischen Stürmer Folarin Balogun ist aber ernst und schlägt sportpolitisch weltweit große Wellen. Der Angreifer war im ersten K.o.-Spiel nach einem unabsichtlichen, aber schwerwiegenden Tritt mit Rot vom Platz gestellt worden.

Trump bestätigt Anruf bei Infantino

Für die Rote Karte erhielt er danach eine Sperre für ein Spiel - was nach FIFA-Regelwerk in diesem Fall die Mindeststrafe ist. Die FIFA hatte anschließend am Sonntag die Rot-Sperre für Balogun aufgehoben und zur Bewährung ausgesetzt.

US-Präsident Donald J. Trump

Die Aufhebung der Sperre für US-Stürmer Balogun löst massive Kritik aus. Nun bestätigte der US-Präsident, Infantino um Überprüfung gebeten zu haben. Auch der FIFA-Boss äußert sich.

06.07.2026 | 0:45 min

Der Weltverband beruft sich auf Artikel 27 der Disziplinarordnung, nach dem eine Disziplinmaßnahme ganz oder teilweise ausgesetzt werden kann. Besonders pikant: Später bestätigte US-Präsident Donald Trump Medienberichte, er habe Infantino um Überprüfung gebeten. Auch der FIFA-Boss äußerte sich.

Kinhöfer: "Gesamte Integrität des Fußballs steht auf dem Spiel"

Vor dem Spiel der USA gegen Belgien am Dienstag (2 Uhr) bestätigte ZDF-Schiedsrichterexperte Thorsten Kinhöfer zunächst die "klare rote Karte". Trefferbild und Intensität seien gegeben gewesen. "Zudem war der Ball nicht spielbar. Alle drei Argumente für eine rote Karte sind gegeben. Es kann keine zwei Meinungen geben."

ZDF-Korrespondent Christoph Schneider im ZDFheute live Studio. Er trägt ein hellblaues Sakko und ein weißes Hemd.

Die Entscheidung im Fall Balogun setze die Disziplinarkommission der FIFA unter Druck und könnte irritierende Maßstäbe schaffen, so ZDF-Redakteur Christoph Schneider.

06.07.2026 | 16:04 min

Die FIFA suche nun Argumente, ihre Entscheidung zu rechtfertigen. Es gebe nach Verhandlungen manchmal eine Reduzierung der Strafe samt Geldbuße. "Aber es bleibt immer Minimum bei einem Spiel. Wenn ich nur ein Spiel Sperre habe und ich reduziere auf null, dann verliert der Fußball die Glaubwürdigkeit. Das kann nicht sein. Die gesamte Integrität des Fußballs steht auf dem Spiel", erklärte der ehemalige Top-Schiedsrichter.

Mertesacker: "Dann brauchen wir auch keinen Fußball mehr spielen"

Per Mertesacker sagte: "Ich glaube, das ist verheerend. Ich wurde auch schon vom Platz gestellt wegen einer Notbremse und wir haben gekämpft wie die Löwen vor dem DFB-Sportgericht und die haben uns abprallen lassen. Die zwei Spiele blieben bestehen und das muss auch bestehen bleiben."

Wenn diese Integrität nicht mehr gegeben sei, dann "brauchen wir auch kein Fußball mehr zu spielen. Dann werden ja auch Ergebnisse ad absurdum geführt", führte der ehemalige Innenverteidiger fort.

ZDF-Reporter Moritz Neuß berichtet aus Seattle. Er trägt ein blaues Sakko und ein weißes T-Shirt. Er steht am Rand einer Straße. Auf der anderen Seite der Straße ist ein Stadion zu sehen.

ZDF-Reporter Moritz Neuß berichtet aus Seattle, dass viele US-Fans Trumps Eingreifen kritisch sähen. Sie fürchteten, der Präsident beschädige das Bild eines offenen Gastgebers.

06.07.2026 | 6:54 min

Kromp: "Es ist eine neue Dimension"

Friederike "Fritzy" Kromp war angesichts der Ereignisse "total fassungslos und bestürzt". "Es ist eine neue Dimension". In der Vergangenheit habe es auch die ein oder andere kritische Situation gegeben, die nahe gelegt habe, es werde gemauschelt.

"Jetzt ist es offensichtlich. Diese neue Dimension hat eine wahnsinnige Tragweite. Ich bin gespannt, was bis zum Anpfiff noch passiert. Ich hoffe, es passiert noch etwas. Denn so sollte nicht angepfiffen werden."

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