WM 2026: Was macht Frankreich so stark?

Vizeweltmeister ist Topfavorit:Taktikanalyse: Was Frankreich so stark macht

von Ullrich Kroemer

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Sportwissenschaftler Daniel Memmert analysiert bei der WM in Nordamerika die Taktik der spannendsten Teams. In Teil zwei der Taktikserie im Fokus: Frankreich.

Frankreichs Trainer und einer der Schlüsselspieler: Didier Deschamps und Michael Olise (rechts).

Fußball-WM: Olise und Deschamps.

Quelle: AFP

Professor Daniel Memmert von der Deutschen Sporthochschule (DSHS) Köln ist derzeit im Rahmen von Forschungskooperationen bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA auf Reisen. Für zdfheute.de nimmt er die spannendsten Teams der WM unter die Lupe. Dabei richtet er seinen Fokus im zweiten Teil seiner Analysereihe auf Vize-Weltmeister Frankreich. Die Franzosen haben die Stellung als Topfavorit in ihren bisherigen Auftritten eindrucksvoll untermauert - zuletzt beim grandiosen 3:0 gegen Schweden.

"Eigentlich", so Memmert, "haben die Franzosen keine echte Schwäche, nahezu zwei vollwertige Teams im Team, das heißt, nahezu 22 Spieler auf einem Niveau." Dass etwa Stürmer Hugo Ekitiké verletzt fehlt, falle angesichts dieser Fülle an Qualität kaum auf. Somit sind die Franzosen in allen Prognosen, auch in jender der DSHS Köln, die Frankreich eine Titelwahrscheinlichkeit von 18,5 Prozent bescheinigt, der Favorit auf den WM-Triumph

Michael Olise (Frankreich) und Gabriel Gudmundsson (Schweden) kämpfen.

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Umschaltspiel: 100 Prozent Endgeschwindigkeit plus Technik

Die größte Stärke der Franzosen, so der Studiengangsleiter des Masters Spielanalyse an der DSHS, sei das Umschalten von der Defensive in die Offensive.

Die zentrale Idee ist es, stabil in der Defensive zu stehen, um nach Ballgewinn blitzschnell umzuschalten und den extrem schnellen Spitzen den entsprechenden Raum zu geben, um ihre Geschwindigkeit auszuleben.

Daniel Memmert

So geschehen etwa bei den beiden Toren von Ousmane Dembélé gegen Norwegen zum 1:0 und 2:0. Man dürfe die Franzosen getrost als "echte Kontermannschaft" bezeichnen, "in dieser Spielphase können die schnellen Spieler Dembélé, Bradley Barcola und Kylian Mbappé ihre komplette Endgeschwindigkeit plus Technik zu 100 Prozent ausspielen".

Eine Offensivaktion der französischen Nationalmannschaft im WM-Spiel gegen Norwegen

Nach Ballgewinnen schalten die Franzosen blitzschnell um, so wie hier beim Tor zum 2:0 gegen Norwegen.

02.07.2026 | 0:26 min

Systematik: Weniger Prinzipien, mehr Freiheit und Qualität

Die Equipe tricolore spiele in der Offensive weniger mannschaftlich systematisch mit so vielen Spielprinzipien und Abläufen wie etwa Deutschland, hat Memmert beobachtet. Vielleicht ein Vorteil, der den Superstars den nötigen Freiraum gibt.

Die Franzosen setzen stärker auf ihre individuelle Qualität, die weltklasse und somit auch nicht so einfach auszurechnen ist sowie eine stärkere individuelle Flexibilität beinhaltet.

Daniel Memmert

Wie ballsicher die Ausnahmekönner im letzten Drittel agieren und auch gegen tiefstehende Gegner ein Powerplay-Spiel aufziehen können, ist beeindruckend.

Eine Offensivaktion der französischen Nationalmannschaft im WM-Spiel gegen Schweden

Die französische Elf vertraut stärker auf individuelle Qualität und Inspiration als auf auf feste Spielprinzipien - Spieler wie Mbappé oder Olise sind schwer auszurechnen.

02.07.2026 | 0:12 min

Spielmacher: Fixpunkt vom FC Bayern

Anders als beim FC Bayern ist Michael Olise nicht auf dem rechten Flügel zu finden, sondern der zentrale Akteur der Franzosen. "Doch dabei agiert er nicht immer als echter Zehner, sondern ist in nahezu allen Räumen zu finden, da er anscheinend mit allen Freiheiten ausgestattet wurde", so der Taktikexperte.

Besonders gefährlich sei der Regisseur "über beide Halbspuren, da hier seine geniale Raumorientierung, sein brillanter erster Kontakt und seine Entscheidungsqualität auf Weltklasse-Niveau voll zur Entfaltung kommen".

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Michael Olise ist einer der überragenden Spieler der WM. In der französischen Nationalelf genießt er alle Freiheiten.

02.07.2026 | 0:17 min

Chancen für die Gegner: Hoffen auf individuelle Fehler

Schwächen haben die Franzosen kaum. Doch gegen den Irak, der deutlich besser im zentralen Block als Norwegen verteidigte, habe die "Grande Nation" häufig nur quer gespielt, so die Analyse von Memmert; echte, eintrainierte Spiel-Prinzipien seien kaum zu erkennen gewesen.

"Zudem war das Zentrum teilweise schlecht besetzt somit keine Vertikalität durchs Zentrum möglich", so der Professor. "Obwohl die Abwehr Frankreichs bislang kaum gefordert war, müssen Gegner versuchen, individuelle Fehler zu provozieren", sagt Memmert. So wie beim 1:2 von Norwegen, bei dem Dayot Upamecano nicht eingriff.

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